Die KG Dattenberg hatte zu ihrer Prunksitzung ins Bürgerhaus eingeladen
Närrisch kostümierten Jecken tanzten über Tisch und Bänke
Dattenberg. Unter dem Motto „Me losse de Mot nit sinke“ hatte die 1936 gegründete Karnevalsgesellschaft aus dem Rööpeland um ihren Vorsitzenden Patrick Wehrmeijer die Jecken in das Bürgerhaus „Am schwarzen See“ zur großen Prunksitzung eingeladen. Nachdem der Elferrat mit den Tanzmäusen und Ehrenpräsident Matthias Thür eingezogen war, begrüßte Sitzungspräsident Heinz Peter Schneider die närrisch kostümierten Jecken, darunter neben dem Hausherrn, Bürgermeister Dieter Runkel, auch Pfarrer Lothar Anhalt sowie die Urgesteine des Rööpe-Fastelovend, die Ehrenmitglieder Georg Sieberz und Ferdi Kraus, und nicht zuletzt die jecken Freunde vom Linzer Elferrat um Kommandant Martin Flöck und die Grün-Goldenen von der KG Vettelschoß.
Die „Beckendorfer Knallköpp“, im zivilen Leben das Kölsche Ehepaar Lydia und Rolf Goliasch, hatte Literat Matthias Thür als Eisbrecher engagiert. Ein gelungener Griff, fielen ihre teils deftigen Witze etwa von der Nachbarin, die so dünn ist, dass man sie mit sechs Teelichtern röntgen kann, doch auf fruchtbaren Boden.
Dann waren die von den Gardistinnen Anja Birrenbach und Britta Huhn trainierten „Tanzmäuse“ nicht mehr aufzuhalten: „Joot, joot, joot, mir jeiht et joot und jetz jeht et richtich aff“, erklärten sie mit den „Höhnern“, ein Versprechen, dass die Neun- bis 16-Jährigen anschaulich hielten, bevor sie ihrem von Regine Selzer trainierten Tanzpaar, Nina Komper und Melvin Gerolstein für ihrer Premiere auf der Bühne Platz machten. Und schon erklärten die beiden mit Miljö „Mir häwwe aff zum Wolkeplatz“, von dem aus sie zwar nicht den Puls der Stadt, dafür aber „Dam-dam-dam“ den der Jecken im Saal deutlich fühlen konnten. Mit Micky Brühls „Ein Hoch auf die Liebe“ als Zugabe verabschiedeten sich dann die „Tanzmäuse“, um als „Kasalla“-Pirate völlig frei dem Ausgang zuzustreben, während auf der Bühne Umbauarbeiten begannen.
Vorgesehen war eigentlich ein Sketch des Kindersitzungspräsidenten Faruk Kanoglu und des 2. Vorsitzenden, David Schneider, der aber leider erkrankt war. Kein Problem für den langjährigen „Protokollarius“ und Elferratsmitglied Willi Simons als „Ersatz“-Müller-Lüdenscheid zu Dr. Klöbner in die Badewanne zu steigen, um, so Heinz-Peter Schneider, „nach langen Vorbereitungen und Proben“ Loriots 1987-er Sketch „Herren im Bad“ als Schattenspiel op Kölsch zu präsentieren, was bei den jecken Piraten und Matrosen im Saal ebenso gut abkam wie bei den Hexen und Kätzchen, den Schotten, Galliern und feurigen Spanierinnen, von den jecken Clowns ganz zu schweigen.
Weiter ging es mit einem alten Bekannten aus Köln-Ossendorf, Ralf Knoblich, besser bekannt als „Dä Knubbelisch vum Klüngelpötz“. Der war entsetzt, mit Määnzer „Rucki-Zucki“ vom „Saal-Karajan“ begrüßt zu werden. Demnächst wohl auch noch mim „Altbierleedcher“ us em Dorf an d’r Düssel vun de schäl Sick, beschwerte sich der „Deliktdesigner“, der demnächst Trainer beim FC wird, nachdem er erfolgreich die JVA-Stabhochsprungmannschaft unmittelbar an der Klingelpütz-Mauer unterwiesen hatte. Als Verfechter der Kölsche Sprooch bat er die: „Dot spreche in all Schattierunge, wie üch de Lappe jewaahse is, dat ist herrlich“, bevor er sich mit einem Zusatz-Nümmerche verabschiedete.
