Allgemeine Berichte | 12.03.2018

Alter Bahnhof Puderbach präsentiert Konzert von Søren Thies

„Momentan finde ich das noch wichtiger als früher, jüdische Lieder zu singen“

Søren Thies verzaubert sein Publikum mit Liedern vom Unterwegssein, von Liebe und Sehnsucht, von Hoffnung und ganz alltäglichen Begebenheiten.

Ein paar der „Macher“ von Kultur im Alten Bahnhof (v.l.): Bürgermeister Volker Mendel,Antonia Fournier, Martin Henn, Arnold Parduch und Sabine Knorr-Henn. Fotos: KER

Puderbach. Ein Norddeutscher, der in Hessen lebt und jüdische Musik macht – die Besucher des kleinen Konzerts am Samstagabend im Puderbacher Alten Bahnhof konnten aus nächster Nähe erleben, wie sich das anhört – und emotional anfühlt. Andächtig, manchmal gerührt lauschten die Zuhörer den besinnlichen, teils wehmütigen Klängen und Gesängen, die der Liedermacher Søren Thies mit seinem Akkordeon und seiner Stimme produzierte. Ein Mann, ein Instrument und ein Mikrofon reichten für ein abendfüllendes Programm. Manchmal mit heiteren Melodien und lustigen Texten, manchmal traurig machend vor dem düsteren Hintergrund der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Er sei mal gefragt worden, erzählt Søren Thies in einer Liedpause, warum er als Nichtjude jüdische Lieder singe? Er habe geantwortet: „Warum nicht?“ Auch jüdische Muttersprachler zollen seiner Kunst Respekt. Vor Kurzem habe er in einem jüdischen Altersheim in Frankfurt gespielt. Thies: „Die fanden das völlig in Ordnung und haben gesagt: Toll, dass du das machst! Die haben mir sogar noch Tipps gegeben.“ Bisher war er noch nie in Israel. Eine Reise dorthin ist für nächstes Jahr geplant. Vielleicht auch, um dort Musik zu machen.

Mitreißendes Konzertprogramm

In Puderbach hat Thies jedenfalls schon eine feste Fangemeinde. Er ist nicht zum ersten Mal hier. In der Ankündigung auf der Homepage der Projektgruppe „Jugend, Kultur und Soziales“ heißt es: „Liebe Freunde des Alten Bahnhofs in Puderbach, Søren Thies endlich wieder bei uns mit Ojfn Weg. Klezmermusik und Lieder in jiddischer Sprache – Ojfn Weg verknüpft jiddische Lieder aus drei Jahrhunderten mit Klezmer, eigenen Kompositionen und neuen Vertonungen deutsch-jüdischer Dichter. Ein mitreißendes Konzertprogramm, das manchmal traurig stimmt, aber auch viel Raum für das Lachen und die Freude am Leben lässt. Søren Thies singt und erzählt vom Unterwegssein, von Liebe und Sehnsucht, von Hoffnung und ganz alltäglichen Begebenheiten. Das Akkordeon lacht und weint, singt und schnauft und verbindet die jüdische Hochzeitsmusik mit Improvisation, Ausdruck und Leidenschaft.“ Über Jahrhunderte lebten auch in Puderbach Juden friedlich und akzeptiert in Puderbach und den umliegenden Orten, zuletzt 15 Familien, sagte Bürgermeister Volker Mendel während des Konzerts. 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war es mit diesem friedlichen Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen vorbei.

Das Publikum in Puderbach äußert sich begeistert zur Arbeit von Søren Thies. Hermann Klein, der aus Oberdreis stammt und jetzt in der Nähe von Siegburg wohnt, sagt: „Ich finde den virtuos, musikalisch spitze. Ich mag diese Musik, wie auch die von Giora Feidmann, der spielt Klezmer mit Klarinette. Ich bin auch fasziniert davon, dass Søren Thies keine Noten braucht. Ich selbst singe auch, in zwei Chören, aber das ist ohne Noten schon sehr schwer. Ich finde es hier im Alten Bahnhof so toll, dass man so nah an den Künstlern dran ist. Man erlebt die Musiker hautnah und sieht auch, was sie tun.“

Im Gespräch mit „BLICK aktuell“ sagt der 1969 in Hamburg geborene Søren Thies: „Ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen und lebe schon seit Ewigkeiten in Limburg. Jüdische Musik mache ich schon sehr lange. Ich fand das immer unglaublich spannend. Genauso wie die französische Musik. Momentan finde ich das fast noch wichtiger als früher, jüdische Lieder zu singen, gerade auf dem Land.“ Wenn er nicht für ein Konzert auf einer Bühne steht, gibt Søren Thies Akkordeon- und Klavierunterricht.

Monatlich kulturelle Leckerbissen

Die Projektgruppe „Jugend, Kultur und Soziales“ bietet monatlich kleine kulturelle Leckerbissen an. Als Nächstes kommt am 28. April das Joscho Stephan-Trio, von dem Mitinitiator Martin Henn sagt: „Das ist Gipsy-Swing im Stil von Schnuckenack Reinhardt und Django Reinhardt. Joscho Stephan ist einer der begnadetsten Gitarristen, der da zurzeit unterwegs ist.

Am 26. Mai kommt Heilswint Hausmann mit ihrer Band und dem Programm Federboa und Zylinder.“ Seit 2003, also 15 Jahren, halten Martin Henn, seine Ehefrau Sabine Knorr-Henn, die jeweils amtierenden Bürgermeister – aktuell Volker Mendel –, Arnold Parduch, Helmut Hellwig, Miriam Stern eine feine Kulturarbeit in Puderbach am Leben. Sie freuen sich über Unterstützung, auch jüngerer Jahrgänge.

Das Programm kann dementsprechend angepasst werden. Jüngst reihten sich Antonia Fournier, Lutz Neitzert, Barbara Schilling und Benjamin Skupin in den Kreis der Kulturförderer in Puderbach ein.

Ein paar der „Macher“ von Kultur im Alten Bahnhof (v.l.): Bürgermeister Volker Mendel,Antonia Fournier, Martin Henn, Arnold Parduch und Sabine Knorr-Henn. Fotos: KER
Seit 15 Jahren organisiert die ProjektgruppeJugend, Kultur und Soziales erlesene kulturelle Veranstaltungenim Alten Bahnhof von Puderbach. Das Angebot hier hat Niveau.

Seit 15 Jahren organisiert die Projektgruppe Jugend, Kultur und Soziales erlesene kulturelle Veranstaltungen im Alten Bahnhof von Puderbach. Das Angebot hier hat Niveau.

Jüdische Lieder sind – neben französischen Chansons– ein Steckenpferd von Søren Thies. In Puderbach hatder in Hamburg geborene und jetzt in Limburg lebende Künstler eine kleine Fangemeinde für seine virtuose Kunst.

Jüdische Lieder sind – neben französischen Chansons – ein Steckenpferd von Søren Thies. In Puderbach hat der in Hamburg geborene und jetzt in Limburg lebende Künstler eine kleine Fangemeinde für seine virtuose Kunst.

„Momentan finde ich das noch wichtiger als früher, jüdische Lieder zu singen“

Ein paar der „Macher“ von Kultur im Alten Bahnhof (v.l.): Bürgermeister Volker Mendel, Antonia Fournier, Martin Henn, Arnold Parduch und Sabine Knorr-Henn. Fotos: KER

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