Dritter Sonntag im September – Tag des Geotops
Olbrückberg zum Klingen gebracht
Niederzissen. Eingeladen hatten der Nationale Geopark Laacher See und die Deutsche Vulkano-logische Gesellschaft (DVG) - und rasch waren die zwanzig Plätze für Vulkanologie/Geologie/Mineralogie-Interessierte vergeben. Zum Teil von weit angereist, lernten die Besucher nicht nur die herrliche Vulkanregion kennen, sondern auch, was es mit dem „Klingstein“ genannten vulkanischen Phonolith auf sich hat. Zu Beginn lernte die Gruppe um Vulkanparkführer Walter Müller das wenig bekannte „Kempenicher Becken“ kennen und mit Blick auf Perlerkopf und Hannebacher Ley, was Melanitgranate und Hannebachite sind. Nach einem kleinen „Auf- und Abstieg“ nahe der Infotafel in den nur wenige Jahre betriebenen Steinbruch am Engelner Kopf durfte man neben den Einblicken in das Gefüge des einstmals dort abgebauten Phonoliths auch erfahren, wie und wohin der Abtransport erfolgte: per Seilbahn zum Gleis vier Riggert (1927) am Bahnhof Engeln. Nächstes Ziel war der Güterbahnhof Brenk. Anhand von Luftaufnahmen wurden der Schellkopf und der dortige Abbau dargestellt, denn ein Betreten des Abbaubereichs ist untersagt. Wie aus dem gebrochenen Gestein „Phonolithmehl“ entsteht, konnte durch die Einrichtungen vor Ort leicht erklärt werden, ebenso wie das „Pulver“ in Säcke und die Kesselwaggons der Brohltaleisenbahn gelangt.
Ein Blick durch das Mikroskop
Dr. Volker Reppke erklärte den Teilnehmern durch Vergleich der Handstücke das „mineralogische Innenleben“ des Engelner und des Brenker Phonoliths. Beide Phonolithe sind nahezu identisch. Daraus kann gefolgert werden, dass der Engeln-Kempenicher Phonolith irgendwann, wenn das Schellkopf-Vorkommen „erschöpft“ sein wird, durchaus für einen Abbau interessant sein dürfte. Die Nutzung des Phonolithgesteins ist meist auf die Verwendung als Schotter und Splitt beschränkt. Der Schellkopf-Phonolith hingegen ist wegen seiner hohen Alkali-Gehalte ein wichtiger Zuschlagstoff in der Glasindustrie.
Ein besonderes „Erlebnis“ war der Blick durch ein Mikroskop in das Phonolithgefüge. Phonolithe bestehen hauptsächlich aus Feldspäten und sogennanten Feldspatvertretern. Schaut man sich das makroskopisch dichte Gestein unter dem Mikroskop an, so offenbart sich ein sperriges Gefüge aus kleinen leistenförmigen Kristallen, teilweise mit größeren Einsprenglingen durchsetzt. Sind die Kristallleisten durch das Fließen des heißen Gesteins parallel angeordnet, zeigt der Phonolith plattige Ausbildungen. In einigen Vorkommen treten Blasenhohlräume auf, die mit schönen, bei Sammlern sehr begehrten Kristallen gefüllt sind, genannt seien Zeolithe und Kalzite - und der bei Sammlern weltweit begehrte „Regionalkristall“ Brenkit. Ein solches Mineral hatte Dr. Reppke neben anderen mitgebracht.
Nach der größten phonolithischen Quellkuppe, auch „vulkanischer Dom“ genannt, und dem wegen seines besonders hohen Alkaligehaltes „wirtschaftlichsten“ fuhr die lange Autoschlange danach zum „attraktivsten“, dem Olbrückberg, um auch dort den „Klingstein“ zu begutachten. Im Zuge des Wegebaus rund um den Olbrück-Dom hatte man den Berg „angeschnitten“ und dadurch das Gestein zugänglich gemacht. Rein optisch war sofort klar, dass hier der Chemismus und die Mineralogie anders sind. Der Alkaligehalt des Gesteins liegt weit unter dem der beiden zuvor besuchten Quellkuppen. Ein Glück für die Kuppe, der das Wahrzeichen des Brohltals aufsitzt. Zwei Besitzer der Burg nach 1912, denen es um den Berg und nicht um die Burg ging, hatten sich in der Qualität des Phonoliths „verkalkuliert“, sodass es zu keinem Abbau kam.
Phonolith, meist von graugrünlicher Farbe, nannte man wahrlich bis ins 18. Jh. hinein „Klingstein“. Schlug man mit einem Hammer gegen dünne Gesteinsplatten, so gaben diese einen hellen Klang von sich. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Phonolith für Lithophone (ein dem Xylophon ähnliches Instrument) genutzt wurde. Anstelle von Holzstäben wurden nur im Klang passende Gesteinsstücke verwendet. Was zuvor nicht klar erkennbar war, gelang hier am Olbrück-Aufschluss auf Anhieb. Als Walter Müller für die Teilnehmer mit seinem Geologenhammer Handstücke aus der Wand herausbrach, führte der Phonolith in wunderbarer Art und Weise vor, dass es wahrlich „klingen“ kann.
Pressemitteilung Zweckverband
Ferienregion Laacher See
Ein besonderes „Erlebnis“ war der Blick durch ein Mikroskop in das Phonolithgefüge.
