Zukunft der Pallotti-Kirche

Pallottiner würden Kirche auch verschenken

Missionssekretär Pater Markus Hau wünscht Gespräche über realistische Konzepte

20.10.2020 - 14:29

Rheinbach. Bei den Rheinbacher Bürgern besitzt die Pallotti-Kirche einen hohen emotionalen Wert. Und entsprechend emotional wird die Diskussion geführt, wenn es um die Zukunft des Bauwerkes geht. Vergangene Woche berichtete BLICK aktuell über eine Schülerpetition, die den Abriss der Kirche verhindern soll. Pater Markus Hau, Missionssekretär der Pallottiner, hätte sich gefreut und auch erwartet, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit der Sachlage beschäftigt hätten. Denn diese sei sehr komplex und nicht auf das Thema „Abriss der Kirche“ zu reduzieren. Die Hintergründe seien schlicht anders, als es in der Petition dargestellt wurde: Denn die Provinzversammlung der Pallottiner hat bereits 2017 endgültig beschlossen, den Standort in Rheinbach aufzugeben. Fakt ist dabei, dass die Schule bislang noch vom Erzbistum genutzt wird. Sie wird dann im Laufe des Herbstes geräumt und anschließend abgerissen. Die Internate sind bereits abgerissen und das Gelände ist veräußert worden. Dort sollen moderne, bezahlbare Wohnungen und Häuser entstehen. „Dies ist eine Maßnahme, die für eine Stadt wie Rheinbach dringend notwendig ist und von der Stadt Rheinbach auch immer so gewünscht war“, erläutert Markus Hau. „Die auf dem Grundstück ansässige Marienkapelle bleibt dabei erhalten und ist im städtebaulichen Konzept der BPD Immobilienentwicklung integriert“, so der Missionssekretär. Mit dem Verkaufserlös des verkauften Geländes wird zudem ein Jugendzentrum in Nigeria gebaut. Damit führen die Pallottiner die Jugendarbeit, der sie in Rheinbach verpflichtet waren, auch in Afrika fort, wo die deutsch-österreichische Pallottinerprovinz Delegaturen in Nigeria, Malawi und Südafrika unterstützt. Mit dem Kirchengebäude selbst haben diese Entwicklungen nichts zu tun.



„Wir würden die Kirche verschenken, wenn das Nutzungskonzept stimmt“


Markus Hau stellt fest: „All dies betrifft das Gelände exklusive der Kirche und des Haupthauses, die bislang vom Verkauf nicht betroffen waren“. Da die Pallottiner sich 2021 endgültig aus Rheinbach verabschieden werden, soll nun das Haupthaus und die Kirche verkauft werden – von einem Abriss ist dabei jedoch noch nicht die Rede. Die Pallottiner haben sich zuvor intensiv damit beschäftigt, für die Kirche eine neue Nutzung zu finden, wie zum Beispiel als Kolumbarium – eine Urnenbegräbnisstätte. Auch dem Erzbistum Köln wurde angeboten, die Kirche zu übernehmen, was das Erzbistum aber abgelehnt habe. Ebenso habe die Stadt Rheinbach an der Übernahme der Kirche kein Interesse gezeigt. Wenn aber weder das Erzbistum noch eine andere kirchliche Gemeinschaft die Kirche tragen werden, kann sie laut Kirchenrecht nicht als Kirche, also als sakraler Raum, erhalten werden, erklärt Hau.

Die Pallottiner sind laut Pater Hau weiterhin offen dafür, die Kirche einem Interessenten für kirchliche, kulturelle oder gemeinnützige Zwecke zu überlassen. „Wir würden das Gebäude dann sogar verschenken.“ Voraussetzung dafür sei jedoch, dass ein inhaltliches und finanzielles Nutzungskonzept vorliege. „Denn die zu erwartenden Renovierungskosten werden recht umfangreich ausfallen“, betont Pater Hau. Dazu komme die Baulast und weitere Investitionen „Wenn ein Interessent an uns herantritt und uns gute Pläne für die Zukunft darlegen würde, verzichten wir auf den Verkaufspreis“, so Hau, der gebürtig aus Rheinbach stammt. Fakt ist jedoch, dass bisher kein Interessent ein solches Konzept vorlegen konnte.