Nachdem man vor zwei Jahren schon angenommen hatte, die staatse Kääls um „Ralle“ Michels seien angesichts ihres „Riverdances“ am Tisch sitzend in die Jahre gekommen, belehrten sie die Jecken im Saal dieses Jahr eines Besseren. Mit halb schwarz, halb weiß geschminkten Gesichtern zogen sie auf die Bühne und dort hinter einen Paravant ihre Glitzerjacketts aus, um im Vorborgenen in Strumpfhosen zu schlüpfen, aber eben so, dass sie sich mit ihren Nachbarn je ein weißes und ein schwarzes Hosenbein teilten. „Stonn op un danz“ hieß et dann. Da war sich jeder im Saal sicher: „Ohne üch jeht et nich, Ihr seid de Nummer 1 für mich“, was für die Ute Wagner und Margit Michels trainierten Tänzer natürlich bedeutet, dass sie ohne Zugabe nicht von der Bühne entlassen wurden.
Prinz Baffy I . sorgte für Stimmung
„Jetz fäng d’r Fastelovend richtich aan!“, frohlockte dann der Sitzungspräsident, war es doch vor dem Saal mehr als familiär eng geworden. Das Jubiläumscorps der Linzer Stadtsoldaten um Kommandant Markus Paffhausen war mit Prinz Baffy I. „vum Stippeföttche-Corps“, mit bürgerlichem Namen Thomas Baars, flankiert von seinen Adjutanten Ralf „Shelly“ Scheid und Frank „Franky“ Keller angerückt. Mitgebracht hatte es natürlich neben dem Strünzer-Elferrat auch Präsidentin Yvonne Adams-van Beek und ein „kleines Programm“, so der Kommandant, bevor er et Marieche mit singem Jong, et Leckerche Svenja Müller und Sebastian „Mesi“ Mesenholl, ins Rennen schickte. Und prompt ließ der Tanzoffizier seine Partnerin affhevve „zum Wolkeplatz“, bevor die beiden mit Miljö auf „Jold un Diamante, Luxus un Bling-Bling“ pfiffen.
„Die Stimmung he ist ja der absolute Hammer“, lobte Prinz Baffy die „Rööpe-Strünzer“ nach einem dreifachen „Linz-Daddeberch-Stadtsoldaten – Alaaf!“ Dabei war durchaus noch eine Steigerung drin, wie die Tollität bei ihrem Sessionslied „Marie, et litt jet in d’r Luff. Et rösch noh Fastelovend, un dat rösch jot“ erfahren sollte. Bei diesem Stippeföttche-Alarm-Lied hielt es keinen im Saal auf seinem Platz. Frenetisch forderten die Jecken eine Zugabe, bei der dann auch der sprichwörtliche Bär im Bürgerhaus ausgelassen wibbelte, bevor Ehrenkommandant Siggi Bündgen die staatsen Kääls zum Stippeföttches-Danz antreten ließ. „Phänomenal! Ihr ward super“, zollte Elferrats-Kommandant Martin Flöck den Rööpe-Narren höchsten Respekt, die dann den Tanz des Männerballetts bewunderten. Schnell hatten sich die Tänzer zum „Macho Man“ ihrer Morgen-Bademäntel entledigt, um als Village People nach „Y.M.C.A“ natürlich „In the navy“ einzutreten. Dann war die Stunde des Musikzugs unter Leitung von Markus Mollberg gekommen, der natürlich von Jan-Eric Burkard als Einheizer unterstützt wurde. Und schon bekannten alle Jecken, „ene Räuber“ zu sein, um dann „Am Dom zo Kölle, zo Kölle am Rhing“ de Jlocke prächtich klinge ze losse. Klar, dass da nicht nur am Himmel, sondern auch an der Saaldecke „de Stääne“ tanzten. „Ne, wat jeht es us doch jut“ und dat auch „ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“, versicherten die Narren dem Stadtsoldatencorps und Prinz Baffy I., die sich nach nahezu einer vollen Stunden von den Rööpe-Jecken verabschiedeten.
Da wartete draußen schon mit Ralf Kuhn „Ne Usjeflippte“, nach dessen Jeckereien die Prinzengarde Kasbach begeisterte, was auch dem Linzer Husarencorps um Kommandant Nihat Kökce, der Männertanzgruppe und Mariechen Nadja Klein mit Tanzoffizier Kilian Rechmann wie in den Vorjahren gelang. Von der eigenen Großen KG-Grade natürlich ganz zu schweigen, die als krönender Abschluss zur Gulaschkapell aus Erpel überleitete, die den Jecken im Saal lange nach Mitternacht ein närrisch-feuriges Ausklangs-Menue an jecken Tönen servierte.
DL
Schon die Dattenberger „Tanzmäuse“ bewiesen zu Beginn der großen Prunksitzung der 83-jährigen Rööpe-KG am Samstagabend im Bürgerhaus, dass die Jecken im Rheinhöhenort „de Mot nit sinke“ losse müsse
„Dä Knubbelisch vum Klingelpötz“ entführte die Jecken in den „Lustijen Scharfrichter“
Als echte Fründe standen die Tänzer von „Rööpe Underground“ in schwarz und weiß janz eng zesamme.
