St. Aldegunder Senioren besuchten Fankel
Ortsgeschichte zum Anfassen
Der historische Dorfkern, insbesondere die Brunnenstraße, blieb weitgehend unverändert
St. Aldegund/Fankel. Nach langer Corona-Pause startete das Projekt „Senioren in Bewegung St. Aldegund“ zu seinem 37. kleinen Kulturausflug. Ziel war diesmal Fankel an der Mosel. Achtzehn Teilnehmer konnte Manfred Ostermann begrüßen, der wie kein anderer die Geschichte seiner Heimatgemeinde Bruttig-Fankel kennt. Im Rahmen der Moselkanalisierung veränderte sich das Ortsbild von Fankel ganz erheblich. Das Dorf lag mehrere hundert Meter vom Fluss entfernt. Wiesen und Sumpfgelände sowie Wassertümpel lagen zwischen Mosel und Dorf. Es gab sogar ein großes Bassin oberhalb des Dorfes für ausreichend Löschwasser. Die Entfernung zwischen Dorf und Fluss war einfach zu groß. Zwischen der heutigen Schleuse und dem alten Ortskern wurden erhebliche Flächen aufgeschüttet und damit Bauland erschlossen. So gab es Platz nicht nur für moderne Wohnhäuser, sondern auch für zahlreiche Hotels und Gästehäuser. Der historische Dorfkern, insbesondere die Brunnenstraße, blieb weitgehend unverändert und bietet heute dem Besucher eine „Freilichtmuseum“ mit zum Teil großzügigen und gut erhaltenen Winzer- und Herrschaftshäusern der vergangenen acht Jahrhunderte. Vorzeigeobjekt ist das noch erhaltene „Spielhaus“, das man heute meist als ehemaliges Rathaus bezeichnet, mit seinem schönen Festsaal. Das Haus steht weitgehend auf drei Torbögen, durch die heute noch der innerörtliche Verkehr fließt. Gleich benachbart steht die Filialkirche „Maria Himmelfahrt“. Vom Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert ist noch der spätromanische Turmschaft erhalten als Teil einer ehemaligen Wehrkirche.
Ein Erdbeben im Jahr 1356 zerstörte die Kirche. Auf deren Platz errichtete die Gemeinde Ende des 14. Jahrhunderts einen gotischen Neubau. Ein Gang über den Friedhof ist lohnend. Man findet dort eine Reihe großformatiger Grabplatten adeliger Bürger und zahlreiche Basaltkreuze mit Inschriften ab dem 14. Jahrhundert im Gedenken an die „einfache“ Fankeler Bürgerschaft. Nach gut zwei Stunden „Kultur-Erlebnis“ kehrte man in einem Gasthaus zu Essen und Trinken ein und fuhr anschließend mit vielen interessanten Eindrücken zurück nach St.Aldegund.
Gerhard Schommers
