Neulich vor der geschlossenen Bank
von Gregor Schürer
Neulich wollte ich in Heimersheim zur Bank. Also nicht an den Automaten, sondern in die Bank hinein, an den Schalter. Ich stand vor verschlossener Tür. Denn die dortige Filiale der Kreissparkasse hat an fünf von sieben Tagen zu. Nur am Dienstag und Donnerstag hat sie auf, vormittags jeweils für drei Stunden. Etwas besser sieht es bei der Filiale der Volksbank aus, die hat immerhin an drei Vormittagen von neun bis zwölf und an zwei Nachmittagen von vier bis sechs auf, das ergibt sagenhafte 13 Stunden pro Woche. Aber nicht mehr lange, denn diese Filiale wird Ende März schließen. Aller Protest dagegen, von Kunden, von Geschäftsleuten, vom Ortsbeirat, war nutzlos.
Als Grund gibt man gebetsmühlenartig immer dieselben Motive an: Die Nutzer würden die Automaten bevorzugen, wegen der zunehmenden Digitalisierung kämen immer weniger Besucher, eine so niedrige Auslastung sei personalkostenmäßig nicht mehr vertretbar.
Einmal abgesehen davon, dass Kosten als Totschlagsargument stets unwiderlegbar sind - was soll man dagegen schon einwenden - muss man an dieser Stelle aber einmal die Frage nach Ursache und Wirkung stellen. Denn die Tatsache, dass man seine Bankgeschäfte zunehmend selbst, an einem Automaten oder zu Hause erledigt, war keineswegs die Idee der Verbraucher. Sie ist auf dem Mist der Banken gewachsen.
Ich erinnere mich gut: Als die Gebühren für ein normales Konto stiegen und die Kunden dies monierten, wurde man von den Kreditinstituten förmlich gedrängt, Online Banking zu machen, anfangs geködert mit null oder geringen Kosten.
Also sind die Bankkunden wohl oder übel umgestiegen, um Geld zu sparen. Und das macht man ihnen jetzt zum Vorwurf nach dem Motto: Filiale brauchen wir keine, machen die Leute ja alles selbst? Und wenn diese Geschäftsstelle dann auch noch nur stundenweise aufhat, wird man zusätzlich der Möglichkeit beraubt, sie aufzusuchen. Das soll Kundennähe sein, auf die gerade die örtlichen Anbieter immer so stolz waren?
Es sei an dieser Stelle an den früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck erinnert. Das politische Motto des populären Landesvaters war „Nah bei de Leut“. Und nah heißt zum einen örtlich nah und zum anderen nah am Kunden, also im persönlichen Gespräch. Mit Öffnungszeiten, die für alle passen, vom Ladeninhaber bis zum Rentner, von der Laufkundschaft bis zu den Berufstätigen, die tagsüber keine Zeit haben. Das wäre ein bewusst gewählter Standortvorteil und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber irgendwelchen
x-beliebigen Internet- oder Großbanken.
