Allgemeine Berichte | 09.08.2017

Familie Schwenker hat mit ihrem Vogel-Taxi in Rheinbach schon fast 400 Vögel gerettet

Naturschutz einmal ganz anders

Seit acht Jahren kümmert sich das Rentner-Ehepaar um kranke und verletzte Wildvögel oder alleingelassen Baby-Piepmätze

Fast 400 Mal war Klaus-Peter Schwenker mit seinem Vogel-Taxi schon im Einsatz, um Vögel mit gesundheitlichen Problemen von Rheinbach aus in die Wildvogel-Pflegestation Kirchwald zu bringen.-JOST-

Rheinbach. 93 Leben haben Klaus-Peter und Renate Schwenker allein in diesem Jahr schon mit ihrem nicht alltäglichen Hobby gerettet, insgesamt sind es sogar schon fast 400. Denn seit acht Jahren kümmert sich das Rentner-Ehepaar aus Rheinbach um kranke und verletzte Wildvögel oder alleingelassen Baby-Piepmätze. Sie bringen das Federvieh mit ihrem „Vogel-Taxi“ in die Wildvogel-Pflegestation Kirchwald in der Eifel, wo die Tiere wieder aufgepäppelt werden. Ein Hobby, das zwar Geld und sehr viel Zeit kostet – „aber es macht auch sehr viel Spaß und einfach glücklich“, berichtet Renate Schwenker.

Das Vogel-Taxi ist eine private Initiative und zugleich ein wichtiges Glied in der „Rettungskette“ für Wildvögel mit gesundheitlichen Problemen. Die Schwenkers stellen ehrenamtlich und kostenlos den Transport mit ihrem Privatauto zur Wildvogel-Pflegestation sicher, wo die Vögel nach der medizinischen Behandlung und Pflege so lange betreut werden, bis sie bereit sind für die Wiederauswilderung. „Ein echtes vollwertiges Ehrenamt im Natur- und Vogelschutz“, findet Klaus-Peter Schwenker.

Taxi fährt nicht nach Fahrplan, sondern nach Bedarf

Kalkulierbar sei die Tätigkeit allerdings überhaupt nicht, „denn ich fahre nicht nach Fahrplan, sondern nach Bedarf, und der Bedarf tritt ein, wenn wieder ein Vogel in Not ist und gerettet werden muss.“ Dabei hatten die Schwenkers eigentlich gar nichts mit der Vogelwelt am Hut und kamen eher zufällig zu dieser in jeder Hinsicht erfüllenden Freizeitbeschäftigung.

Alles begann bei einem normalen Spaziergang an einem Samstagnachmittag um den Block, als die beiden einen Buntspecht auf dem Bürgersteig entdeckten. „Er bewegte sich, also war Handlungsbedarf angesagt“ erinnert sich Schwenker. Alle ihm bekannten Tierärzte waren jedoch telefonisch nicht zu erreichen, bis einer doch ans Telefon ging und ihm den Tipp gab, im Internet nach „Kirchwald“ zu suchen. „Seit diesem Tag haben wir das Ehrenamt für die heimischen Vögel übernommen“, so Schwenker.

Und das mit ständig steigender Frequenz, was auch daran liegt, dass das Vogel-Taxi immer bekannter wird. Während die Anzahl der „Vogeltransporte“ anfangs noch zwischen zwölf und 41 pro Jahr pendelte, ist seit 2015 ein starker Anstieg festzustellen. In jenem Jahr wurden schon 79 Vögel von Rheinbach nach Kirchberg transportiert, 2016 waren es dann sogar 95, und in diesem Jahr stehen bis jetzt schon 93 Vögel in nur sieben Monaten auf der Liste. „Eine Steigerung um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, kann auch Schwenker nur den Kopf schütteln.

Von der Amsel bis zum Zaunkönig

Von der Amsel über die Graugans und den Schwan bis zum Zaunkönig hat Schwenker schon so gut wie jede heimische Vogelart in seinem Vogel-Taxi transportiert. „Wir fahren für jeden Vogel und schauen nicht nach seiner Rasse oder Nationalität“, schmunzelt Schwenker. 56 verschiedene Vogelarten stehen bereits auf seiner Liste, darunter auch so seltene Exemplare wie ein Eisvogel, ein Schwarzspecht oder eine Waldohreule. Sogar zwei Zwergfledermäuse, die bekanntlich keine Vögel sind, sondern Säugetiere, durften bereits mit dem Vogel-Taxi mitfahren, ebenso fünf Eichhörnchen, ein Marder und nicht weniger als 26 Igel.

Auch Igel finden in Kirchwald eine Zuflucht

Die Wildvogel-Pflegestation Kirchwald ist nämlich nicht nur eine der größten Aufwandstationen für einheimische Wildvögel in Deutschland, sondern ist zudem ein Zufluchtsort für Igel geworden. Allein im vergangenen Jahr kümmerten sich dort Tierärzte und Tierpfleger rund um die Uhr ehrenamtlich um 2473 verletzte, verwaiste, kranke, hungernde, verunglückte oder vergiftete Wildvögel sowie um 251 Igel. Dort bekommen die Tiere die nötige medizinische Versorgung ebenso wie die erforderlichen Medikamente und Infusionen.

