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Persönlichkeiten der Zeitgeschichte im Fokus

Napoleon und die Sayner Hütte

Ein etwas anderer Rundgang über das Denkmalareal

12.07.2018 - 09:35

Bendorf. Öffentliche Führungen über das Gelände der Sayner Hütte werden vom Rheinischen Eisenkunstguss-Museum der Stadt Bendorf von März bis Oktober jeweils am 4. Sonntag eines Monats durchgeführt. Die Organisatoren hatten nun die Idee, interessiertem Publikum zusätzlich einen etwas anderen Rundgang, sogenannte Themenführungen, anzubieten. Ein interessantes Thema dieser neu konzipierten Führungen trägt den Namen „Zeitgeister“, hierbei stehen Persönlichkeiten im Fokus, die Zeitgeschichte geschrieben und einen Bezug zur Sayner Hütte haben.

Blick aktuell und etwa 50 Interessenten begleiteten die Gästeführerin Christine Rohde-Przetak auf einer dieser besonderen Rundgänge unter dem Motto „Napoleon und die Sayner Hütte.“ Rohde-Przetak zu Blick aktuell: „Napoleon hat mich gefangen, und wie man an der Zahl der Gäste sehen kann auch diese. Wir wollen einen Bogen schlagen von dem Feldherrn Napoleon zu der Sayner Hütte und dabei feststellen, welche Auswirkungen Napoleon mit seinen Kriegen und seinem Machtdrang indirekt auf die Sayner Hütte hatte.“

Vor dem Rundgang über das Industriedenkmal erteilte die Gästeführerin den Besuchern in dem neuen Besucherzentrum, der „Krupp’schen Halle“, zunächst einen umfassenden Überblick über die Anfänge der Sayner Hütte und den Einfluss des napoleonischen Machtstrebens auf diese. Demzufolge gehört die historische Eisengießerei Sayner Hütte als Denkmalensemble zu den bedeutendsten Zeugnissen der frühindustriellen Epoche in Deutschland. Wer sich für dieses einmalige industrielle Denkmal interessiert hat meist die seit 1828 durch Carl Ludwig Althans geplante und errichtete imposante Gießhalle als eine der ersten monumentalen Gusseisenkonstruktionen im Blickfeld, sie ist ohne Frage der prägende Teil der vielgliedrigen Industrieanlage mit ihrem ausgesprochen hohen gestalterischen Anspruch. Der Ursprung der Sayner Hütte liegt aber bereits im 17. Jahrhundert, zu dieser Zeit betrieb in Sayn das Wasser des Saynbaches eine Vielzahl von Poch- und Hammerwerken, in den Jahren 1769 - 1770 wurde eine neue Eisenhütte gegründet, eben die Sayner Hütte. Das Jahr 1769 ist zufällig auch das Geburtsjahr von Napoleon, dessen Wirken in späteren Jahren einen besonderen Einfluss auf die Sayner Hütte haben sollte.

Die Hütte belieferte schon bald nach ihrer Gründung das Rheinland mit Roheisen, Stab- und Bandeisen sowie mit technischem Eisenguss. Durch die steigende Eisenproduktion wurde die Sayner Eisenhütte 1778 bereits auf zwei Hochöfen und vier große und einen kleinen Hammer erweitert.

Nach der französischen Revolution 1789 begann die Eroberung weiter Teile Europas durch die napoleonische Armee. Der Machtbesessene Korse Napoleon begann diese Koalitionskriege 1792, in mehr als fünfzig Schlachten bezwang der geniale Feldherr die Völker Europas und so unterstanden im Jahre 1812 die Länder Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Holland und jene deutschen Lande, in denen französische Fürsten herrschten wie das Königreich Westfalen und Großherzogtum Berg den Befehlen Napoleons. Österreich, Schweden, Dänemark, die Rheinbundstaaten und Preußen mussten, entsprechend den mit ihnen abgeschlossenen oder ihnen aufgezwungenen Verträgen dem französischen Kaiser Heeresfolge leisten. Preußen und seine Verbündeten wollte die Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 dazu nutzen, die Franzosenzeit zu beenden und die Befreiung Deutschlands von der französischen Besatzung zu erreichen. Das Königreich Preußen erklärte hierzu dem von Napoleon Bonaparte geführten Kaiserreich Frankreich am 17. März 1813 den Krieg und es kam in der Folge zu den sogenannten Befreiungskriegen, aus denen die Alliierten am Ende siegreich hervorgingen.


Was aber hat nun Napoleon mit der Sayner Hütte zu tun?


