Allgemeine Berichte | 14.11.2018, 09:27 Uhr

„BLICK aktuell“ sprach mit Barbara Genscher über das Leben an der Seite von Hans-Dietrich Genscher und aktuelle Themen

„Neider habe ich glücklicherweise nie erlebt“

„Neider habe ich glücklicherweise nie erlebt“
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Wachtberg-Pech. Gerade erst war Barbara Genscher in Wuppertal, wo der Hans-Dietrich Genscher Platz eingeweiht wurde. Schon hat sie ein neues Projekt, nämlich die Schirmherrschaft der ersten Frauenpowermesse der Region. Immer auf Achse würde man sagen und wenn man einmal die Möglichkeit hat, persönlich mit ihr ins Gespräch zu kommen, dann merkt man erst, welche Faszination von ihr ausgeht. Zuhause ist sie nach wie vor in Wachtberg Pech, wo „BLICK aktuell“ der prominenten Wachtberger Bürgerin einige Fragen stellen durfte.

„BLICK aktuell“: Im April 2005 wurde ihnen das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Hierbei wurde besonders ihr hohes Engagement in der Öffentlichkeit gewürdigt. Was war das für ein Gefühl für sie?

Barbara Genscher: Ein Gutes!

„BLICK aktuell“: Sie haben viele hohe Staatsfrauen und -männer in ihrem privaten Zuhause in Pech empfangen. Gibt es eine ganz besondere Anekdote, die sie uns erzählen möchten?

Barbara Genscher: Am Rande des Staatsbesuches des Außenministers der Sowjetunion hatten mein Mann und ich Nanuli und Eduard Schewardnadse zu uns nach Hause in Pech zum Abendessen in kleinem Kreis eingeladen. Hierzu hatten wir einen Koch eines Bonner Hotels engagiert. Kurz vor der angesetzten Ankunftszeit wurde uns mitgeteilt, dass sich die Gäste etwas verspäten würden. Mein Mann und ich nutzten die Zeit und setzten uns gemütlich mit einem „Gläschen“ in unseren Garten, als plötzlich ganz entnervt der Koch vor uns stand und verzweifelt mitteilte: „Der Fisch ist weg!“. Wir schauten ihn fragend an. Er hatte die Aufbewahrungsbox mit dem Fisch im Hotelkühlschrank vergessen. Mein Mann meinte ganz entspannt: „Fahren sie zurück ins Hotel und holen den Fisch, die Gäste verspäten sich sowieso“. Kurze Zeit später meldete sich der Koch zurück. Er könne das Hotel nicht erreichen, da die polizeilichen Absperrungen, wegen des Staatsbesuchs nicht zu überwinden seien und man würde ihm die Geschichte mit dem

vergessenen Fisch nicht glauben. Trotz des Hindernisses wurde es ein schöner Abend mit einem etwas veränderten Essen, allerdings ohne den vergessenen Fisch.

„BLICK aktuell“: Gibt es noch Freundschaften aus der „alten Zeit“?

Barbara Genscher: Ja, natürlich. Private Freundschaften bleiben sowieso bestehen. Aber auch nach dem Ausscheiden meines Mannes als Außenminister, gab es noch weitere freundschaftliche Begegnungen mit früheren Kollegen, wie z.B. mit Roland Dumas, James und Susan Baker, Eduard und Nanuli Schewardnadse, Michail und Raissa Gorbatschow oder dem früheren dänischen Außenminister Uffe Ellermann-Jensen und seiner Frau.

„BLICK aktuell“: Sie haben die Welt gesehen und so auch einen hohen Preis dafür bezahlt. Gab es Neider?

Barbara Genscher: Nein. Neider habe ich glücklicherweise nie erlebt. Eher normale Menschen, die Fragen zum Ablauf von offiziellen Besuchen stellten.

„BLICK aktuell“: Wie und wo konnten sie mit ihrem Mann Zweisamkeit genießen?

Barbara Genscher: Wenn es der Zeitplan meines Mannes zuließ, einfach gemeinsam bei schönem Wetter auf der Terrasse oder im Garten sitzen oder aber in der Kaminecke zusammen Fernsehen schauen. Oftmals nutzten wir auch die Zeit, in der Sauna oder im Schwimmbad zu entspannen.

„BLICK aktuell“: Wie schaffen sie das enorme Alltagspensum?

Barbara Genscher: Wenn ich meine Tage heute mit der aktiven Zeit meines Mannes vergleiche, dann empfinde ich es jetzt schon sehr viel entspannter. Damals hatten wir einen Termin nach dem anderen und die Termine waren zudem auch noch vorgegeben. Heute kann ich mir meine Termine einteilen, wie ich es möchte.

