Allgemeine Berichte | 25.11.2024

„Folk & Fools“ präsentierte eigenen Klangkosmos

Monster und Kreaturen wurden aus der Stadthalle vertrieben

Astillero auf der Bühne. Foto: Sacha Ditscher

Montabaur. Vernarrt ins Gelingen! Das war seit ihrer Gründung 1988 der Anspruch der Kleinkunstbühne Mons Tabor e.V. - und dabei immer der kulturellen Entwicklung in der Region voraus zu sein. So auch beim schon 34. Kleinkunstfestival Folk & Fools in der Stadthalle Montabaur. Erstmals entfiel der „Fools-Teil“ (gewöhnlich mit Künstler/innen aus den Genres Kabarett und Comedy bis zu A-Cappella und Varieté besetzt) und das Publikum erlebte ein reines „Folkfestival“ unter dem Motto „Musik der Welt“ .

Dabei wurden zwei international sehr renommierte Bands präsentiert, die nicht mehr oder nicht weniger als Voraussetzung mitbringen mussten, einen eigenen „Klangkosmos“ entwickelt zu haben – eben der Zeit damit etwas voraus zu sein. Gelungen war an diesem Abend zumindest der kulturelle Anspruch: die beiden Bands konnten voll überzeugen. Nicht gelungen war es dagegen, die geräumige Stadthalle gut zu füllen! Dafür war auch die Konkurrenz überall in der Region an dem Abend zu vielfältig, zahlreiche Kulturveranstaltungen warteten auf Gäste – und dazu fieberte auch noch gleichzeitig die Fußballnation mit den Elitekickern beim Länderspiel.

Die Kleinkunstbühne als Gastgeber dankte zum Beginn der Stadt Montabaur und dem Land Rheinland-Pfalz ebenso für die Unterstützung wie der Sparkasse Westerwald-Sieg und der EVM als regionalem Energieversorger. Dank galt auch dem Landesmusikgymnasium für die Überlassung eines Instrumentes. Dies verbunden mit dem Hinweis, in einer unruhigen Welt sei weltumspannende Musik etwas, was viele Menschen auf alle Kontinenten erreicht und verbindet. Und das gelang gut mit den beteiligten Musikern - und leider nur einer Musikerin.

Wunderbar entführte zum Beginn des „Folk & Fools ohne Fools“ eine energiegeladen Musik in weite, ferne Länder: Weltfolk, Balkanblues, verbunden mit dem einen oder anderen Rockriff: Violons Barbares! Das Trio machte die Bühne der Stadthalle zu einer musikalische Galaxie. Die Band präsentierte sich dabei mit zwei außergewöhnlichen Geigenspielern und einem Schlagzeuger. Aus dem Steppenland der Mongolei kam Enkhjargal Dandarvaanchig nach Montabaur, der den Obertongesang zur Perfektion entwickelt hat und die Pferdekopfgeige Morin Khoor meisterhaft spielt. Beides zeigte er bei einem beeindruckenden Solo. Der Bulgare Dimitar Gougov spielt die Gadulka seiner Heimat: „Das ist ein Instrument mit 11 Resonanz- und nur 3 Melodiesaiten“, wie er den neugierigen Gästen verriet. Dazu gesellt sich als Dritter „Barbare“ mit dem begnadeten französischen Perkussionisten Fabien Guyot jemand, der auf alles trommelt, was sich nicht wehrt und womit man einen Klang erzeugen kann: von der afrikanischen Tamburin bis zur Salatschüssel. In ihrer unendlich scheinenden Kreativität steuerten sie auf ein Ziel zu, das sie vermeintlich selbst nicht kennen oder das es gar nicht gibt.