Wärmeboxen stehen bereit, um die oft unterkühlten Tiere mit der lebensnotwendigen Nestwärme zu versorgen. Aber auch Renate Schwenker ist als Beifahrerin mitunter in dieser Hinsicht gefragt, wenn etwa eine frisch geschlüpfte Kohlmeise in ihrer Hand die ganze Fahrt über gewärmt werden muss. „Wenn so ein kleiner Vogel sich dann aber in der Hand einkuschelt, dann tut das der Seele einfach gut“, gibt sie zu, dass das Hobby auch jede Menge Glücksmomente mit sich bringt.

Unfälle und Vergiftungen sind die Hauptdiagnosen

Hauptdiagnose bei den eingelieferten Vogelpatienten waren Unfälle mit Fahrzeugen, Flüge in Stacheldrahtzäune, Verletzungen durch Fensterscheiben sowie Vergiftungen durch Pestizide oder durch verschmutzte Gewässer.

Oberstes Ziel ist es, möglichst viele der eingelieferten Vögel und Igel wieder gesund in die Freiheit zu entlassen. Eine Auswilderungsrate von etwa 70 Prozent zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist und sich die Mühen für alle Beteiligten lohnen. Allerdings verursacht die Versorgung der Tiere erhebliche Kosten, die ausschließlich durch Spenden aufgebracht werden müssen. Deshalb ist man bei der Wildvogel-Pflegestation Kirchwald über jeden gespendeten Euro froh.

Weitere Mitstreiter dringend gesucht

Klaus-Peter und Renate Schwenker würden sich ihrerseits über tatkräftige, zeitlich ungebundene und mobile Mitstreiter freuen, denn ihr Hobby ist mittlerweile sehr zeitaufwendig geworden. „Für eine Fahrt brauche ich drei Stunden und fahre rund 100 Kilometer weit, allein in diesem Jahr kamen somit bereits 280 Stunden und 9300 Kilometer zusammen – die ich aber gerne auf mich genommen habe.“ Seit Anfang des Jahres hat er bereits Verstärkung von einem gleichgesinnten Rheinbacher bekommen, doch auf Dauer müsse weitere Verstärkung her.

Zumal man auch bedenken müsse, dass die Familie Schwenker sämtliche Kosten trägt für das Fahrzeug selbst und dessen Betriebskosten. Als umweltbewusste Naturfreunde fahren sie ein Auto mit Elektroantrieb und somit 100 Prozent elektrisch.

Im Normalfall bringen die Finder den Vogel dann auch nach vorheriger Absprache zur Familie Schwenker nach Rheinbach in den Buchenweg 24. Von dort aus geht die Reise weiter in einer Transportbox nach Kirchwald. Für den Transport sind fast alle Behältnisse geeignet, sobald genügend Öffnungen vorhanden sind und der Patient nicht ausbüchsen kann. „Von der Schmuckdose bis zur Kinderbadewanne haben wir schon fast alles Erdenkliche als Transportbox genutzt“, so Schwenker.

Fahrt mit dem neugierigen Höckerschwan

Der größte Vogel, den er transportierte, war am 8. Juni dieses Jahres ein Höckerschwan, der sogar in den Radio-Verkehrsnachrichten eine Rolle gespielt hatte. Der mächtige Vogel hatte nämlich mittags mit einem gebrochenen Fuß die Südbrücke in Bonn blockiert und war anschließend, nachdem er von einem Tierarzt erstversorgt worden war, nach Rheinbach gebracht worden.

Auf der Fahrt nach Kirchwald im großen Umzugskarton mit einer darüber gelegten Decke konnte der Höckerschwan aber seine Neugier nicht verbergen und schaute während der ganzen Fahrt durch die Seitenfenster nach draußen, um sich die Wegpunkte für den späteren Rückflug zu merken. Denn wie alle anderen Vogel-Taxi-Kunden wird er wieder in die freie Wildbahn entlassen, sobald er wieder fit ist.

Der Transport eines Höckerschwans entpuppte sich als eine der abenteuerlichsten Fahrten mit dem Vogel-Taxi.

Der Transport eines Höckerschwans entpuppte sich als eine der abenteuerlichsten Fahrten mit dem Vogel-Taxi.

Fast 400 Mal war Klaus-Peter Schwenker mit seinem Vogel-Taxi schon im Einsatz, um Vögel mit gesundheitlichen Problemen von Rheinbach aus in die Wildvogel-Pflegestation Kirchwald zu bringen.-JOST- Foto: Volker Jost

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Dauerauftrag 2026
Werksverkauf Anhausen
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten- Modernisieren
Blütenfest Meckenheim
Blütenfest in Meckenheim
Aushilfskraft (w/m/d)
Anzeige Tag der offenen Tür am Zeiberberg
Empfohlene Artikel
Symbolbild.  Foto: pixabay.com
62

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
37

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
124

Jugendliche um drei Uhr nachts von Polizei angehalten

11.04.: Bad Ems: 15- und 13-Jähriger unternehmen nächtliche Spritztour mit Auto

Bad Ems. In den frühen Morgenstunden des 11.04.2026, gegen 03:00 Uhr, wurde durch eine Streifenwagenbesatzung nach einem Hinweis von Zeugen ein Pkw im Stadtgebiet Bad Ems, im Bereich der Straße Am Weißen Stein, kontrolliert. Hierbei wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erst 15 Jahre alt und demnach nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Sein Beifahrer war nochmals zwei Jahre jünger.

Weiterlesen

Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall
Werbeplan 2026
Titelanzeige KW 15
Mitarbeiter IT-Administrator
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Angebotsanzeige (April)
Blütenfest
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Lagerverkauf
Anzeige Beratertage Schlafexperte
Blütenfest