Allgemeine Berichte | 04.05.2020

Kontaktkreis Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Unkel

Ohne Deutschkenntnisse geht nichts

Ein spezieller Deutschkurs mit paralleler Kinderbetreuung half geflüchteten Frauen weiter

Beim Integrationskurs wird auch eine Kinderbetreuung angeboten.

Rheinbreitbach. „Ohne Deutschkenntnisse brauchen wir dauernd Hilfe und sind nicht in der Lage, etwas alleine zu erledigen. Wir können keinen Integrationskurs besuchen. Bitte macht etwas für uns!“ Diese Bitte hörte das Team des Kontaktkreises Flüchtlinge, einem offenen ökumenischen Netzwerk, bei zahlreichen Gesprächen.

Tatsächlich haben Frauen mit Kleinkindern ohne Tagesstätten-Platz beim Kontaktkreis Flüchtlinge in der VG Unkel keine Chance, einen Integrationskurs zu besuchen, weil dort keine Kinderbetreuung angeboten wird. Kurse dieser Art sind in Deutschland sehr dünn gesät. Selbst wenn die Kinder halbtags einen Kindergarten- oder Grundschulplatz haben, reicht die Zeit nicht aus, um einen halbtägigen Integrationskurs zu besuchen.

Das Verstehen und Beherrschen der deutschen Sprache ist jedoch – da sind sich Fachleute einig – der Schlüssel zum Hineinwachsen in die deutsche Gesellschaft. Solange dies nicht geschieht, bleiben die Frauen isoliert in ihrer eigenen Ethnie, sind auf die Hilfe von Familienangehörigen angewiesen. Starke Gründe für den Kontaktkreis, nach Möglichkeiten für einen Kurs, zugeschnitten auf die Bedürfnisse unserer Frauen, zu suchen.

Alleine schaffen wir das nicht: zahlreiche starke Kooperationspartner unterstützten das Vorhaben

Mit Hilfe spezifischer Landesmittel der Kreis-VHS konnte die Basis-Finanzierung für den Kurs: Bezahlung einer Lehrkraft und einer Betreuungs-Fachkraft für 50 90- minütige Unterrichtseinheiten gesichert wurde. Sie wurden auf drei Kursphasen mit jeweils zwei Unterrichtstagen pro Woche verteilt.

Dies alleine würde – das zeigten die Anmeldungen für den Kurs – nicht reichen. So viele Kinder (man musste mit 15 – 20 Frauen und 12 bis 15 Kindern vom Babyalter bis zu zweieinhalb Jahren rechnen) kann eine Fachkraft nicht alleine betreuen. Der Bluhm Fonds der Firma Bluhm Systeme in Rheinbreitbach war bereit, eine zweite Betreuungskraft für die Kinder zu finanzieren. Er hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder das Deutschlernen von Geflüchteten unterstützt, z.B. durch die Finanzierung eines speziellen Deutschkurses für Auszubildende oder zur Vorbereitung von Sprachprüfungen.

Das Pfarrheim Sankt Pantaleon Unkel und die Verbandsgemeinde Unkel waren bereit, die Räume und Material für die Durchführung des Kurses und die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen.

Doch damit alleine war es noch nicht getan: Ein großer Teil der angemeldeten Frauen und ihre Kinder kamen aus Erpel und Rheinbreitbach. Der Transport vieler Frauen mit Kinderwagen und Kleinkindern war mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu bewältigen. So war es ein Segen, dass das Team des Bürgerbusses bereit und in der Lage war, einen Fahrdienst für einen Teil der Fahrten zu organisieren.

Lernen gemeinsam und in Untergruppen

Im April 2019 ging es bis zum Sommer mit der ersten Kursphase los und im Herbst bis zur Jahreswende mit der zweiten Kursphase weiter. Im Frühjahr 2020 sollte der Kurs Ende März 2020 zu Ende geführt werden. Aber leider kam das Ende mit der Corona-Pandemie bereits Mitte März – zum Bedauern aller Beteiligter.

Die Gruppe der Frauen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia, Armenien, Ägypten, Nigeria und Syrien blieb über den gesamten Zeitraum im Kern stabil. Einzelne Frauen schieden aus, weil sie nun doch einen Integrationskurs besuchen konnten. Dafür rückten andere Frauen von der Warteliste nach. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass dieser Kurs eine gute Sache ist und man dort weiterkommt. Dies ist Monika Mohr, eine erfahrenen Lehrkraft zu verdanken, die bereits viele Geflüchtete unterrichtet hat. Bereits vor dem Unterrichtsbeginn beriet sie die Teilnehmerinnen und beantwortete ihre Fragen.