Zur Führung der Befreiungskriege in den Jahren 1813 bis 1815 waren Massen an Menschen und Material nötig, daher suchte die Staatengemeinschaft fieberhaft nach Möglichkeiten, Geldmittel zur Beschaffung der notwendigen Ressourcen aufzutreiben. Nachdem 1813 Prinzessin Marianne von Preußen an alle Frauen Preußens appellierte, ihren Goldschmuck abzugeben, um im Austausch dafür eine Eisenbrosche oder Ring mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“ zu erhalten, wurde das Tragen von Eisenschmuck zur Mode aller Patrioten, die damit ihren persönlichen Beitrag zur Unterstützung der Befreiungskriege dokumentieren wollten. Den immensen Bedarf an Eisenschmuck stellten die wichtigsten Gießereien in Preußen her, hierzu zählten die Eisengießerei von Gleiwitz, die 1796 mit der Produktion begann sowie die 1804 gegründete staatliche Eisengießerei Berlin. Die Dritte der großen preußischen Eisengießereien mit einer Abteilung für Kunstguss war die Sayner Hütte. Auf solche Weise rüstete sich Preußen zum Kriege gegen Napoleon, zum Kampfe um seine Befreiung und zur Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit. Somit sicherte Napoleon in dieser Zeit indirekt das Überleben der Sayner Hütte und die Arbeitsplätze der Hüttenarbeiter durch die Herstellung von Eisenschmuck zur Unterstützung der Allianzen in den Befreiungskriegen.

Später baute der preußischen Staat die von Napoleon zerstörten Festungen Asterstein und Ehrenbreitstein wieder auf, hierzu wurden große Mengen an Baueisen und nach dem Aufbau Kanonen und Munition benötigt, auch hierfür erhielt die Sayner Hütte lukrative Aufträge und erfuhr dadurch einen weiteren erheblichen Aufschwung, eine direkte Folge des napoleonischen Wirkens.

Nach diesen interessanten Einblicken in die Geschichte um Napoleon und die Sayner Hütte führte Christine Rohde-Przetak ihr Publikum über das weitläufige Gelände des Industriedenkmals und erläuterte den Teilnehmern im Innern der imposanten Gießhalle noch viele lehrreiche Einzelheiten rund um das vielleicht zukünftige Welterbe.

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Kommentare
Uwe Klasen :
Zitat Jörg Zschimmer: "...aber daran kann man ja dann den Flüchtlingen die Schuld geben..." --- Noch unterirdischer kann ein Mensch kaum Argumentieren. Die Vertreter, Befürworter und Anhänger der sogenannten Energiewende und des, angeblich durch den Menschen verursachten, Klimawandels agieren fast wie Sektierer, Gegenargumente werden Bestenfalls angehört aber Abgelehnt!
Jörg Zschimmer:
Im Gegensatz zur zum Beispiel Braunkohlesubvention, werden die genannten Vereine nicht subventioniert. Das CO2 zur Photosynthese wichtig ist, ist nur bis zu bestimmten Konzentrationen richtig, danach geh der Ertrag rabide zurück - aber daran kann man ja dann den Flüchtlingen die Schuld geben...
Uwe Klasen :
Die Subventionsabgreifer und unsozialen Energieverteurer diskutieren wohl darüber wie sie die Verbraucher noch mehr schröpfen können! P.S. Kohlenstoffdioxid ist elementar Wichtig für die Photosynthese!
Uwe Klasen :
Ein Termin an einem Wochenende wäre vielleicht von Vorteil gewesen, so sind Berufstätige Radfahrer im Nachteil und gerade deren Erfahrungen und Kenntnisse könnten zusätzliche Informationen erbringen.
juergen mueller:
Das weiss man längst,dass die Stadt auf Radfahrer nicht eingestellt ist u.sich als TOP-Stadt mit der höchsten Arbeitsdichte in Rhld-Pfalz,damit verbunden eine Verkehrsdichte,Tendenz steigend,die mit der vielgepriesenen Attraktivität u.einer positiven Wahrnehmung nicht mehr viel gemein hat ... u.das Ende der Gier nach noch mehr Arbeitsplätzen ist nicht abzusehen, im Gegenteil.Dafür muss ein Stadtteil wie RÜBENACH bluten unter der Last einer unzumutbaren Verkehrsdichte mit all ihren negativen Folgen,auch gesundheitliche u.einem Entzug von Freizeit-/Erholungswert durch Flächennachfrage zur weiteren Ansiedlung von Gewerbe u.Industrie.Die neue Pfaffendorfer Brücke wird "natürlich mit einem breiten Radweg ausgestattet?" Ja,weiss man ebenfalls - mit unzureichenden 30 cm!Dieser angelaufene Paradigmenwechsel (besonders wichtig gehaltene Entwicklungen,Umbrüche) hat sich damit spätestens erledigt.Die Politik hat halt die Macht Vertrautheit zu zerstören.
Olaf Erdmann:
Der sich rsant vollziehende Wandel in unserer Gesellschaft ist weder eine Laune noch Verlust von Pietät, sondern Teil des Gesamtgesellschaftslichen Veränderungsprozesses. Friedhöfe z.B. markieren für mich die unüberbrückbare Linie zwischen "Sein und Nichtsein", zwischen "Leben und Tod", zwischen "Zeit und Ewigkeit". Alle Menschen kennen diese Grenze, die das Leben vom Tod, die die Lebenden von den Toten trennt und deutlich unterscheidet. Ein offener Dialog in unserer Gesellschaft zu diesem Thema ist daher ein hohes GUT.
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