Neugierde wecken und Horizonte erweitern
Exotische Sprachkurse sind ein Markenzeichen der Kreis-Volkshochschule
„Seit vielen Jahren gibt es die außergewöhnlichen Sprachkurse bei der Kreis-Volkshochschule Ahrweiler, die offensichtlich für immer mehr Menschen interessant werden“, hat KVHS-Leiter Michael Jacob festgestellt. Die Exotik im Angebot garantieren Japanisch, Arabisch, Chinesisch, Türkisch, Ungarisch oder Polnisch. Für Einsteiger geeignet sind alle Kurse, die neu nach den Sommerferien beginnen.
Japanisch: „Reizvoll und gemein“
„Die Sprache ist ungemein reizvoll. Gemein ist sie auch“, lacht Thomas Herbach (alle Namen von der Redaktion geändert): Denn allein die Schriftzeichen sind eine einzige Herausforderung. Aber was den 29-Jährigen fasziniert, das macht er - diesmal eben Japanisch lernen. Seit Januar fühlen sich neun Männer und drei Frauen, zwischen 16 und 65 Jahren alt, wohl im Klassenraum 103 der Erich-Kästner-Schule in Ahrweiler und bei Lehrerin Ritsuko Kasai. Mehr als 100 Schriftzeichen zu verinnerlichen ist „eine Fleißarbeit - auch das Lernen der vielen Ausnahmen“, ergänzt seine Tischnachbarin. Vier Schriftsysteme gibt es, das dritte üben die zwölf Schüler seit einigen Montagabenden, es ist das schwierigste. „Aber witzig finde ich, dass es Wörterbücher gibt nach Anzahl der Striche“, rauft sich Stefan Kemmer die Haare. Ritsuko Kasai lächelt still. Geduld! Die hat Markus Bäder schon einkalkuliert: 2020, pünktlich zur Olympiade, will er seinen ehemaligen Arbeitskollegen in Tokio besuchen und deutliche Worte auf Japanisch sprechen.
Eine Reise nach Japan - das planen die meisten der Kursteilnehmer. Andere können sich vorstellen, dort zu leben, dort zu arbeiten. Die meisten mögen die japanische Kultur, was Kasai sehr freut, die Medien, die Literatur. „Vor allem Edogawa Rampo ist einfach klasse“, schwärmt Till Johann. Der 18-Jährige erklärt es auch gleich (noch auf Deutsch): Edogawa Rampo ist der japanische Arthur Conan Doyle, die japanische Version von Sherlock Holmes heißt Akechi Kogoro. Japanisch lesen? Na ja. Sprechen? „Die Aussprache fällt mir leicht.“ Verstehen? Wann das sein wird, kann Johann nicht sagen: „Ich weiß nie, wann ein Wort aufhört und das nächste anfängt!“
Arabisch: Zauber der Sprache und der Schrift
In diesem Punkt haben es die Schüler leichter, die an Donnerstagabenden in Ahrweiler lernen. Arabisch. Mit Leerzeichen zwischen den Wörtern. Sechs Kursteilnehmer, zwischen 20 und 80 Jahren alt, alle sehr engagiert, „so machen Sprechen, Lesen und Schreiben Spaß“, freut sich Lehrerin Dr. Martina Häusler. Von den vielen Dialekten, die im Orient gesprochen werden, hat sie das ägyptische Arabisch für ihren Sprachkurs gewählt: Es wird von allen Arabern verstanden dank der größten Filmindustrie, die in Ägypten zu Hause ist. Während die meisten der Schüler schon vom Schreiben wie verzaubert sind, das wie Kalligrafie anmutet, frönt Gustav Wegener einer anderen Leidenschaft: „Ich möchte unbedingt herausfinden, welche Mittel der Kommunikation diese Sprache benutzt.“ Und welche Geschichte dahinter steckt.
Monika Simmerath hat andere Prioritäten. Die 20-Jährige hat bei ihrer Arbeit viel mit syrischen Migranten zu tun, „und da finde ich es schade, dass ich mich nicht mit ihnen unterhalten kann“. Das ändert sie gerade, indem sie mit Arabisch ihre sechste Sprache lernt. „Täglich etwas üben, dann funktioniert das gut!“ Erstaunlich: „Ich habe gedacht, es braucht mindestens ein Jahr, bis ich ein kleines Gespräch anfangen kann“, erzählt sie, „nun war ich in Marrakesch und habe schon nach ein paar Monaten Arabisch geredet!“ Sie bestätigt, was schon andere Schüler erfahren haben: Ein Sprachkurs macht neugierig aufs ferne Land und öffnet neue Räume am geistigen Horizont. Und das Herz gleich mit.
„Sprechen Sie Arabisch?“Foto: fotolia / nito Foto: nito - Fotolia
