Freundeskreis Neuwied-Matara e. V. fördert Kinder der wirtschaftlich schwächsten Familien im Süden Sri Lankas
Nur Bildung und Ehrgeiz ebnen Weg für die Zukunft im eigenen Land
Neuwied/Sri Lanka. Seitdem die großen Spenden ausbleiben – der Tsunami ist über 13 Jahre vorbei – setzt der Freundeskreis Neuwied-Matara e. V. darauf, den wirtschaftlich schwächsten Familien rund um das Anura College in Matara im Süden Sri Lankas, wo er seit Sommer 2005 tätig ist, in der Form zu helfen, dass möglichst viele Kinder gefördert werden, Schulabschlüsse machen, Berufe erlernen oder im besten Fall auch studieren können. Auch wenn offiziell nicht über Kasten gesprochen wird, finden sich die meisten Menschen fast fatalistisch damit ab, die Situation zu akzeptieren, in die sie hineingeboren wurden. Auf den unteren Stufen dieser Hierarchie muss man strampeln, um wenigstens für die Kinder mehr herauszuholen. Und das wollen die meisten dieser Eltern, obwohl das System es ihnen nicht einfach macht. Kostenpflichtige Förderkurse am Nachmittag, die auf die landesweiten Prüfungen vorbereiten, muss man sich leisten können.
Hier kommen die Patenschaften des Freundeskreises zum Tragen, die Kinder aus prekären Verhältnissen genau diese Teilnahme ermöglichen. Auch Medizin, Kleidung, Schulmaterialien können damit leichter bestritten werden.
Die Schicksale
Die Einzelschicksale sind herzerweichend, wie die 2. Vorsitzende Edeltrud Pinger auf ihrer 17. Reise im Juli wieder erfahren konnte:
Da ist die Zehntklässlerin, deren Mutter letzten Herbst verhungert ist und der gelähmte Vater im Rollstuhl auch vor kurzem verstarb. Nachbarn nahmen das Mädchen auf, der große Bruder versucht neben dem Fachhochschulbesuch zu arbeiten, um zum Lebensunterhalt beizusteuern.
Da sind die fünf Mädchen, deren Mutter letztes Jahr durch einen Stromschlag umkam, wobei das Haus durch den Brand unbewohnbar wurde. Bekannte stellen eine einfache Behausung zur Verfügung, wo die 17-Jährige als Älteste die Mutterrolle übernimmt und sich mit der 13-jährigen Schwester mit dem Schulbesuch abwechselt, um die zwei Jüngsten (2 und 4 Jahre) zu betreuen, um zu kochen, zu waschen…, während der Vater als Maurer ganztägig arbeitet und versucht, das Geld für Lebensunterhalt und die Renovierung zusammenzubekommen.
Da ist die junge Familie mit fünf Kindern, die mit Hilfe eines Regierungsprogramms ein kleines Haus bauen konnte, an dem vorbei jetzt eine Pipeline gelegt wurde und bei jedem stärkeren Regen das Haus überflutet und damit unbewohnbar wird. Verantwortung übernimmt niemand. Das jüngste Kind, eine Frühgeburt, ist mit nun 15 Monaten schwach wie ein sechsmonatiges Baby, das noch nicht krabbeln, geschweige denn laufen kann. Hier braucht es Sondernahrung und immer wieder ärztliche Betreuung. Wohnen können sie nun bei den Eltern, wo sieben zusätzliche Personen Platz finden müssen, der natürlich kaum gegeben ist. Mutter und Baby schlafen in dem einen noch vorhandenen Bett, der Vater und vier Geschwister auf Kokosmatten im Wohnraum auf dem harten Fußboden. Edeltrud Pinger kaufte spontan drei Matratzen, die morgens weggeräumt werden können und das harte Liegen doch etwas erleichtern.
Da sind Mutter, Sohn (5) und Tochter (13), die zwischen Plastikplanen und halben Mauern auf einer Baustelle leben, die der Vater nicht fertigstellen konnte, da er vor zwei Jahren an Nierenversagen starb. Notdürftig überdacht, ein paar nackte Kabel, die Strom für Lampen und die Nähmaschine liefern, mit der die Mutter ein paar Rupien verdienen kann, inmitten von wenigen anderen Möbeln,….wohnlich sieht anders aus, und die Gefahr eines Kurzschlusses mit Brandpotential schwebt über allem. Den Bauplan und Kostenvoranschlag von vor zwei Jahren gibt es noch: knapp 900 000 Rupien = ca. 5000 Euro könnten den Bau zu Ende bringen, aber die sind bei weitem nicht da!
Da ist die fünfköpfige Familie auf knapp 10 Quadratmetern, auf denen ein großes Bett, Tisch, 2 Stühle, Schrank, Regal und ein paar Spielsachen Platz finden. Gekocht, gewaschen, etc. wird in einem improvisierten Vorraum. Die Gastfreundschaft ist beeindruckend. Skurril wird es, als der 14-Jährige aus dem vollgepfropften Schrank einen Geigenkasten nimmt, auspackt und den Besuchern sein bescheidenes Können stolz vorspielt. Dank sei der Tante in Colombo, die ein sicheres Einkommen hat und dem Neffen das Instrument wie auch die Übungsstunden finanziert. Auch solche Gegensätze lassen sich vereinbaren und rufen ungläubiges Staunen hervor.
Da ist ein Fall von brutaler häuslicher Gewalt, was vielleicht zu ahnden ist, weil die Mutter klugerweise im Krankenhaus war und die Verletzungen dokumentiert wurden. Sie traut sich nicht mehr nach Hause und hat Angst um ihre Tochter Theesha, die mir von außen ihr Haus zeigt, aber nicht wagt hineinzugehen, auch wenn der Vater gerade nicht da ist. Die beiden wohnen jetzt bei einer Lehrerin, die sie bis zur Scheidung beherbergt und beköstigt. Aber was ist danach? Diese Beispiele ließen sich endlos fortführen und machen deutlich, dass nicht die ganze Welt gerettet, aber an vielen Stellen ganz gezielt geholfen werden kann. Diese Eltern und auch schon ihre Kinder verstehen sehr wohl, dass sie eine bessere Chance haben, wenn das monatliche Patengeld eine gezielte Förderung möglich macht. Damit wachsen der Wille, der Ehrgeiz und vor allem die Möglichkeit auf mehr schulischen Erfolg, der nur Vorteile bringen kann. Die dankbaren Briefe an die deutschen Paten machen es deutlich.
Der Freundeskreis Neuwied-Matara e. V. würde gerne noch mehr bauliche Verbesserungen an der Schule begleiten, um dadurch allen Schülern aus diesem ärmlichen Umland bessere Chancen zu eröffnen, doch dafür braucht es mehr Spenden. Auch mehr Paten für die extremen Einzelfälle wären von Nöten und Nutzen, die sich einige Jahre auf dieses anspruchsvolle aber lohnende Projekt einlassen.
Spenden
Mehr Info unter www.tsunami-kinder-matara.de; Email an sl-matara@gmx.com; Spenden gerne über die Bankverbindung IBAN: DE58574501200030041800 (Spendenquittung selbstverständlich).
Theesha möchte nicht mehr zurück in diese Bruchbude zu ihrem gewalttätigen Vater.