Die Unterrichtsorganisation war nicht einfach angesichts des unterschiedlichen Kenntnisstands der Teilnehmerinnen, nicht nur im Deutschen. Es gab Frauen, die in der Heimat keine Schule besuchen durften, andere brachten ein Abitur mit. Unsere Schreibweise war den Frauen aus dem arabischen Sprachraum ebenfalls nicht geläufig. Dennoch wurden der Unterrichtsbeginn und das Ende gemeinsam gestaltet. Dabei sprach man über Themen des deutschen Alltags – vom Einkaufen, der Mülltrennung und dem Energieverbrauch über Arztbesuche bis zu kulturellen Unterschieden. Da wurden auch mal Karnevalslieder gesungen und es wurde geschunkelt.

Anschließend arbeiteten die Frauen in Untergruppen, je nach Leistungsstand und lernten es nach und nach, sich dabei gegenseitig zu unterstützen. Auch diese Form der kooperativen Arbeit war ihnen völlig fremd.

Und die Lernmethoden waren völlig ungewohnt für die Frauen. Die meisten kannten nur Frontalunterricht und Auswendiglernen. An der Tafel etwas aufzuschreiben, oder das Gelernte selbständig bei der Lösung von Aufgaben anzuwenden, löste bei ihnen zunächst Angst und Unsicherheit aus. Aber diese überwanden sie Schritt für Schritt.

Kinderbetreuung als Teil des pädagogischen Konzepts

Die Kinder sollten während der Unterrichtszeit nicht nur behütet, sondern gleichzeitig pädagogisch gefördert werden. Da waren sich Karin Rettelbach, eine erfahrene Pädagogin, die durchgängig die Kinder betreute sowie Sophie Laschewski, Stefanie Claes und Vanessa Buslei, die an jeweils einem Wochentag unterstützten, einig. Zum Förderkonzept gehörte, dass die Betreuerinnen die Mütter in ihre Arbeit einbezogen. Fast alle Frauen und Kinder waren es nicht gewohnt, sich voneinander zu trennen. Dies behutsam einzuleiten, war der erste und wichtigste Schritt. Nachdem Vertrauen von Kindern und Müttern aufgebaut war, konnten die Betreuungsfachkräfte Informationen und Tipps zu Themen wie Ernährung, Bewegungsförderung, altersgeeignetes Spielzeug usw. geben. Mit den Kindern wurde Deutsch gesprochen und es war zu bemerken, wie diese zunehmend auf die ihnen unbekannte Sprache reagierten.

Vertrauen und positives Lernklima

Die Frauen merkten sehr schnell, dass dieser Unterricht sie voran brachte und kamen sichtlich gern zum Deutschkurs. Durch die gemeinsame Arbeit zu Beginn und Ende des Unterrichts sowie die Arbeit in den länder-gemischten Gruppen lernten sie einander kennen, fassten Vertrauen zueinander. Dazu trug bei, dass ihr Engagement und ihre Lernbereitschaft im Unterricht gewürdigt wurde und es keinen Stress gab, besser als die anderen sein zu müssen. Ein solches Lernklima ohne Druck, Leistungsstress und Wettbewerb kannten diejenigen Frauen, die in der Heimat zur Schule gegangen waren, nicht. Und es tat ihnen gut, zu merken, dass jede von ihnen weiter kam.

Ähnlich war es bei den Kindern. Nachdem sie den Trennungsschmerz von der Mutter verwunden hatten und die Abläufe kannten, kamen sie mit Freude ins Spielzimmer und genossen es, mit dem angebotenen Material, den anderen Kindern oder den Betreuerinnen zu spielen. Wenn sehr viele Kinder anwesend waren, bezog man das Foyer des Pfarrheims für Bewegungsaktivitäten ein. Mit zwei Betreuerinnen war dies gut möglich.

Bilanz des Deutschkurses

Der Kurs fand Mitte März, der Corona-Pandemie geschuldet, ein jähes Ende. Monika Mohr, die Leiterin, zog eine positive Bilanz des Kurses. Jede Frau habe, gemessen an ihrem vorherigen Kenntnisstand, erhebliche Fortschritte gemacht. Einige Frauen seien jetzt in der Lage, sich gut zu verständigen und könnten ihre erste Sprachprüfung (A 2) auch ohne Besuch eines Integrationskurses ablegen. Die Frauen, welche nun einen Integrationskurs besuchen, kommen dort gut voran. Eine von ihnen hat bereits ihre B 1-Prüfung bestanden, die ein Schlüssel zur Arbeitswelt ist und bereits eine Arbeit gefunden.

Auch die Kinderbetreuerinnen gaben ein positives Feedback. Die Kinder seinen nun auf einem guten Weg, sich schnell in einem Kindergarten zurecht zu finden.

Wie geht es weiter?

Der Bedarf und das Interesse an einer Fortführung des Kurses ist weiterhin vorhanden. Dafür muss jedoch eine neue Finanzierung gefunden werden. Darum bemüht der Kontaktkreis Flüchtlinge sich derzeit und hofft, im Laufe des Jahres wieder starten zu können.

Pressemitteilung

Kontaktkreis Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Unkel

Sibylle Meyer

Koordinatorin in Rheinbreitbach

Beim Integrationskurs wird auch eine Kinderbetreuung angeboten.

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