Der neu gestaltete und neu benannte Karoline Kahn-Platz wurde eingeweiht
„Mögen diesem Platz immer sonnige Stunden beschert werden!“
Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland weihte am Tag der Städtebauförderung Platz in der Judengasse ein
Montabaur. Strahlender Sonnenschein – das sah Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland als Zeichen. „Mögen diesem Platz immer sonnige Stunden beschert werden“, begrüßte sie zunächst alle Bürger, die zum Mitfeiern zur Einweihung des neu gestalteten Karoline Kahn Platzes in der Judengasse gekommen waren. Das Ziel „Städtebauförderung“ habe bundesweit eine ganz besondere Bedeutung, denn dass Bund, Länder und Kommunen für diesen Zweck sehr viel Geld investierten, sei gut und wichtig.
Teil der Stadtsanierung
Vor eineinhalb Jahren hat der Montabaurer Stadtrat ein neues Programm der Stadtsanierung verabschiedet. Vorgängerprogramme hat es schon in den 70er-Jahren und in den 2000-ern gegeben. Eine Maßnahme aus diesem Programm sei dieser Platz, berichtet Gabi Wieland. „Es ist auch ein Ziel, dass wir heute ins Gespräch kommen, durchaus auch über diesen Platz, aber auch dass wir Ihnen zeigen können: Wo tut sich etwas in der Stadt, und was wird sich noch tun?“ Im Mittelpunkt der Stadtsanierung stehe immer der Gedanke, dass es nur gemeinsam gehe: „Mit den Eigentümern, mit den Bewohnern, mit den Einzelhändlern – mit ganz vielen Akteuren, und natürlich mit den Bürgern. Deshalb gehört zum Tag der Städtebauförderung auch das gemeinsame Feiern.“
Keine Hinterhofatmosphäre mehr
Gesicht und Funktion des Platzes hätten sich deutlich gewandelt. „Es war ja ein reiner Parkplatz, eher so Hinterhofatmosphäre. Und inzwischen ist er gut bevölkert, insbesondere nachmittags oder in der Mittagspause. Viele Leute machen hier in Ruhe ihre Mittagspause, lesen ein Buch, ruhen sich auf diesen wunderschönen Liegen aus. Man findet Touristen, die hier ihre Eindrücke austauschen und Informationen erhalten. Und es ist ein Platz, auf dem Nachbarn sich auch treffen können.“ Der Platz eigne sich ideal auch für einen kleinen Nachbarschaftstreff. Und auch die Stadtführer hätten hier eine wunderbare Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und den Zusammenhang zwischen der Tradition und der neuzeitlichen Entwicklung Montabaurs aufzuzeigen.
Der erste „weibliche“ Platz
Viele Anforderungen habe es für die Neugestaltung des Platzes gegeben: barrierefrei, offen für Veranstaltungen, pflegeleicht im Unterhalt, und trotz der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten möglichst viele Parkplätze zu erhalten. All diese Vorgaben habe das Büro „Stadt Land plus“ aus Boppard mit seinen Gestaltungsideen umgesetzt. Viele zuverlässige Handwerker aus der Region seien beteiligt gewesen, stellte die Stadtbürgermeisterin heraus. Auch der EVM-Mast sei renoviert und künstlerisch neu gestaltet worden.
Der Impuls für die Benennung des Platzes geht auf einen Vorschlag des Grundkurses Geschichte der 13. Jahrgangsstufe des Landesmusikgymnasiums zurück. Diesem sei wichtig gewesen: ein jüdischer Mitbürger und ein Frauenname. „Erstmals ein Frauenname für einen Platz in Montabaur!“, freute sich Wieland.
Geschichte der Stadt
Altbürgermeister Paul Possel-Dölken stellte die Idee des Historischen Stammtisches und der Arbeitsgruppe Stadtrundgang heraus, in Montabaur Infotafeln aufstellen, die nicht nur über das Gebäude, sondern auch über wesentliche Themen der Stadtgeschichte informierten. Die erste Säule dieser Machart wurde schon am Alten Bahnhof aufgestellt. Die zweite Stele steht nun auf dem Karoline Kahn-Platz. Sie ist an zwei Seiten mit Bildern und Text gestaltet: die eine Seite informiert über die Geschichte der Juden in Montabaur und über den Namen des Platzes. Die andere Seite setzt mit Bild und Text die Stadtmauer und den Stadtturm „Schiffken“ in Szene.
Erinnerung an den 9. November 1938
Karoline Kahn war eine Witwe. Ihr Mann war 1937 gestorben. Sie war bettlägerig und konnte sich in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nicht in Sicherheit bringen. Ihre Söhne hatten rechtzeitig eine Warnung bekommen, waren bei der Wehrmacht geflohen und hatten sich einen Tag vorher versteckt. Am Abend des 9. November sind auch SA-Einheiten in Montabaur eingefallen und haben die jüdischen Bewohner zusammengetrieben. Die bettlägerige Karoline Kahn wurde vom Rebstock aus aus dem Bett gezerrt und auf den Boden des Marktplatzes geschleift. Sie wurde zunächst in Kirchähr interniert und aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands wieder freigelassen. Ein halbes Jahr später musste sie ihr Haus am Rebstock zwangsweise verkaufen. Sie kam dann nach Frankfurt in ein jüdisches Altenheim, in dem sie 1942 verstarb. „Sie steht beispielhaft für die Juden in Montabaur“, betont Possel-Dölken die passende Namensgebung des neu gestalteten Platzes.
Nachdem 1291 die Stadtrechte verliehen wurden hatte Montabaur das Recht, die Altstadt mit einer festen Mauer zu umgeben und die Stadt mit einer Bürgerwehr zu verteidigen. Der kleine Turm „Schiffken“ diente als Stadtgefängnis.
Vom Hinterhof-Flair zum lebendigen Treffpunkt: Der neu gestaltete Platz mit dem Namen „Karoline-Kahn-Platz“ überzeugt durch seinen freundlichen Charakter.
