Am Karnevalssamstag eroberten die Narren das Rathaus
OB Jan Einig nach nur drei Monaten im Amt abgesetzt
Neuwied. „Ein bisschen länger als drei Monate hatte ich mir meine Amtszeit schon vorgestellt“, sagte Jan Einig. Soeben war Neuwieds neuer Oberbürgermeister von Sascha Faber in Handschellen und Fußketten gelegt worden. Der Generalfeldmarschall hatte seine närrischen Truppen einmal mehr erfolgreich in die Schlacht um die Macht in der Stadt geführt. Das alljährliche Spektakel vor dem historischen Rathaus in der Pfarrstraße hatte am Karnevalssamstag wieder etliche Neugierige auf die Straße gelockt. Sie mussten mit ansehen, wie Jan Einig das Vermögen der Stadt an die Karnevalisten aushändigte. Viel zu bedauern gab es allerdings nicht, der Stadtsäckel war alles anders als prall gefüllt. In Ermangelung eines aktuellen Prinzen, in den nächsten beiden Sessionen sieht es wieder besser aus, nahm Festausschuss Präsident Gerd Schanz den symbolischen Schlüssel für das Rathaus in Empfang. Für alle sichtbar wehte die weiße Flagge aus dem Fenster. Ganz kampflos hatte sich der Oberbürgermeister allerdings nicht ergeben. Mehrmals konnte die Ehrengarde der Stadt Neuwied, darunter Stadtvorstandskollege Michael Mang, die Angriffswellen wieder in Richtung Rhein zurückschlagen. Mit dem Amtsschimmel, eigentlich eher ein Symbol für die Trägheit der Beamten, hatte die Ehrengarde eine neue Verstärkung in ihren Reihen. Da hatte wohl jemand Angst um seinen Job.
Verhandlungen gescheitert
Vor dem Kampf hatte es Verhandlungsversuche gegeben, die aber allesamt scheiterten. Begonnen hatte das Spektakel beim Ball der schwarzen Ganoven. Hier hatten die Kommandeure der einzelnen Vereine nochmals letzte Details des Angriffsplans besprochen. Vom food-Hotel aus ging es mit viel Musik und Tam-Tam durch die Neuwieder Innenstadt, damit auch der letzte erfuhr, was die Stunde geschlagen hatte. Am historischen Rathaus angekommen, stand erst einmal die Vereidigung der Truppen auf dem Programm. Der freudigen Erwartung des Sieges gewiss zitierten die Karnevalisten die närrischen Paragrafen, die bis Aschermittwoch den Tagesablauf bestimmen. Generalfeldmarschall Sascha Faber schritt die bunten närrischen Truppen ab und nahm die Treueschwüre entgegen. Den göttlichen Segen stellte Weihbischof Gerd Schanz sicher. Er segnete die verschiedenen Neuwieder Garden mit Weihwasser. Es war nicht so, dass auf beiden Seiten keine Gesprächsbereitschaft existierte. Doch sämtliche Verhandlungsversuche vom Kommandeur der Ehrengarde blieben ergebnislos. Sehr zur Freude der Zuschauer, denn so nahm die Konfettischlacht ihren Lauf. Auf beiden Seiten donnerten die Kanonen und buntes Papier rieselte durch die Luft. Zwar hatte die Ehrengarde mit der dicken Berta das stärkste Geschütz ins Feld geführt. Der Enthusiasmus der Funkenmariechen aus den närrischen Garden war der Entschlossenheit der Ehrengarde aber überlegen. Nachdem die Säbel rasselten, durchdrangen die bunten Garden den Abwehrriegel und verhafteten die Führung der Verteidiger. Dann dauerte es nur noch wenige Minuten, bis Oberbürgermeister Jan Einig um 14.11 Uhr für abgesetzt erklärt wurde. FF
Die Karnevalisten feiern den erfolgreichen Rathaussturm gemeinsam.
Notgedrungen rückt OB Jan Einig den Schlüssel und den Stadtsäckel an FA-Präsident Gerd Schanz raus.
