Verein Zehnthaus e.V.
Ordnung bei der letzten Reise
Wandel der Bestattungskultur im Rheinland unter preußischer Herrschaft
Swisttal-Odendorf. Der Wandel der Bestattungskultur im Rheinland unter preußischer Herrschaft war im Odendorfer Zehnthaus Thema des Vortrags der Kulturanthropologin Dr. Dagmar Hänel.
Die Referentin beschrieb die Bestattung als Übergangsritual, das den Hinterbliebenen deutlich machte, dass der Verstorbene in der Gruppe auf Dauer fehlen wird. Dieses Ritual folgte vor dem 19. Jahrhundert klar bestimmten Regeln, zu denen unter anderem die Aufbahrung in der Wohnung, die Totenwache und das Totenmahl zählten. Wichtig war der Ort der Beisetzung - der in der Gemeinde gelegene Kirchhof oder die Kirche selbst. Weniger bedeutend war hingegen die namentliche Bezeichnung des Grabes. Durch die Beerdigung in geweihter Erde blieb der Tote weiterhin Mitglied der Gemeinschaft.
Diese Vorstellung, hob Hänel hervor, begann sich Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Aufklärung und dem wachsenden Einfluss der Naturwissenschaften zu verändern. Der Vermutung, von den Toten könnten gesundheitliche Gefahren ausgehen, folgte - zunächst in Österreich und Frankreich - die Forderung, die Friedhöfe aus den Städten herauszulegen.
Mit den Preußen im Rheinland wurde das Ganze ab 1815 durch Gesetze fixiert. Es wurden Maßnahmen vollzogen, die die Bestattungskultur entscheidend verändern sollten.
Die Preußen kontrollierten das soziale Element der Bestattungsbräuche, so zum Beispiel die Totenwache. Die Bestattungsorte wurden vor die Städte verlegt und parkähnlich gestaltet. Am Beispiel des Kölner Melaten-Friedhofs beschrieb die Referentin, wie die Friedhöfe als ästhetische Orte angelegt wurden, als Räume, die auch der Besinnung und Erholung dienen sollten. Sie entwickelten sich, wie die prachtvoll ausgestatteten Grabmale zeigen, ebenfalls zu eindrücklichen Ausdrucksformen bürgerlicher Kultur. Hier ging es jetzt weniger um Religion als um die Darstellung der Wertigkeit, die man im Leben hatte.