Die drei Musiker spielten überwiegend Ausschnitte aus ihrem neue Programm „Monsters and fantastic Creatures“. Gougov fragte die neugierigen Zuhörenden: „Wer sind die modernen Monster, die wir besingen, oft sehen sie wie Menschen aus“ - ob er damit den künftigen US-Präsidenten meinte, verriet er nicht. Angespornt wurde das Trio von klatschenden Händen und auch davon, dass schon nach den ersten Klängen einige begannen zu tanzen. Das steigerte sich noch bei einigen älteren und bekannteren Songs wie „Horse galop“ oder „Krushovitsa“, einen Lied über den Birnenschnaps. Als dann als Zugabe „Djore dos“ erklang, waren endgültig alle Monster aus der Stadthalle vertrieben.

Mit einer eigenwilligen Weiterentwicklung des Tango waren die 6 Musiker von Astillero aus Argentinien in den Westerwald gekommen. Ihr experimenteller und leidenschaftlicher Musikstil begeisterte das Publikum, was nicht immer für die durch Sprachbarrieren geprägte Moderationen zwischen den Liedern galt. Diese lies das Publikum, das ein oder andere Mal rätseln, was genau gemeint war. „Wir möchten Euch mit unserer Musik die Lebensfreude und den Schmerz von Buenos Aires ein wenig näherbringen“, hatte Pianist Julian Peralto einigermaßen verständlich angekündigt. Und dieses Versprechen erfüllte das argentinische Ensemble, mit einem Tango-Nuevo-Konzert voller melancholischer, sinnlicher und leidenschaftlicher Musik.

Die 2005 gegründete, mehrfach ausgezeichnete und weltweit gereiste Band spielte in der Besetzung mit zwei Bandoneons, Geige, Cello, Klavier und Kontrabass. Sie brachten zunächst Stücke aus ihrem neuen Album „Noche Random“ zu Gehör. Ein Beitrag zu einer „crazy night“, wie Peralto meinte. Experimentierfreudig dargebotene Musik mit vielen schwermütigen Passagen, die neben dem Weltschmerz Aufbruch und Hoffnung vermittelten.

Zunächst war die eigenwillige Weiterentwicklung des Tango Nuevo etwas ungewohnt für einige der Konzertbesucher, die dann aber gegen Ende etwas mehr vom Musikstil des klassischen argentinischen Tangos erlebten. Dazu gehörten eine ältere Hommage an den Stadtteil-Karneval „Murga Barracas“ von Buenos Aires. Kraftvoll und expressiv vorgetragen, mal feurig, dann wieder sinnlich und ruhig. Allerdings: Getanzt wurde dazu nicht.

Die Astillero-Musiker schienen dabei teilweise mit ihrer Musik zu verschmelzen. Deutlich war aber der Appell von Julian Peralto zum Abschluss des zweistündigen Konzertabends: „Danke, dass wir Euch unsere Kultur ein wenig nahebringen durften.“ Und angesichts der grausamen Kriege in der Welt verabschiedete er alle mit den Worten: „Teilt unsere menschlichen Werte, sprecht miteinander, lebt Toleranz“.

Ein Gast, der mit 88 Jahren wohl der Älteste im Saal war, meinte „Ich bin froh, dass ich so einen außergewöhnlichen Musikabend auf Weltklasseniveau hier bei uns in der Kreisstadt noch erleben durfte!“ Eine wesentlich jüngere Dame monierte, dass man wie meist bei anspruchsvollen Kulturveranstaltungen jüngere Gäste an einer Hand abzählen konnte.

Für die Kleinkunstbühne wies deren Vorsitzender Uli Schmidt auf die beiden kommenden und letzten Folk & Fools - Festivals hin: am 15.11.2025 dürfen sich die Fans unter dem Motto „Stars der Zukunft“ bei der 35. Ausgabe auf sechs hochbegabte Künstler/innen mit viel Potential freuen. Das Finale am 14.11.2026 steht dann unter dem Motto „Die Kleinkunstbühne geht, die Demokratie bleibt“. Dabei soll neben dem Grundprogramm mit A-Cappella, Kabarett und Folk auch die eine oder andere Überraschung zum Abschied der Kleinkunstbühne Mons Tabor präsentiert werden.

Astillero auf der Bühne. Foto: Sacha Ditscher Foto: Sascha Ditscher

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