„BLICK aktuell“: Unlängst ist in ihrem Beisein in Wuppertal-Barmen der Hans-Dietrich Genscher Platz eingeweiht worden. Was war das für ein Gefühl?

Barbara Genscher: Ein großes Gefühl, dass mich sehr berührt hat. Ich weiß, wie sehr mein Mann sich darüber gefreut hätte. Immerhin war Wuppertal 33 Jahre der Wahlkreis meines Mannes. Er hat sich in all den Jahren sehr um seinen Wahlkreis gekümmert. Es ist schön, dass die Stadt Wuppertal ihm damit danken will und sein Ansehen würdigt, so wie das auch in der Gemeinde Wachtberg, der Stadt Halle/Saale und in Bonn geschehen ist.

„BLICK aktuell“: Der Volksmund sagt, hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau. Wie war das bei Ihnen und Ihrem Mann?

Barbara Genscher: Genauso!

„BLICK aktuell“: Welche Rituale gibt es bei Barbara Genscher?

Barbara Genscher: Morgens um 7 Uhr in der Früh im Deutschlandfunk die Nachrichten hören und im Anschluss die Presseschau, damit ist man immer gut informiert.

„BLICK aktuell“: Welches war ihr bedeutendstes privates Ereignis an der Seite Ihres verstorbenen Mannes?

Barbara Genscher: Natürlich unsere Heirat. Aber eigentlich war es das gesamte Leben an seiner Seite, für das ich unendlich dankbar bin.

„BLICK aktuell“: Welches war Ihr bedeutendstes Ereignis an der Seite eines Staatsmannes?

Barbara Genscher: Zum einen war es der Besuch im Vatikan bei Papst Johannes Paul II. und zum anderen das Kennenlernen von Nelson Mandela. Ereignisse und Momente, die ich nicht missen möchte. Beide große, beeindruckende Persönlichkeiten. Unvergessen natürlich der Abend, als mein Mann am 30. September 1989 in Prag tausenden von Flüchtlingen ihre Ausreise verkünden konnte. Wie viele andere Menschen, habe ich dieses Ereignis zu Hause am Fernsehen erlebt.

„BLICK aktuell“: Sie haben vor über dreißig Jahren die Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung übernommen. Wie kam es dazu?

Barbara Genscher: So allerlei Schirmherrschaften sind seinerzeit an mich herangetragen worden. Stets hatte ich abgelehnt, da ich zu sehr in die Pflichten meines Mannes, eingebunden war. Aber die DHS war mir nicht unbekannt und die Vorhaben und Ziele der Frankfurter Stiftung interessierten mich besonders. Nach einem Gespräch mit dem Vorstand kam es 1987 dann zu meinem Engagement, mich für die Ziele und Aufgaben der Deutschen Herzstiftung einzusetzen.

„BLICK aktuell“: Vor einigen Monaten haben sie sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft für die erste Frauenpower Messe der Region, die am 23. November im City Hotel in Meckenheim stattfindet, zu übernehmen. Wie kam es dazu? Welche Beweggründe gab es für Sie?

Barbara Genscher: Eine der Initiatorinnen, Barbara Voss, sprach mich vor einigen Monaten an, ob ich die Schirmherrschaft für die erste Frauenpowermesse übernehmen könnte. Da ich die Arbeit von Frau Voss bereits seit Langem mit Interesse verfolge, habe ich mich mit ihr über den Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung unterhalten. Das große Engagement der drei Veranstalterinnen und die enorme Motivation, Frauen Hilfestellungen nicht nur bei der Berufsrückkehr, sondern auch bei alltäglichen Themen zu geben, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die Messe als Schirmherrin zu unterstützen. Das breit gefächerte Programm aus Vorträgen, persönlichem Austausch und Informationen für Menschen jeden Alters ist eine große Bereicherung für unsere Region.

„BLICK aktuell“: Gibt es bei Barbara Genscher ein Lebensmotto?

Barbara Genscher: Verlässlich und tolerant gegenüber anderen Menschen sein.

„BLICK aktuell“: Wenn sie heute zurückblicken, hätten sie irgendetwas in ihrem Leben anders gemacht? Wenn ja was?

Barbara Genscher: In einem so langen Leben, immerhin sind es nun schon über 82 Jahre, wäre es vermessen zu sagen, man hätte alles richtig gemacht. Wer könnte das schon von sich behaupten!

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