Kammerkonzert beschließt Kulturprojekt in der Sayner Hütte
Musik im Zeichen der Maschine
Utrecht String Quartet spielt am Sonntag, 25. Juni um 17 Uhr
Bendorf. Lebte er heute, er hätte vielleicht Musik komponiert, die unter den Labels „Industrial“ oder „Techno“ laufen würde. In seiner Zeit gehörte der 1900 in Kiew geborene Alexander Mossolow unbestritten zur Avantgarde und bediente sich, nach spätromantischen Anfängen, in seiner Musik höchst unterschiedlicher Inspirationen. 1926 komponierte er sein Bühnenstück „Stahl“, von dem nur noch ein Satz, „Die Eisengießerei“, erhalten ist. Darin ahmt Mossolow musikalisch die Geräusche einer Eisenfabrik nach.
„Eisengießerei“ an einem perfekt passenden Ort
Nicht die für großes Orchester geschriebene „Eisengießerei“, sondern das Streichquartett Nr. 1 op. 24, das nicht weniger Mossolows Faszination für Maschinen und Maschinales verrät, beschließt an einem perfekt passenden Ort, in der Gießhalle der Sayner Hütte, am Sonntag, 25. Juni, 17 Uhr das von der Stiftung Sayner Hütte und der Stadt Bendorf veranstaltete Kultursommer-Projekt „MusikMaschinenMusik“.
Gestaltet wird das Kammerkonzert in Kooperation mit der Landesstiftung Villa Musica durch das international renommierte Utrecht String Quartet, eines der wenigen Ensembles weltweit, die Werke des russischen Komponisten im Repertoire haben. Das Quartett wird seine Darbietung mit einem Film zu Mossolow ergänzen – nicht der einzige Film im Konzertprogramm.
Spektakulärer Streifen von Fernand Leger
Denn gezeigt wird ebenfalls der Film, den Fernand Leger 1924 zu George Antheils spektakulärem, zwischen 1923 und 1925 in Paris komponiertem „Ballet Mécanique“ drehte, einer der wichtigsten, von Dadaismus und Kubismus beeinflussten experimentellen Streifen der Filmgeschichte. In seiner Autobiografie „Bad Boy of Music“ schrieb Antheil, sein Werk habe zwar „nicht das Geringste mit der Darstellung von Fabriken und Maschinenanlagen zu tun. Allerdings fand ich zu jener Zeit Maschinen sehr schön, dennoch hatte ich keinesfalls die Absicht, eine Maschine sozusagen direkt mit der Musik zu kopieren, wie es Honegger und Mossolow taten.“
Faszination für Maschinen
Etwas Maschinales schwingt auch in Antheils „Six Little Pieces for String Quartet“ mit. Sie stehen ebenso in Sayn auf dem Programm wie das Quartetto per archi Nr. 2 des 1892 in Le Havre geborenen Schweizers Arthur Honegger, der ab 1911 in Paris Darius Milhaud, Jacques Ibert, Vincent d’Indy und Charles-Marie Widor studierte. Zu den bekanntesten Werken des Zug-Liebhabers Honegger gehört denn auch sein „Pacific 231“.
Karten gibt es im Vorverkauf bei Villa Musica sowie über Tourist-Information Bendorf, Schloss Sayn, Tel. (0 26 22) 90 29 13, touristinfo.sayn@bendorf.de, oder Besucherzentrum Krupp‘sche Halle, Sayner Hütte, Tel. (0 26 22) 90 42 70 4, info@saynerhuette.org; ebenso an der Abendkasse.
Pressemitteilung
Stiftung Sayner Hütte