Erntebilanz im Weinanbaugebiet Mosel: Gute Qualität und deutlich mehr Menge als 2019

Moselwinzer zufrieden mit marktgerechtem Jahrgang

Moselwinzer zufrieden
mit marktgerechtem Jahrgang

Der Vorstand der Mosel-Weinwerbung stuft den neuen Jahrgang als „gut bis sehr gut“ ein.Foto:Chris Marmann, Quelle: Moselwein e.V.

23.10.2020 - 14:15

Cochem/Mosel. Der Weinjahrgang 2020 an Mosel, Saar und Ruwer passt in Qualität und Menge zu den Marktanforderungen. Die Erntemenge fällt mit geschätzten 810.000 Hektolitern um rund 30 Prozent höher aus als im ertragsschwachen Vorjahr, als nur 624.000 Hektoliter in die Keller kamen. Die Ergebnisse der Traubenlese waren aber regional und lokal sehr unterschiedlich, wie der Moselwein e.V. berichtet. Entscheidender Faktor war die Wasserversorgung der Weinberge im dritten Trockenjahr in Folge.

Die Traubenlese begann auch 2020 wieder sehr früh und erstreckte sich über rund zwei Monate und drei Wetterphasen. Bereits Ende August und Anfang September wurden bei heißem Sommerwetter die ersten frühreifenden Trauben von Sorten wie Frühburgunder oder Solaris geerntet. Die Rieslinglese begann schon Mitte September ebenfalls bei hohen Temperaturen. Sie wurde ab Ende September dann bei kühler und nasser Witterung immer wieder unterbrochen und dauert bei einigen Betrieben bei wechselhaftem Wetter noch bis voraussichtlich Ende Oktober.


Erntemenge im normalen Bereich


Durchschnittlich lag die jährliche Erntemenge im Weinanbaugebiet Mosel zwischen 2010 und 2019 bei 732.000 Hektolitern. „Der Ertrag 2020 bewegt sich nun zwischen den Ergebnissen von 2018 und 2019 und damit wieder in einem für die Region normalen Bereich“, bilanziert Rolf Haxel aus Cochem, Vorsitzender des Moselwein e.V, der für die Gebietsweinwerbung zuständigen Organisation. Im Weinanbaugebiet Mosel werden aktuell rund 8.700 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Die Ertragsrebfläche liegt 2020 bei 8.498 Hektar. Der Anteil von Riesling und Burgundersorten an der Ertragsfläche ist in den vergangenen Jahren angestiegen, Müller-Thurgau, Dornfelder und Kerner sowie weitere Rebsorten gingen dagegen zurück.


„Gut bis sehr gut“


Der Vorstand der Mosel-Weinwerbung stuft den neuen Jahrgang als „gut bis sehr gut“ ein. Der 2020er von der Mosel wird nach Einschätzung vieler Winzer eher als Kabinett-Jahrgang in die Annalen eingehen denn als Auslese-Jahr. Die Winzer freuten sich über kerngesunde Trauben mit sehr guter Aromaausprägung und moderater Fruchtsäure. Fruchtig, aromatisch, sauber und sortentypisch – so lauten die ersten Bewertungen bei der Verkostung der Moste und Jungweine.

Das Mostgewicht liege beim Riesling bei durchschnittlich 80 Grad Oechsle, berichtet der Vorstand der Mosel-Weinwerbung. Teilweise erreichten die Rieslingmoste auch deutlich höhere Oechsle-Grade bis hin zu Auslesen und Beerenauslesen. Das Gros der Ernte liege aber im Bereich von 70 bis 90 Grad Oechsle. Mit einem Ertrag von durchschnittlich 95 Hektoliter je Hektar war die Ausbeute bei der Hauptrebsorte Riesling zufriedenstellend. Auch Müller-Thurgau und Elbling als zweit- und dritthäufigste Sorten der Region sorgten mit durchschnittlich 110 Hektoliter je Hektar für gut gefüllte Keller. Hochzufrieden sind die Erzeuger an der Mosel mit der Qualität der Burgundersorten, die beim Weiß- und Spätburgunder im Schnitt bei 90 Grad und beim Grauburgunder bei 95 Grad Oechsle liegt. Die durchschnittliche Erntemenge fällt bei diesen Sorten mit 80 bis 85 Hektolitern je Hektar niedriger aus. 738.770 Hektoliter, mehr als 90 Prozent der Gesamterntemenge, sind Weißweine. Die Rotweinsorten erbrachten 71.240 Hektoliter, so die Schätzung des Weinbauverbandes Mosel.

