Exponate zeitgenössischer Keramik 2016
Moderne trifft traditionelle Handwerkstechnik
Absolventen der Fachschule für Keramik stellen aus im Keramikmuseum Westerwald
Höhr-Grenzhausen. Traditionelle Handwerkstechniken werden neu interpretiert zu einem modernen, stilvollen Design. So lassen sich die Werke der Absolventen der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen beschreiben. Die Abschlussarbeiten von Juliane Marie Fritsch und Mitko Sabev Ivanov, sowie die Ergebnisse des Förderjahres von Julia Saffer waren von Anfang Juli bis zum letzten Sonntag im Keramikmuseum Westerwald ausgestellt. Bereits zum 15. Mal fand diese Ausstellung im Keramikmuseum statt, bei der Absolventen der Gestalterausbildung ihr Erlerntes präsentieren dürfen. Dabei feiert die Abschlussausstellung in diesem Jahr ihr 40. Jubiläum, doch wurde damals noch ein einfacher Klassenraum der Fachschule als Ort gewählt. In diesen 40 Jahren wandelte sich die einstige Güterkonsumgesellschaft zu einer Verbrauchskonsumgesellschaft, was die Arbeit mit dem traditionellen Handwerk vor einige Herausforderungen stellt. Umso schöner ist es, dass es immer noch, wenn auch nur wenige, junge Menschen gibt, die in der Gestaltung von Keramik ihre Leidenschaft sehen und sich deshalb ausgeprägt mit diesem Thema beschäftigen und ein Bestehen auf dem weltweiten Markt möglich machen.
Die 27 jährige Juliane Marie Fritsch wurde in Jena geboren und machte von 2010 bis 2013 eine Ausbildung zur Keramikerin in der Töpferei Jörg Treiber in Ettenheimmünster. Danach begann sie an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen ihre Weiterbildung zur Keramikgestalterin. In ihren Arbeiten, mit dem Titel „Lieblingsstücke“, wird Tradition mit Moderne vereint. Alte Handwerkstechniken treffen auf stilvolles, zeitgenössisches Design. Gespannten Gefäßkörpern setzt ein flaches Dekor illusionistische Tiefenwirkung entgegen. Ein Bild des Lebens, des Wachstums, des ständigen Wandels in der Natur und Freiheit entsteht. Jedes dieser Einzelstücke bereichert durch individuelle Schönheit und Eleganz den Alltag und wird zu einem besonderen Begleiter.
Ein anderer Absolvent ist der 48 jährige Mitko Sabev Ivanov. Nachdem der Bulgare das Diplom Schöne Künste am Nationalgymnasium in Sofia erhielt, studierte er bis zum Magister der Künste an der Nationalen Kunstakademie für schöne Künste, ebenfalls in Sofia. 2003 nahm er sein Studium der Freien Kunst in der Fachrichtung Keramik am IKKG der Hochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen auf. Das Diplom hielt er 2007 in den Händen und machte gleich darauf seinen Master of Fine Arts. Seither machte er eine Ausbildung zum Keramikgestalter an der Fachschule für Keramik und unterrichtet parallel als Dozent Plastisches Gestalten am IKKG der Hochschule Koblenz. Als Abschlussarbeit präsentiert er seine künstlerische Wandinstallation „Boogie-Woogie schon bei dir zu Hause“, die Hohlkörper aus Keramik mit Öl- und Acrylmalerei auf Leinwand verbindet. Die unscharf bemalten und schon von uns vergessenen Könige und Hofdamen und die mit romantisch-sentimentalen Erinnerungen verbundenen Landschaftsorte binden sich zusammen in einem Rätselbild, das die Träume und Ängste über Änderungen und die Zukunft unseres Kulturraums visualisiert. So beschreibt der Künstler selbst sein Werk.
Die 1984 in Forchheim geborene Julia Saffer war Schülerin im Förderjahr 2015/2016. Ihre Ausbildung zur Keramikgestalterin an der Fachschule in Höhr-Grenzhausen begann sie 2010 und beendete es 2015. Parallel dazu absolvierte sie ein Jahr Gastsemester am IKKG der Hochschule Koblenz. Im Förderjahr an der Fachschule für Keramik hatte sie die Möglichkeit, die Werkstätten und Labore der Schule ein weiteres Schuljahr zu nutzen, um ihre Abschlussarbeit weiter zu entwickeln. Zu sehen sind neue Stücke ihrer Reihe „Loops“, frei gebaute Objekte, die mit Leichtigkeit, Rhythmus und Kontinuität spielend, Sinnbilder für den Kreislauf des Lebens sind.
Nun wurden die Werke abgebaut und die Künstler werden versuchen, die liebevoll gestalteten Stücke auf Flohmärkten verkaufen zu können. Denn es muss Zeit und Platz für neue Werke sein. So ist das Motto eines jeden Keramikgestalters und Künstlers, frei nach Hermann Hesse: „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben.
