Allgemeine Berichte | 28.08.2019, 11:35 Uhr

HofArt bei Familie Kemp in Villip ging in ihre 19. Auflage

Neue Kunst, altes Handwerk, altes Gemäuer und neue Ideen in Symbiose

Neun Künstler und Kunsthandwerker präsentierten einen Ausschnitt aus ihrem Schaffen in einer fränkischen Vierflügelanlage

Kunst und Kunsthandwerk fühlten sich gleichberechtigt bei der „HofArt“ in Villip..Fotos: JOST
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Villip. Für viele Menschen, die den schönen Dingen des Lebens zugeneigt sind, war die 19. Auflage der „HofArt“ ein Wiedersehen mit alten Bekannten, guten Freunden und geschätzten Kreativen. Die Ausstellung von Kunst und Kunsthandwerk in der historischen Hofanlage der Familie Kemp in Villip machte einmal mehr ihrem Ruf alle Ehre, eine der inspirierendsten und zugleich familiärsten Zusammenkünfte von Kreativen der verschiedensten Richtungen mit einem fachkundigen Publikum in der Region zu sein. In der authentischen ländlichen Atmosphäre präsentierten sich diesmal neun Künstler und Kunsthandwerker mit ihren schönsten Exponaten - bereit zum offenen und ausführlichen Gespräch mit jedem, der sich für ihre Werke interessierte. In der alten fränkischen Vierflügelanlage ging historisch gewachsene Substanz eine enge Verbindung ein mit dem, was Menschen von heute in all ihrer Kreativität produzieren können.

In ihrer Einführungsrede ging Galeristin Annegret Portsteffen vom CRAFTkontor Bonn zunächst darauf ein, dass bei der „HofArt“ stets Kunst und Kunsthandwerk zusammen gezeigt würden. Das sei für eine herkömmliche Galerie eigentlich unmöglich, doch die Zeiten hätten sich geändert. „Neue Kunst, altes Handwerk, altes Gemäuer und neue Ideen gehen hier eine wunderbare Symbiose ein“, erklärte sie. Schließlich sei auch Handwerk in seiner besten Form eine Art Kunst. Ohnehin sei das Kunsthandwerk in den angelsächsischen Ländern sehr viel höher angesehen als hierzulande, deshalb sei es zu begrüßen, dass solche Veranstaltungen dazu beitrügen, die Kluft zu überbrücken. Denn das Kunsthandwerk könne durchaus gleichwertig sein, wenn es hohe Qualität besitze.

Wo hört Handwerk auf, ab wann ist es Kunst?

Schon das Bauhaus, das dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiere, habe es dank Walter Gropius geschafft, Handwerk und Kunst miteinander zu vereinen, erinnerte Portsteffen. Zumal man oft nicht klar entscheiden könne: „Wo hört Handwerk auf, ab wann ist es Kunst?“ In einer Fiktion über das historische Villip zeigte sie am Beispiel eines Rhabarberblatts, das als Regenschutz genutzt wird, die Entwicklung der menschlichen Kreativität über die Töpferei bis zum Kunsthandwerk und zur Kunst. „Und der Stammesälteste fungierte dabei als erster Sammler“, schmunzelte sie. Denn letztlich entstehe Kunst durch Weiterentwicklung, durch Ausprobieren, Mut und Können.

Zu sehen waren Drechselarbeiten von Gastgeber Josef Kemp, der sich nach wie vor als künstlerischer Holzhandwerker sieht. Seine Objekte sind nicht nur überaus dekorativ, sondern auch noch praktisch nutzbar. Mit seiner Arbeit gibt er dem Holz erst seinen Charakter, und aus knorrigen Wurzeln werden „mit dem gewissen Dreh“ seelenvolle Werkstücke mit eigener Geschichte. Marco di Piazza (Bonn) präsentierte sich als Maler, Grafiker und Bildhauer mit vielseitigen Talenten. Sein Interesse gilt Menschen, entweder als Rückenakt oder in Gruppen dargestellt. Aquarellist Holger Figge (Bonn) beherrsche den zarten Strich und den Umgang mit der Farbe, sein Ziel sei es, Landschaften zu entdecken und Eigenheiten sichtbar zu machen, so Portsteffen.

Thema Gleichberechtigung und Sichtbarkeit

Susanne Gerlach (Köln) zeigte Goldschmiedearbeiten als Unikate. Das Spektrum reichte dabei von einfachen, formal reduzierten Silberarbeiten bis zu aufwendigere Goldarbeiten mit ausgewählten Edelsteinen. Kristina Kanders (Köln) kehrte vor einigen Jahren aus New York zurück nach Köln, verdient dort ihren Lebensunterhalt als Schlagzeugerin, Jazzsängerin, Musikproduzentin und mittlerweile in erster Linie als Malerin. Sie zeigte beeindruckende fotorealistische Arbeiten auf Vintage-Tapeten der 1950er und 1960er Jahre. In der Serie „Verschwindende Hausfrauen“ gehen Frauen der 1960er Jahre bei der Hausarbeit im Hintergrund auf und werden gewissermaßen unsichtbar. „Ein politischer Beitrag zum Thema Gleichberechtigung und Sichtbarkeit.“

Die Hutmacherin Erika Klette (Köln) arbeitet ihre Kopfbedeckungen in Filz, macht aber auch saisonale Hüte für die verschiedenen Jahreszeiten in unterschiedlichen Materialien und ausgefallenen Formen, die dennoch sehr kleidam sind. Steinbildhauer Georg Krautkrämer (Köln) hatte ein weites Spektrum von kleinen Modellen und Kostenstrukturen mitgebracht, nahm in seinen Werken dem Stein die Schwere und arbeitet mit Öffnungen, Bewegungen und Rhythmen. Krimhild Sudek (Freren) präsentierte Lederarbeiten und Handtaschen aus einem der ältesten Materialien der Welt, die sich schön, schlicht, ausgefallen und bunt, in jedem Fall sehr individuell zeigten. Traudel Stahl (Köln) ist eine bekannte Papierkünstlerin, die sowohl dreidimensional wie auch flach mit Papier arbeitet, und zwar mit selbstgemachter Pulpe, was schon fast an Alchemie grenze, so Portsteffen. In ihren zarten und leichten Objekte aus Papier wirkte das Nichts mit, denn Luft ist Bestandteil der Kunstwerke, Löcher unterstreichen die Zartheit. JOST

Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, bei der 19. Auflage der „HofArt“ bei der Familie Kemp in Villip eine Symbiose aus Kunst und Kunsthandwerk zu bestaunen.

Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, bei der 19. Auflage der „HofArt“ bei der Familie Kemp in Villip eine Symbiose aus Kunst und Kunsthandwerk zu bestaunen. Foto: Volker Jost

Die Gemälde von Kristina Kanders mit dem Titel „Verschwindende Hausfrauen“ waren auch ein Beitrag zum Thema Gleichberechtigung und Sichtbarkeit.

Die Gemälde von Kristina Kanders mit dem Titel „Verschwindende Hausfrauen“ waren auch ein Beitrag zum Thema Gleichberechtigung und Sichtbarkeit. Foto: Volker Jost

Kunst und Kunsthandwerk fühlten sich gleichberechtigt bei der „HofArt“ in Villip..Fotos: JOST Foto: Volker Jost

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