Projekt im Rahmen der Landesgartenschau 2022
Nachhaltiger Wohnungsbau als Modell für klimaneutrales Wohnen geplant
Neben der bereits ökologischen Wohnanlage „Auf den Steinen“ soll eine Vorzeigesiedlung entstehen
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wird bekanntlich 2022 die Landesgartenschau ausrichten. Ein Projekt des Rahmenplans ist die Entwicklung einer nachhaltigen Wohnbaufläche als Modell für klimaneutrales Wohnen, die neben der bereits vorhandenen und mehrfach ausgezeichneten ökologischen Wohnanlage „Auf den Steinen“ entstehen soll. Der Stadtrat brachte dieses Projekt in seiner jüngsten Sitzung bei einer Gegenstimme der Wählergruppe Jakobs auf den Weg, indem das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes gestartet wurde. Vorgesehen ist dort, im Rahmen eines noch durchzuführenden Wettbewerbes für Bauherren mit Architekten, die Errichtung einer Musterwohnhaussiedlung unter Verwendung regionaler Baustoffe und insbesondere heimischer Holzarten. Man wünscht sich eine exemplarische Siedlung, die sowohl den Architekturgeist, wie auch den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen beispielhaft dokumentiert. Zur Schaffung eines harmonischen Quartiers sieht die Planung eng gesteckte gestalterische Maßgaben zu den Gebäudeformen und der Fassadengestaltung vor, bei angemessener baulicher Dichte will man so entlang der Straße „Auf den Steinen“ in Richtung Ahr eine aufgelockerte Bauweise garantieren.
Änderung des Bebauungsplanes erforderlich
Zur Steuerung der Entwicklung und in Anpassung an städtebauliche Ziele ist eine Änderung des Bebauungsplans „Auf den Steinen“ erforderlich, wo derzeit noch ein in den 1990er Jahren geplantes, aber nie verwirklichtes Verwaltungsgebäude vorgesehen ist. Künftig soll der Bebauungsplan dort ein „Allgemeines Wohngebiet“ darstellen. Das städtebauliche Konzept sieht die Entwicklung eines Wohnquartiers mit gemischter Bewohnerstruktur und Beispielcharakter vor. Mehrparteienhäuser finden innerhalb des Konzeptes Raum entlang der Straße „Auf den Steinen“, während im südlichen Teilbereich des Plangebietes, in Fortsetzung des östlich anschließenden Bestandes, Ein- oder Zweifamilienhäuser gebaut werden sollen. Die Erschließung knüpft an vorhandene Strukturen an und greift die Idee eines gemeinsamen Quartiersplatzes auf. Entstehen soll ein harmonisches Viertel, das einerseits als Einheit empfunden, andererseits als Ergänzung und nachvollziehbare Fortsetzung des Bestandes verstanden wird. Aus diesem Anspruch heraus bilden die Baukörper des Quartiers ablesbar unterschiedliche bauliche Dichten ab: die Gebäude entlang der Straße „Auf den Steinen“ dürfen vergleichsweise „großvolumig“ sein, während sich die Gebäude entlang der Ahr kleinteilig und in aufgelockerter Bauweise präsentieren.
Konzept sieht unterschiedliche Gebäudearten vor
Die Geschossbauten bilden die Vermittler zwischen dem umfangreichen und hohen Bestand nördlich der Straße „Auf den Steinen“, leiten durch die klare und gleiche Bauform über zu den Einfamilienhäusern, während diese die Klammer bilden zu den kleinteiligen und niedrigen Strukturen der benachbarten „Ökosiedlung“. Obwohl das Konzept unterschiedliche Gebäudearten vorbereitet, die sich deutlich in Umfang und Höhe unterscheiden, entsteht durch die gemeinsame Bauform ein harmonisches Bild. Das Konzept spannt einen Rahmen auf, innerhalb dessen sich die Architektur bewegen darf. Unterschiedliche Konzepte und damit verbundene Nutzeransprüche finden Raum und werden durch klare Baukörper in einer Einheit zusammengefasst.
Die Anordnung der „Baufenster“ dient der harmonischen Anordnung der Gebäude. Mit einem Abstand von fünf Metern zwischen den Gebäuden und den westlichen Grundstücksgrenzen werden offene Bereiche geschaffen, die insbesondere dem Aufenthalt im Freien und der Belichtung dienen. In diesen Freibereich hinein darf das Obergeschoss ragen: Zulässig ist das Überschreiten der nördlichen und westlichen Baugrenze mit dem Obergeschoss um bis zu zwei Meter. Die Festsetzung ermöglicht das Spiel mit Kubaturen und Räumen. Entstehen kann so eine abwechslungsreiche und in sich harmonische Architektur. Die an die Straße „Auf den Steinen“ grenzenden Flächen sollen als Vorgärten ausgebildet werden. Das Freihalten der ahrseitigen Flächen geschieht in Fortsetzung des östlichen Bestandes, sichert einen maßvollen Abstand zur Ahr und dient der Strukturierung des Gebiets hinsichtlich seiner Fernwirkung.
Zu enge Festsetzung führt zu Ablehnung
Dr. Jürgen Lorenz begründete die ablehnende Haltung der Wählergruppe Jakobs mit einer zu engen Festsetzung der Gebäudeformen. „Gerade bei einem zukunftsorientierten Bauprojekt im Rahmen der Landesgartenschau hätten wir uns eine deutlich offenere und damit mutigere Festsetzung des Gestaltungsrahmens gewünscht.“ Extreme gestalterische Auswüchse seien auch dann durch die vorgesehenen Gremienentscheidungen leicht zu vermeiden. Durch die enge Festsetzung gehe jedoch sehr viel Potenzial und Innovationskraft der teilnehmenden Architekturbüros verloren oder können nicht genutzt werden. Das sei bedauerlich. Deshalb werde die Wählergruppe Jakobs trotz grundsätzlicher Unterstützung des Projektes letztlich nicht zustimmen. JOST
