Ökumenische Gedenken der Reichspogromnacht
Nein zum Vergessen und Verschweigen
Koblenz. Bei dem Gottesdienst in der City-Kirche gab es ökumenisches Gedenken der Reichspogromnacht von 1938 im Blick auf die millionenfachen Opfer durch die staatlich gelenkte Verfolgung und Tötung von Juden in Deutschland und europaweit. Dekanatsreferentin Christiane Schall erläuterte in ihrer Begrüßung den diesjährigen inhaltlichen Schwerpunkt: Frauen als Opfer ebenso wie als Täterinnen.
So berichteten Superintendent Rolf Stahl und Thomas Krekeler von zwei Fürsorgerinnen des städtischen Jugendamtes, die bei der Deportation von Juden am Lützeler Bahnhof anwesend sein mussten. Im Auftrag der Stadtverwaltung, aber „ganz legal“ von der Gestapo als Hilfskräfte angefordert. Sie sehen die Not der Mütter mit kleinen Kindern, sind hin- und hergerissen zwischen ihrer menschlichen Anteilnahme und ihrem amtlichen Auftrag, bei den Kindern für Ruhe zu sorgen. Die brutalen Kommentare von Angehörigen der Gestapo lassen sie schließlich ahnen, was den Gefangenen auf ihrem todbringenden Weg noch bevorsteht.
Pfarrer Ralf Staymann und Martin Witte erinnerten an ein lange verschwiegenes düsteres Kapitel: in zehn Konzentrationslagern hat es sogenannte Sonderbaracken gegeben, in denen weibliche Häftlinge von der SS zur Prostitution gezwungen wurden.
Zwischen den insgesamt fünf Erinnerungs-Texten gab es immer wieder literarische Texte wie beispielsweise das Gedicht von Maria Rutkowska, 1942 in das KZ Ravensbrück eingeliefert. Es beschreibt eindrucksvoll die entwürdigenden Prozeduren, denen Frauen dort ausgeliefert waren. „Abgemagert, blau von Folter, wie die Tiere hinter Gittern zur Schau gestellt.“
Erschreckende Zeugnisse also aus diesen faschistischen Zeiten, die schließlich im verbrecherischen Wahn der „Endlösung“, also der totalen Vernichtung aller deutschen und europäischen Juden gipfelte.
Die einfühlsame Gitarrenmusik von Matt Peters schuf immer wieder die nötigen Atempausen, um all das unerhört Gehörte nachklingen zu lassen.
Nein zum Vergessen und Verschweigen! Diesem Anliegen entsprach auch das ermutigende Gebet zum Abschluß des Gottesdienstes. Claudia Krekeler und Manfred Henkes gaben sicher damit den zahlreichen Anwesenden eine Stimme, wenn es darin hieß: „Gib mir die Gabe der Tränen, Gott, gib mir die Gabe der Sprache. Reinige mich vom Verschweigen, gib mir die Worte, das Unrecht beim Namen zu nennen“. Ein prägnanter Wunsch auch für morgen und übermorgen angesichts zunehmend faschistoider und rassistischer Geschichtsklitterei und „völkisch“ daherkommender rechter Populisten.