Fest stehe nach der Absage aus Köln, dass die Kirche mit ihrem jetzigen Zweck nicht weiterbestehen kann. Wenn daneben keine weitere Nutzung finanziell und inhaltlich fundiert möglich ist, sei ein Abriss unabwendbar, fasst Markus Hau die komplexe Sachlage zusammen. Die Pallottiner sind sich indes bewusst, dass dies insbesondere auch für alle ehemaligen Schüler des Vinzenz-Pallotti-Kollegs einen schmerzlichen Verlust bedeutet. Auch mit den Vertretern des Vereins „VPK-Viel Platz für Kultur“ habe es eine Reihe von Gesprächen gegeben, die zu keinem Ergebnis führten.


Pallottiner bieten Gespräche an


Für einige Irritation sorgte eine Aussage der Schüler, dass sowohl die Pallottiner als auch die Schüler gemeinsam im Gespräch bleiben wollen. (vgl: „Schüler kämpfen für den Erhalt der Pallottikirche in Rheinbach - Petition brachte über 1.000 Unterschriften in zwei Tagen“ in BLICK aktuell 42/2020). „Die Schüler haben keinerlei Kontakt mit den Pallottinern aufgenommen, bevor sie die Petition gestartet haben, um sich über die Sachlage zu informieren“, betont Markus Hau. Dies sei schade, und nicht im Sinne der Pallottiner, die sich der Bedeutung des Bauwerks völlig bewusst sind. „Selbstverständlich sind wir jederzeit zu Gesprächen bereit“, richtet abschließend Hau sein Angebot an die Schüler. „Gerne erläutern wir alle Entwicklungen rund um die Kirche.“ ROB

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Kommentare
Gabriele Friedrich:
Das liest doch sowieso kein Mensch....
ich:
"Bitte beantragen die Briefwahlunterlagen in o.g. Fall nicht erneut über das Online-Portal beantragen. " Tolle Grammatik. Der Fehler würde selbst bei einmaligem Lesen lesen sofort auffallen....
juergen mueller:
Sie wiederholen sich Herr Hospen. Jedem steht das Recht zu, seine Meinung zu äussern, zu jedem Thema. Empfehle Ihnen, sich einmal näher mit der Materie Kirche, Zeugen Jehovas zu beschäftigen, anstatt Ihre offensichtlich ausgereifte Unwissenheit in beleidigenden Äusserungen kundzutun, die mir allerdings...
Karl Hospen:
@juergen mueller" Wenn sie selbst hier nichts zu meckern fänden, wären sie krank in ihrer tragisch komischen Opferwelt....
juergen mueller:
Was die Bibel glaubwürdig macht? NICHTS. Beantwortet hierzu wird auf dieser Versanstaltung überhaupt nichts, sondern man versucht nur, in Teilnehmende etwas hineinzusuggerieren, an das man selbst glaubt ohne dafür auch nur den geringsten Beweis vorzubringen. Kirche, Jehovas Zeugen mit Glaubwürdigkeit...
Casper:
Bei so einer Aussage ist der Shitstorm mehr als verdient. Und wird auch noch vorgeführt!!!...
Hildegard Jahn:
Die Bundesregierung sollte jegliche Zahlungen an NABU sofort dauerhaft einstellen. Die sind ideologisch verbohrt und überflüssig....
Daniel Fischer:
Das was NABU hier von sich gibt ist einfach nur lächerlich! Viele 10.000 Helfer kommen einfach und packen einfach an, egal ob die öffentliche Seite unterstützen kann oder nicht! Der NABU ist hier wohl hierzu nicht in der Lage - stattdessen wird die Verantwortung auf die ADD und andere abgeschoben, um...
 
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