Auch wenn das Gesamtergebnis zufriedenstellend ist, so sprechen die Moselaner wieder einmal von einem „neidischen Herbst“. Die Erträge und auch die Qualität fielen lokal sehr unterschiedlich aus. Grund dafür ist die sehr unterschiedliche Verteilung der Niederschläge. Die Spätfröste Mitte Mai verursachten im Anbaugebiet keine nennenswerten Schäden. Der August mit mehr als 35 Grad sorgte für Sonnenbrandschäden an den Trauben. In den ersten drei September-Wochen erfolgte eine rasante Entwicklung. Angesichts der schnell steigenden Mostgewichte und fallenden Säurewerte begann auch die Rieslinglese schon Mitte September. Aufgrund der heterogenen Situation waren eine individuelle Ernteplanung und eine selektive Lese angesagt. Große Schwankungen der Reife gab es sogar innerhalb einzelner Weinberge. Positiv wirkte sich die Trockenheit in Hinblick auf Schädlinge und Pilzbefall aus. Die Trauben blieben gesund, und auch der ab der letzten Septemberwoche einsetzende Regen änderte daran dank der kühlen Temperaturen nichts. Junge Rebanlagen, die unter der Trockenheit besonders zu leiden hatten, erholten sich aufgrund der Niederschläge sichtlich und die bessere Wasserversorgung machte sich auch bei den Erträgen noch bemerkbar.

Insgesamt fällt die Erntebilanz an Mosel, Saar und Ruwer daher erfreulich aus, wenn auch nicht die Spitzenwerte von 2019 erreicht wurden. „Die bessere Erntemenge bei gleichzeitig gesundem Lesegut macht dies aber mehr als wett“, so die Einschätzung von Ansgar Schmitz, Geschäftsführer der Weinwerbung.


Besondere Anforderungen durch Epidemie


Die besonderen Anforderungen infolge der Corona-Epidemie wurden von den Weinbaubetrieben des Anbaugebietes auch während der Ernte gemeistert. Die Umsetzung strikter Hygienekonzepte sorgte für hohen Aufwand und verursachte höhere Kosten bei der Unterbringung und dem Einsatz der osteuropäischen Saisonarbeiter. Teilweise mussten Betriebe aufgrund der Pandemie auf ihre bewährten Helfer aus osteuropäischen Ländern verzichten.

Der Weinabsatz ist durch die Auswirkungen der Corona-Epidemie sehr unterschiedlich beeinflusst worden. Während der Lockdown für Einbußen beim Weinverkauf über die Gastronomie und teilweise auch im Export sorgte, stieg der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel an. Hiervon profitierten vor allem die großen Kellereien sowie die Winzergenossenschaften. Die Keller der Fassweinerzeuger waren daher vor dem Herbst gut geräumt. Für den 2020er Riesling im Fass werden aktuell 100 Euro je Hektoliter gezahlt, für andere Sorten 70 Euro je Hektoliter. Bei den Burgundersorten liegt der Preis aufgrund der niedrigen Erntemenge und hoher Nachfrage auch seitens direktvermarktender Weingüter bei 130 bis 140 Euro je Hektoliter.


