Das Kulturdenkmal von 1582 ist vom zunehmenden Straßenverkehr mehr als gefährdet
Noch steht das Hagelkreuz am Straßenrand
Kottenheim. Ein sogenanntes Hagelkreuz, was ist damit gemeint, welche Bedeutung hatte es für unsere Vorfahren und warum haben sie es errichtet? Unser so bezeichnetes Kreuz im Osten der Gemarkung hatte möglicherweise schon Vorgänger. Oft standen solche Male in allen vier Himmelsrichtungen. Bereits 1534 wird ein „Haell-Crutz“ urkundlich erwähnt. Hagelfeiern, ein Brauchtum, welches schon 1296 als „hagelvire“ genannt wird, geht auf die Wurzeln des Wetterzaubers zurück. Die Hagelfeier war bis zum 19. Jahrhundert auch im Voreifelraum gebräuchlich; sie war ein Festtag mit strengem Arbeitsverbot. Solche Feiern wurden bis zu viermal im Jahr wiederholt. Diese Einleitung soll den Ursprung des ältesten noch vorhandenen Flurkreuzes verdeutlichen. (Themenvertiefender Quellenhinweis: Heimatbuch Mayen-Koblenz 1993, S. 75 ff.)
Gefährdung des Kreuzes
Nun zur erwähnten Gefährdung dieses Kreuzes durch den Straßenverkehr. Als im Zuge der neuen Verkehrsstrasse - B 262 - zwischen den Autobahnen A 48 und A 61 auch der Feldweg von Kottenheim nach Thür befestigt wurde, stand das Kreuz noch mehr oder weniger unbeachtet am Wegesrand. Als jedoch die Bebauung in der Thürer Straße fortschritt und der Verkehr über diese relativ schmale Verbindungsstraße von und nach Thür zunahm, wurden sowohl in der Nachbargemeinde als auch bei uns 1991 verkehrshemmende oder beruhigende bauliche Maßnahmen durchgeführt. Zwei Inseln hemmten den ein- und ausfließenden Verkehr, was grundsätzlich ja eine positive Maßnahme war, insbesondere für die Anwohner der Thürer Straße. Nur, die Inseln wurden m. E. falsch angelegt, sodass jeglicher Verkehr auf das Hagelkreuz regelrecht zugeführt wird. Es hat fast den Eindruck, als sei das Kreuz Teil der Verkehrsberuhigungsmaßnahme. Spuren am Straßenrand unmittelbar vor dem Hagelkreuz zeigten deutlich auf, dass so mancher Fahrzeugführer nur ganz knapp am basaltsteinernen Denkmal vorbei kam. Mehrere Hinweise auf die Gefahr des Umgefahren-werdens zogen bis heute keine entsprechenden Änderungen nach sich.
Die Betonung in der Überschrift liegt auf dem Wort „noch“, denn kürzlich war es fast so weit. Es wurde nämlich festgestellt, dass das in drei alten Mühlsteinen befestigte Hagelkreuz offenbar durch ein größeres Fahrzeug (Lkw oder landwirtschaftliche Zugmaschine) in Richtung Feld verschoben worden ist. Guido Walter, Vorsitzender des sich um Kulturdenkmale kümmernden Vereins „Junker-Schilling-Kottenheim e. V.“ brachte mit fachmännischer Unterstützung des Thürer Diplom-Restaurators Olaf Pung das Flurkreuz wieder in seine alte Position. Zum Schutz des alten Kreuzes wäre es dringend notwendig und angebracht, wenn seitens der Gemeinde alsbald eine wirksame Sicherung erfolgen könnte.
Franz G. Bell
Das Hagelkreuz von 1582 an der Straße nach Thür.
