Ungewöhnliches Player Piano-Konzert bei „MusikMaschinenMusik“
Musik mit Lochstreifen
In der Sayner Hütte am 23. Juni um 19.30 Uhr
Bendorf. Es ist ein Klavierkonzert der ganz besonderen Art, für das es keinen menschlichen Spieler braucht. Denn Star des Abends am Freitag, 23. Juni, 19.30 Uhr beim Kultursommer-Projekt „MusikMaschinenMusik“ der Stiftung Sayner Hütte und der Stadt Bendorf im Denkmalensemble Sayner Hütte ist ein Player Piano, ein Reproduktions- oder Selbstspielklavier.
Für dieses Instrument schrieben alle bedeutenden Komponisten zwischen 1904, als die Freiburger Firma Welte sich ein Steuersystem patentieren ließ, das es erlaubte, das Klavierspiel ohne Beeinflussung durch einen „Spieler“ mit allen dynamischen Details wiederzugeben, und 1930 Werke, die die bis dahin ungeahnten Möglichkeiten des Instruments nutzten.
Ein ganz besonderes Exemplar der Gattung, ein Ampico-Bösendorfer-Selbstspielflügel, ist in Sayn zu hören und zu sehen. Zur Verfügung stellt das Instrument Beatrix Hocker. 1986 erwarb ihn ihr Mann, der 2012 verstorbene Jürgen Hocker, und restaurierte ihn zusammen mit einem Orgelbauer. Hocker, von Haus aus Chemiker, war seit 1982, seit der Begegnung mit dem mexikanisch-amerikanischen Komponisten Conlog Nancarrow, der sich ganz auf Werke für das Selbstspielklavier konzentrierte, den selbstspielenden Musikinstrumenten verfallen. Mit seinem Flügel veranstaltete er Konzerte unter anderem bei den Donaueschinger Musiktagen und dem Klavierfestival Ruhr und arbeitete dabei immer wieder mit zeitgenössischen Komponisten, darunter György Ligeti, dem vor allem als Pianisten bekannten Marc-André Hamelin und dem in Bonn lebenden Michael Denhoff, zusammen.
Wie von Geisterhand bewegt
Denhoff übernimmt in Sayn die Moderation des Konzerts, bei dem Videokameras das faszinierende Spiel der Lochstreifen und die, wie von Geisterhand bewegten Klaviertasten auf eine Leinwand übertragen und so für die Zuhörer auch zum optischen Erlebnis machen.
Auf dem Programm stehen unter anderem
Denhoffs eigene Invention Nr. 8, Sergej Rachmaninoffs Prélude g-Moll, op. 23, Nr. 5, interpretiert vom Komponisten selber, der wie zahlreiche seiner Kollegen von Grieg über Mahler bis zu Debussy und de Falla eigene Werke auf Welte-Mignon-Rollen einspielte, Ernst Tochs „Der Jongleur“, Igor Strawinskys „Étude pour pianola“, Werke von Conlog Nancarrow, drei Ligeti-Etüden und Hamelins „Solfeggieto a cinque for Player Piano.
Bis zu 30 Tasten werden gleichzeitig angeschlagen
Ein Höhepunkt ist das „Ballet Mécanique“, das der 1900 in New Jersey geborene, von Maschinen und ihrer Ästhetik begeisterte George Antheil zwischen 1923 und 1925 in Paris für 16 Pianolas und Percussion komponierte. Hocker bearbeitete es für Midi-Files und seinen Ampico-Bösendorfer-Selbstspielflügel. Teilweise werden dabei bis zu 30 Tasten gleichzeitig angeschlagen.
Karten gibt es im Vorverkauf bei Tourist-Information Bendorf, Schloss Sayn, Tel. (0 26 22) 90 29 13, touristinfo.sayn@bendorf.de; Bendorfer Buchladen, Passage im Kaufland Bendorf, Tel. (0 26 22) 14 85 1, Info@bendorder-buchladen.de; Besucherzentrum Krupp‘sche Halle, Sayner Hütte, Tel. (0 26 22) 90 42 70 4, info@saynerhuette.org, ebenso an der Abendkasse.Pressemitteilung
Stiftung Sayner Hütte