Allgemeine Berichte | 05.10.2018

Experiment des Labors für Experimentelle Archäologie (LEA) am Mayener Grubenfeld

Öffentlicher Keramikbrand nach antikem Vorbild

Forschungsexperiment 2016: Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland beobachten den Brennverlauf.

Mayen. Am 10. Oktober brennen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Labors für Experimentelle Archäologie (LEA) Keramik in einem rekonstruierten Ofen der Mayener Großtöpfereien aus der Zeit um 500 nach Christus. Nach bereits umfangreich erfolgten Tests zur Leistungsfähigkeit und Energieeffizienz der Ofenkonstruktion steht nun die Eignung für den Brand großer Speichergefäße für Handels- und Gewerbezwecke im Fokus. Geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, den Brand zwischen 9 und 22 Uhr zu besuchen. Auch wird es die Möglichkeit geben, Gefäße aus vorangegangenen Versuchsbränden käuflich zu erwerben.

Die Mayener Töpfereien hatten in der antiken und mittelalterlichen Industrielandschaft zwischen Andernach und Mayen eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Doch trotz vieler Rekonstruktions- und Keramikbrennversuche existieren bis heute von keinem größeren antiken oder mittelalterlichen Töpfereistandort in Mitteleuropa solide Leistungsdaten zu verschiedenen Ofentypen. Das nahm das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) 2014 zum Anlass und fertigte in Kooperation mit der Fachschule Keramik in Höhr-Grenzhausen die Rekonstruktion des Brennofens aus der Zeit um 500 n. Chr.

Experiment zu Stärken und Schwächen antiker Produktionsanlagen

Zwischen 2014 und 2016 unterzogen Archäologen und Töpfereiexperten den Schachtofen bereits umfangreicher Tests, um die Stärken und Schwächen dieser antiken Produktionsanlage für die Herstellung der Mayener Exportwaren zu ermitteln. „Nun wollen wir die Eignung dieser Ofenkonstruktion für den Brand von Großgefäßen für Handels- und Gewerbezwecke testen. Wie uns aus Forschungen bekannt ist, bestand eine große wirtschaftliche Nachfrage. Die Mayener Töpfer hatten sich jedoch auf kleinformatigere, hitzebeständige Küchenkeramik konzentriert“, wie Laborleiter Dr. Michael Herdick erläuterte.

Weiterbildung für Studierende der Fachhochschule Keramik in Höhr-Grenzhausen

Im Rahmen einer Projektwoche an der Fachschule Keramik in Höhr-Grenzhausen stellten die Archäotöpferin Anna Axtmann und der Forschungsstipendiat Gregor Döhner (beide LEA) den Teilnehmerinnen ihrer Arbeitsgruppe die Gestalt antiker Vorratsgefäße (Pithoi) vor und halfen ihnen bei der Umsetzung in ihre eigene, moderne Formensprache. Einige dieser Großgefäße werden am 10. Oktober in den Brennraum mit eingesetzt. Für die Töpfer die Gelegenheit, Erfahrungen mit dem Holzofenbrand sammeln zu können, der in der Ausbildung in der Regel nur am Rande behandelt werden kann, aber immer noch besondere Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung bietet.

Wissenschaft im Vulkanpark

Durch seine besondere Quellenlage bietet der Vulkanpark beste Voraussetzungen zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit frühen Industrielandschaften. Aufgrund der internationalen Bedeutung der Vulkanpark-Denkmäler haben der Landkreis Mayen-Koblenz und das RGZM am Standort Mayen eine Forschungsstelle Vulkanpark eingerichtet. Dort sind die Kompetenzbereiche „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“ sowie „Experimentelle Archäologie“ des RGZM zu Hause, in denen Wissenschaftler/-Innen aus den Bereichen Archäologie und Geowissenschaften arbeiten. Ihre Studien zu vormodernen Industrierevieren sind ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsfeldes „Wirtschaft und Technik“ am RGZM. Ständige Partner in Wissenschaft und Forschung sind die Universitäten Mainz, Trier und Köln, die Hochschule Mainz, das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz sowie die Fachschule Keramik in Höhr-Grenzhausen. Pressemitteilung

Römisch-Germanisches

Zentralmuseum, Labor für

Experimentelle Archäologie (LEA)

Unter Anleitung von Archäologen und Archäotechnikern des RGZM erhalten Studierende eine Einführung in die Entwicklung von Experimentaldesigns zur Erforschung antiker Arbeitstechniken. Fotos: RGZM.

Unter Anleitung von Archäologen und Archäotechnikern des RGZM erhalten Studierende eine Einführung in die Entwicklung von Experimentaldesigns zur Erforschung antiker Arbeitstechniken. Fotos: RGZM.

Die Arbeits- und Forschungsprozesse werden soweit wie möglich auch dem interessierten Publikum zugänglich gemacht. Die Einbettung des Kompetenzbereiches in die Vulkanparkstation „Mayener Grubenfeld“ schafft dafür ideale Voraussetzungen.

Die Arbeits- und Forschungsprozesse werden soweit wie möglich auch dem interessierten Publikum zugänglich gemacht. Die Einbettung des Kompetenzbereiches in die Vulkanparkstation „Mayener Grubenfeld“ schafft dafür ideale Voraussetzungen.

Forschungsexperiment 2016: Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland beobachten den Brennverlauf.

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