Allgemeine Berichte | 29.07.2022

Ellen Klinkel hat mit „ROUTE 66: Westwärts auf Amerikas legendärem Highway“ der berühmten Strecke einen besonderen Bildband gewidmet

Neonschilder und Geisterstädte

Ellen Klinkel.  Foto: privat

Kreis Ahrweiler. Ellen Klinkel, aufgewachsen in den USA und in der Nähe von Ahrweiler, stieß im Herbst 2013 eher zufällig auf die Route 66, die sie seitdem nicht mehr losgelassen und ihre Begeisterung für die Fotografie ausgelöst hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Udo Klinkel und Route-66-Historiker Nick Gerlich hat sie seitdem zahlreiche Reisen in Amerika mit Schwerpunkt Route 66 unternommen. 2019 wurde in den USA ihr erstes Buch mit Fotografien zu diesem Thema veröffentlicht. Am 21. Mai 2022 erschien nun ihr erster deutscher Bildband „ROUTE 66: Westwärts auf Amerikas legendärem Highway“ in der Edition Bildperlen. Texte von Nick Gerlich und Udo Klinkel begleiten die zahlreichen Farbfotografien und Schwarz-Weiß-Porträts.

Nun unterhielt sich BLICK aktuell mit der Fotografin Ellen Klinkel über den Sehnsuchtsort „Route 66“

BLICK aktuell: Ihren Bildband haben Sie der Route 66 gewidmet, der wohl legendärsten Straße in den USA. Woher kommt die Leidenschaft für diese Route?

Ellen Klinkel: 2013 waren mein Mann Udo und ich mal wieder im Südwesten der USA unterwegs, als aufgrund des Regierungs-Shutdowns alle Nationalparks geschlossen wurden. Unsere Reiseplanung wurde komplett auf den Kopf gestellt. Schnell war klar: Die Route 66 wird unsere Alternative. Schon auf dieser Tour haben wir Feuer gefangen für den legendären Highway. Man fährt durch acht US-Bundesstaaten und unterschiedlichste Landschaften, sieht auf jeder Reise Veränderungen und vor allem begegnet man interessanten Menschen und ihren Geschichten. Bei einem Road Trip auf der 66 ist der Weg das Ziel – und ich liebe diese Art zu reisen. Durch die Route 66 ist meine Leidenschaft für die Fotografie erst richtig entstanden.

BLICK aktuell: Welche Motive haben Sie festgehalten und welche Menschen haben Sie während ihrer Reise getroffen?

Klinkel: Die Route 66 bietet die unterschiedlichsten Motive: die endlose Straße, typische amerikanische Kleinstädte, originale 50er-Jahre-Motels und -Diner, Neonschilder, Oldtimer, die Weiten des „Wilden Westens“, Geisterstädte und vieles mehr.

Inzwischen waren wir ein Dutzend mal auf der Route 66 unterwegs, sodass ein großes Fotoarchiv zusammen gekommen ist. Auf jeder Reise versuche ich, mit frischem Blick zu fotografieren: Altbekanntes aus anderen Perspektiven festzuhalten und Neues zu entdecken. Im Bildband finden sich populäre Motive, wie z.B. das ikonische Blue Swallow Motel, Roy’s Motel & Cafe und das Beckham County Courthouse, das durch die Verfilmung von Steinbecks “Früchte des Zorns„ bekannt wurde, aber auch Fotografien von unbekannteren Orten wie dem Painted Desert Trading Post, einem alten Handelsposten mitten in der Wüste in Arizona.

BLICK aktuell: Im Laufe der Zeit haben wir viele Menschen, die entlang der Route 66 leben und arbeiten, kennengelernt. Es sind wunderbare Freundschaften entstanden, u.a. mit unserem Co-Autor und Route-66-Kenner Nick Gerlich. Daher war es uns sehr wichtig, im neuen Bildband auch Menschen der Route 66 vorzustellen. Für das Buch haben wir 27 Personen, die an der Route 66 leben und/oder arbeiten porträtiert und interviewt, u.a. Angel Delgadillo, den Vater der Historic Route 66, die Malerin Tina Mion, oder auch Dennis Crowley, der in seinem Van an und auf der 66 lebt. Die Porträtfotos sind in schwarz-weiß gehalten und werden von ca. 110 Farbfotografien begleitet.

BLICK aktuell: Was war für Sie das spannendste Erlebnis während Ihrer Fotoreise?

Klinkel: Wir suchen gerne nach alten Streckenführungen der Route 66, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt wurden und inzwischen fast in der Wildnis verschwunden sind. Seit unserem ersten Treffen mit Nick in 2015 haben wir uns bereits mehrfach gemeinsam auf Spurensuche begeben, vor allem in Texas, New Mexico und Arizona. Bei diesen Exkursionen haben wir einiges erlebt. Die Suche nach den alten „Alignments“, wie die Amerikaner die Streckenführungen nennen, hat uns mitten durch die Prärien in oft schwer zugängliche Gebiete geführt. Sogenannte „Snake Guards“ zum Schutz vor Klapperschlangen waren daher unbedingte Pflicht. Zum Glück hatten wir keine Begegnung dieser Art. Aber es hat sich immer gelohnt und riesigen Spaß gemacht, abseits der üblichen Strecken unterwegs zu sein.

BLICK aktuell: Möchten Sie einen weiteren Bildband verfassen? Falls ja, welche Region oder welchen Ort sollte der behandeln?

Klinkel: Auch wenn es zurzeit noch keine konkreten Pläne gibt, habe ich einige Ideen. Gerne möchte ich gemeinsam mit Nick und Udo, die die Texte zum deutschen Bildband beigesteuert haben, ein weiteres Projekt realisieren. In 2019 ist mein erster Bildband A Matter of Time: Route 66 Through the Lens of Change bei der University of Oklahoma Press erschienen. Dieser ist komplett in schwarz-weiß gehalten. Wir können uns gut vorstellen, einen Nachfolgeband zu verfassen, z.B. über den Lincoln Highway, die erste transkontinentale Straße für Automobile in den USA, oder über einen bestimmten Bundesstaat. Wir haben da Nevada im Auge. Seit Herbst 2019 waren wir pandemiebedingt leider noch nicht wieder in den USA. Seitdem habe ich habe viel in der Eifel fotografiert und kann mir grundsätzlich vorstellen, dass irgendwann ein Eifel-Bildband entsteht.

Weitere Informationen:

ROUTE 66: Westwärts auf Amerikas legendärem Highway, Edition Bildperlen, 208 Seiten, Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos, ISBN 978-3965465107

ROB

Ellen Klinkel. Foto: privat

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