Pfarreiengemeinschaft Grafschaft traf sich in Bengen
Neujahrsempfang stand im Zeichen der bevorstehenden Veränderungen
Zusammenschluss mit Altenahr und Bad Neuenahr-Ahrweiler soll bis 2022 über die Bühne gehen
Bengen. Der Neujahrsempfang der Pfarreiengemeinschaft Grafschaft begann mit einer Heiligen Messe am Fest „Erscheinung des Herrn“ in der Pfarrkirche St. Lambertus in Bengen, die von Pfarrer Alexander Burg und vom Pfarrer im Ruhestand Norbert Klaes zelebriert wurde. Die beiden jüngsten Bengener Sternsinger nahmen stellvertretend für alle Sternsinger an der Heiligen Messe teil und durften Dienste am Altar übernehmen. Burg dankte ihnen und allen Sternsingern der Pfarreiengemeinschaft für ihren Einsatz.
In seiner Predigt ging Burg auch auf die Strukturreform des Bistums ein. Demnach habe das Bistum den Zusammenschluss der Pfarreiengemeinschaften Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler und Grafschaft zur „Pfarrei der Zukunft Bad Neuenahr-Ahrweiler“ geplant. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, die Strukturreform zum Jahresbeginn 2020 umzusetzen, weshalb am Abend des Neujahrsempfangs davon ausgegangen wurde, dass dies voraussichtlich der letzte Neujahrsempfang der Pfarreiengemeinschaft Grafschaft sei. Pfarrer Burg blickte zurück und berichtete, dass die Einzelheiten der Strukturreform noch nicht bekannt seien, viel stünde noch „in den Sternen“.
Er zitierte das Festtagsevangelium, das mit den Worten endete: „Sie zogen auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ Damals wie heute gehe es um Menschen und ihr Schicksal, um ein ernstes Suchen und Finden, um Entscheidungen für den rechten Weg, um den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft, um die Bereitschaft, Gottes Wort anzunehmen und Gott gegenüber Demut und Verehrung zu zeigen.
Auch „andere Wege“, so Burg, führen nicht unbedingt in eine Sackgasse oder schlimmer noch in den Untergang. Zusammenhalt in der Gemeinschaft bleibe wichtig.
Pfarrer Burg gab den Messbesuchern ein Zitat von Charles de Foucauld mit auf den Weg: „Wenn man Jesus gesehen hat, muss man auf einem anderen Weg heimgehen. Auf dem Weg der Bekehrung, nicht auf dem Weg der Vergangenheit.“ Dieses Zitat könne so verstanden werden, dass man die Welt als Glaubender „anders“ sehe, dass sich ein Perspektivwechsel vollziehe, dass man „nicht mehr der Alte sei“. Burg schloss mit den Worten: „Wichtig ist und bleibt der Zusammenhalt in der Gemeinschaft – untereinander, im Miteinander, als Glaubende auf dem Weg.“
Nach dem Neujahrsempfang verkündete allerdings Bischof Dr. Stephan Ackermann, dass zum 1. Januar 2020 zunächst nur 13 „Pfarreien der Zukunft“ gebildet werden und die übrigen Pfarreien bis Anfang 2022 folgen sollen. Die Pfarreiengemeinschaft Grafschaft gehöre nicht zum Kreis der ersten 13 Pfarreien, womit dies wohl doch nicht der letzte Neujahrsempfang in der Grafschaft war.
Mehr als 100 Gäste
Der begann in der Mehrzweckhalle Bengen mit mehr als 100 Gästen. An liebevoll geschmückten Tischen saßen die haupt-, neben- und ehrenamtlich Tätigen der Pfarreiengemeinschaft zusammen. Neben Gemeindereferentin Ursula Richter und Gemeindeassistentin Sabine Dettinger war auch die ehemalige Gemeindeassistentin Susanne Leuchs mit ihrem Ehemann der Einladung gefolgt und freute sich sichtlich über das Wiedersehen mit vielen Bekannten aus ihrer Grafschafter Zeit. Sie begrüßte besonders die Jugendlichen, die sich unter ihrer Anleitung nach der Firmung im Jahr 2017 als aktive Jugendgruppe zusammengefunden hatten und ebenfalls zum Neujahrsempfang geladen waren.
Pfarreienratsvorsitzende Anita Schneider begrüßte die Gäste im Namen des Seelsorgeteams und der Räte der Pfarreiengemeinschaft Grafschaft und dankte den Unterstützern der Pfarreiengemeinschaft, „die unserer Pfarreiengemeinschaft ein so positives Gesicht nach außen geben.“
Empörung und Unverständnis
Für Empörung und Unverständnis sorge vielerorts die geplante Auflösung der Kirchengemeinden, wusste sie. So habe sich die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ gebildet, der sich bereits viele Pfarreien – auch aus der Grafschaft – angeschlossen hätten. „Sollte das Bistum von seiner Absicht, die Kirchengemeinden aufzulösen, nicht abweichen, plant die Initiative, notfalls den Klageweg zu beschreiten.“
Die Pfarreiengemeinschaft Grafschaft rüste sich im wahrsten Sinn des Wortes schon seit einiger Zeit hinsichtlich des vermutlich bevorstehenden Wandels. Das äußere Zeichen seien die Gerüste in und an den Kirchen und Kapellen. Pfarrer Burg und die Verwaltungsräte hätten sich zum Ziel gesetzt, die erforderlichen Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen der Grafschafter Gotteshäuser noch rechtzeitig auf den Weg zu bringen. „Welche Auswirkungen die Synodenumsetzung in seelsorgerischer Hinsicht haben wird, vermag derzeit niemand zu sagen.“ Wichtig sei nur, dass alle, die sich bisher in den Pfarreien engagiert hätten, auch künftig bereit seien, sich einzubringen und mitzuhelfen. Sie hoffe, „dass wir uns in der Grafschaft die Gemeinschaft mit der bunten Vielfalt, die Mischung von Altem und Neuem bewahren können. Eine Vielfalt, die lebendig ist, die von ihnen, von uns als Gemeinschaft mit Leben gefüllt und getragen wird.“
JOST
