Nürburgring-Sammler aus Leidenschaft
Im Rahmen der Recherche für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ hat Motorsportjournalist Klaus Ridder Kurt Schumacher in Müllenbach besucht, der alles sammelt, was mit dem Nürburgring zu tun hat
Im Rahmen der Recherche für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ hat Motorsportjournalist Klaus Ridder Kurt Schumacher in Müllenbach besucht. Schumacher sammelt so alles, was mit dem Nürburgring zu tun hat.
Müllenbach ist ein Ort südlich des Nürburgrings – da ist die Welt noch in Ordnung. Im Winter ist, wie überall in der Eifel, „tote Hose“. Vom heutigen Nürburgring ist man etwa vier Kilometer entfernt, früher war das mal anders, da lag der Ort direkt an der Südschleife und die berüchtigte „Müllenbachkurve“ hatte es in sich.
Motorsport im Schaufenster
Mitten im Ort eine Kirche, man ist gut katholisch und feiert natürlich auch Karneval.
In der Kirchstraße, die von der Hauptstraße in der Ortsmitte links abgeht (vom Nürburgring kommend), ist links ein Friseurgeschäft und auffallend daran ist die Schaufensterdeko: Rennwagen und Siegerschleifen.
Frisieren und sammeln
Kurt Schumacher sammelt so alles, was mit dem Nürburgring zu tun hat. 2015 war Klaus Ridder mit ihm unterwegs nach Pforzheim. Schumacher kaufte bei Gisela Herbsrith, der Tochter des Nürburgringerbauers Dr. Otto Creutz, das Gästebuch ihres Vaters, in dem berühmte Gäste wie Rudolf Caracciola (Gewinner des ersten Rennens auf dem Nürburgring und dreimaliger Europameister) oder der berühmte Eifelmaler Fritz von Wille sich verewigt haben. Wenn Fritz von Wille zu Gast war, zeichnete er immer etwas in das Gästebuch, einen Rennwagen, eine Landschaft oder auch einen Weihnachtsgruß.
Kurt Schumacher stellte auch seine erworbenen Exponate der Nürburgring GmbH zur Verfügung. Leider ist wohl manches davon in dem Wirrwarr nach der Kafitz-Ära abhanden gekommen.
Eigentlich ist Kurt Schumacher Friseur, aber seine wahre Leidenschaft gilt der Nordschleife und dem Sammeln. „Ich bin verrückt, ein ‚Workalkoholic‘“ ,sagt er von sich selbst. „Einfach ein paar Dinge sammeln ist keine Kunst. Sie müssen zusammenpassen, eine Geschichte erzählen.“ Und Schumacher ist Perfektionist. Seit vielen Jahren ist Schumacher der „Archäologe“ des Rings. Sein Talent, Relikte aus längst vergangenen Zeiten aufzuspüren, spricht sich herum. Viele Menschen rund um den Nürburgring haben oftmals noch etwas in der Schublade und bringen es zu Kurt Schumacher, weil sie wissen, dass es dort gut aufgehoben ist und der Nachwelt erhalten bleibt.
Der langjährige Geschäftsführer des Dorint Hotels Josef More` bat ihn einst, eine Sammlung für die Hotelbar ‚Cockpit‘ zu beginnen – und die Hotelbar ist mittlerweile so voll, dass viele Exponate sogar unter der Decke kleben. Dabei ist auch ein uniformierter Nürburgringmitarbeiter mit einer Geldtasche und einer runden Blechdose, die die aufgerollten Eintrittskarten enthielt. So bleiben diese einmaligen Anschauungsstücke der Nachwelt erhalten und die Barbesucher staunen.
Sohn Tim sammelt Autogramme
Angesteckt vom Vater wurde auch der Sohn Tim, er ist heute Bänker und immer noch Ferrari-Fan. Immer, wenn ein Formel 1-Rennen auf dem Nürburgring stattfand, war der Sohn im Dorint Hotel und hat auf die Fahrer aufgepasst. Vom gleichnamigen Michael Schumacher hat er Autogramme – aber auch von anderen Formel 1-Rennfahren wie Jean Alesi , Mika Häkkinen oder Fernando Alonso.
Kurt Schumacher sammelt nicht nur selbst, sondern verschenkt auch gerne Exponate, die er doppelt hat oder nicht in seine Sammlung passen – so bekam Ridder beim letzten Besuch ein Buch von Manfred v. Brauchitsch und eine Postkarte von Rudi Altig auf der Nordschleife. Übrigens, Rudi Altig ließ sich vom Müllenbacher Friseur auch schon die Haare schneiden, da war Kurt Schumacher aber noch in der Ausbildung bei einem anderen Friseurmeister in Andernach.
Resümee
Viele Menschen am Nürburgring haben noch etwas vom Nürburgring in der Schublade. Es wäre schade, wenn es für die Nachwelt verloren geht. Bei Kurt Schumacher sind solche Exponate und Bilder gut aufgehoben.
Geschichten und Bilder gesucht!
Autor Klaus Ridder sucht für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ weitere Zeitzeugen sowie Geschichten und Bilder aus alten Nürburgring-Tagen, hier insbesondere von dem ersten Nachkriegsrennen 1947. Kontakt: Klaus Ridder, Tel.: (0049) 2241 1201863, Email: gefahrgutridder@t-online.de. Weitere Infos online auf www.motorsportridder.de und www.klaus-ridder.de.
Klaus Ridder
