Allgemeine Berichte | 13.10.2016

Musik der Mannheimer Schule

Ensemble „Musici di Sayn“ überraschte mit musikalische Kostbarkeiten

Das Ensemble „Musici di Sayn“ spielte unbekannte Werke der Mannheimer Schule um Kurfürst Karl Theodor aus der Zeit zwischen 1745 und 1775. privat

Bendorf-Sayn. Ulrike Friedrich, Traversflöte, Hendrike Steinebach, Violine, Agnieszka Osiecka, Viola, Imola Gombos, Violoncello, und Johannes Geffert, Cembalo, boten in der Abteikirche Bendorf-Sayn ein einmaliges Konzert. Das Ensemble „Musici di Sayn“ spielte unbekannte Werke der Mannheimer Schule um Kurfürst Karl Theodor aus der Zeit zwischen 1745 und 1775. Den Auftakt bildete das Quartett in D-Dur op. 1,1 von Johann Christian Cannabich, diesmal ohne Cembalo, verlor dieses Instrument doch auf dem Weg vom Barock hin zur Klassik mehr und mehr an Bedeutung. Carl Stamitz, Sohn von Johann Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule, war im Anschluss mit dem Trio in G-Dur zu hören. Damals glänzte der Bratschist Carl Stamitz mit Auftritten in ganz Europa – ob in Paris, Den Haag, London oder St. Petersburg.

Die Mannheimer Hofkapelle zählte zu den berühmtesten deutschen Orchestern jener Zeit. In Mannheim wurden musikalische Effekte wie der „Mannheimer Seufzer“, die „Mannheimer Rakete“ und die im Tempo flexible „Mannheimer Walze“ erfunden, eine auch von Beethoven verwendete musikalische Figur. Johannes Geffert zeigte seinen Zuhörern am Cembalo, wie sich eine „Mannheimer Walze“ anhört. Die kenntnisreichen, mit einem leisen Humor von Geffert vorgetragenen Erläuterungen machten diesen Nachmittag zu einem unvergesslichen Erlebnis. Er kündigte auch Wolfgang Amadeus Mozart mit der Sonate C-Dur KV 296 an, der auch eine gewisse Zeit in Mannheim lebte. Mozart hatte sich vergebens um eine Stelle in der Hofkappelle beworben, da Kurfürst Karl Theodor Mannheim verließ und den Thron in München bestieg. Ganz umsonst war der Aufenthalt für den jungen Wolfgang Amadeus jedoch nicht. So lernte er in Mannheim seine zukünftige Frau Constanze Weber kennen.

Nach diesem Werk der frühen Klassik verdeutlichte Professor Geffert, wie unsinnig die strikte Trennung in Musikepochen, etwa in Barock und Klassik, letztendlich ist: „Als Haydn 18 Jahre alt war, arbeitete Bach noch. Als Haydn starb, hatte Franz Schubert schon sein halbes Lebens hinter sich.“ Die Grenzen sind fließend, wie beim Konzert immer wieder zu hören war. Mit dem Quartett in G-Dur op. 1,1 von Carlo Guiseppe Toeschi setzte das Ensemble „Musici di Sayn“ einen weiteren Höhepunkt.

Das Publikum dankte mit großem Applaus. Als Zugabe bot das Ensemble Joseph Haydns Quartett in G-Dur, Abschluss eines wunderschönen Konzerts, das bei einem Glas Wein im Kreuzgang von den dankbaren Zuhörern zusammen mit den Musikern gefeiert wurde.

Schon jetzt können sich alle Musikliebhaber auf den 31. Dezember freuen. Beim Silvesterkonzert werden in der Abteikirche Werke von Bach, Corette und Telemann zu hören sein. Karten sind ab dem 28. November im Notengarten in Andernach, Breite Straße 102, erhältlich. Nähere Infos unter Tel. (0 26 32) 30 478 oder per Email an notengarten@t-online.de.

Das Ensemble „Musici di Sayn“ spielte unbekannte Werke der Mannheimer Schule um Kurfürst Karl Theodor aus der Zeit zwischen 1745 und 1775. Foto: privat

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