Günstigere Weine im Export


In der Exportstatistik machen sich die US-Strafzölle und die Corona-Pandemie bislang vor allem beim Wert der ausgeführten Weine bemerkbar. Die neusten Zahlen des Verbandes der Weinexporteure (VDW) für die 12-Monats-Bilanz von August 2019 bis Juli 2020 weisen sogar ein leichtes Plus in der Ausfuhr von Moselweinen auf. Die exportierte Menge stieg demnach um 1,2 Prozent. Der Wert ging dagegen um 7,2 Prozent zurück. Das Mengenplus resultiert aus stärkeren Exporten innerhalb der Europäischen Union, vor allem in nach Skandinavien sowie nach Osteuropa. Der Export in die USA – dem wichtigsten Auslandsmarkt für Moselwein – verzeichnete in der gleichen Zeit ein Minus von 2,2 Prozent und 13 Prozent im Wert.

Das bedeutet: Es werden aktuell vermehrt preisgünstigere Weine in die USA exportiert. Das ist zumindest teilweise auch mit der Corona-Situation zu erklären, da die günstigeren Weine im Supermarkt verkauft werden, während die teureren Weine meist in Restaurant und Weinbars gehen, die zeitweise geschlossen waren und seit März weniger Gäste haben. In Krisenzeiten tendieren viele Käufer auch zum „downtrading“, also zum Kauf günstigerer Produkte. Die Strafzölle und die Corona-Lage treffen im Export tendenziell eher höherpreisige Weine.

Im Aufwind ist Moselwein seit Jahren in Skandinavien. Die Ausfuhr nach Finnland legte zwischen Juli 2019 und August 2020 um rund 25 Prozent zu. Auch für Norwegen, Schweden und Dänemark warten in dieser Zeit Zuwächse zu verzeichnen. Ebenfalls im Plus ist der Exportmarkt China mit über zwölf Prozent Steigerung. Doch alleine nach Norwegen, drittwichtigster Exportmarkt für die Mosel, geht fast doppelt so viel Menge wie nach China. Prozentual hohe Zuwächse für Moselweine gab es auch in Estland, Polen, Litauen, der Ukraine, Tschechien und Slowakei und sogar in Italien. Einbußen mussten die Mosel-Exporteure im gleichen Zeitraum in den Niederlanden, Belgien und Japan verkraften. Behaupten konnten sich die Mosel-Betriebe in der Direktvermarktung ab Hof. Zwar standen die Vinotheken, Weinstuben, Gästezimmer und Ferienwohnungen auf den Winzerhöfen während des Lockdowns leer, doch berichteten viele Selbstvermarkter für diese Zeit dank Online-Weinproben und Paketversand von sehr guten Absätzen an Privatkunden. Seit dem Ende des Lockdowns Mitte Mai verzeichnet das Moselland einen starken Anstieg von Gästen und Touristen, darunter auffällig viele Weinliebhaber, die die Mosel mit ihrem breiten Angebot an hochwertigen Weinen, Kulinarik, moderner Weinarchitektur und Aktiverlebnissen von Wandern bis Wassersport neu für sich entdeckt haben. So konnte der Absatzeinbruch durch den Wegfall von Weinfesten, messen und weiterer Veranstaltungen zumindest teilweise kompensiert werden.

Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnete die Mosel laut Mosellandtouristik rund 50 Prozent weniger Gäste und Übernachtungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Im Juli 2020 lag die Zahl der Gäste um sechs und die der Übernachtungen um 8,4 Prozent höher als im Juli 2019. Damit war die Mosel die erste Tourismusregion in Rheinland-Pfalz, die seit den Corona-bedingten Einschnitten eine positive Monatsbilanz ziehen konnte. In den Sommerferien verzeichnete die Region eine deutliche höhere Nachfrage und Buchungen seitens Familien mit Kindern. Viele Weinbaubetriebe, die auch touristische Anbieter sind, berichten von einer sehr guten Buchungslage bis Ende Oktober.

Pressemitteilung

Moselwein e.V.

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Gabriele Friedrich:
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Gabriele Friedrich:
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