Allgemeine Berichte | 22.06.2018

Architekt stellte seine Gewinner-Planung Marktplatz vor

Parkplatz wird Stadtplatz für Menschen

Der Bürgervertreter in der Jury, Hans-Jürgen Schmitz-Rech, hob die Vorzüge des Entwurfs hervor.

Neuwied. Der Marktplatz verändert sich von einem Parkplatz zurück in einen Stadtplatz für die Menschen. Ein Raum mit Aufenthaltsqualität zum Verweilen und Kommunizieren. Läuft alles nach Plan und kommen die Fördergelder vom Land wie erwartet, geht Bauamtsleiter Jörg Steuler vom Baubeginn im nächsten Jahr aus. Das Projekt hat ein Volumen von rund 940.000 Euro. Von einem „Paradigmenwechsel“ sprach Joachim Evers (RMB Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten) und brachte die Veränderungen in den historischen Kontext. Neuanfänge hatte es bereits im Jahr 1900 und zuletzt 1963, als der Marktplatz zum Parkplatz umfunktioniert wurde, gegeben. Joachim Evers stellte den Entwurf seines Büros vergangene Woche im Café Auszeit vor. Aus 16 Teilnehmern waren die Bonner als Sieger des Neugestaltungswettbewerbs hervorgegangen. Die Begeisterung für den neuen Marktplatz war nicht ungeteilt. Mehrere Bürger, darunter auch Jurymitglied Fred Kutscher, zeigten sich enttäuscht.

Nicht alle Bürger begeistert

Stein des Anstoßens waren die Lindenbäume, die der neuen Planung größtenteils zum Opfer fallen. Anders Jurymitglied Ulla Burchart. Obwohl die Neuwiederin vor Ort praktisch mit den Bäumen aufgewachsen ist, könne man sie im Sinne des guten Gesamtkonzepts durchaus in Frage stellen. Aber auch mit der stark reduzierten Anzahl der Parkplätze sowie der Gestaltung mochte sich nicht jeder anfreunden.

„Noch so ein großer leerer Platz“, monierte Martin Lenzen. „Geben sie dem Platz seine Zeit“, argumentierte Joachim Evers, überzeugt davon, dass sich vielfältiger Nutzen ergeben wird.

Platz braucht Zeit, bis Leben dort einkehrt

Petra Neuendorf sieht das ebenso. „Ich bin mir sicher, dass auf dem Platz Leben einkehren wird“, sagte die Chefin des Stadtmarketings und oberste Feste Planerin. Eingangs des rund zweistündigen abends hatte Oberbürgermeister Jan Einig darauf hingewiesen, dass natürlich nicht alle Wünsche berücksichtigt werden konnten, aber der Entwurf ein breites Meinungsbild widerspiegelt.

„Das Gesamtergebnis ist ein sehr guter Entwurf, bei dem wir über Kleinigkeiten noch diskutieren können. Der Marktplatz erfährt eine enorme Aufwertung. Er bietet viele Facetten und multifunktionale Flächen“, so Neuwieds Stadtchef. Bevor es ans Eingemachte ging, erklärte Moderator Roland Becker die Richtlinien des Planungswettbewerbs und den bisherigen Weg. Auf eine Onlinebefragung zum Marktplatz hatte vor gut einem Jahr ein Workshop mit über einhundert Bürgerinnen und Bürgern stattgefunden. Die Ergebnisse daraus waren den siebzehn teilnehmenden Architekturbüros als Vorgabe gemacht worden. „In Summe dürften die Büros wohl 500.000 Euro an Arbeitszeit investiert haben“, schätzte Friedhelm Terfrüchte aus Essen. Der Vorsitzende der Wettbewerbsjury gab einen Einblick, wie sehr die Jury gerungen hatte. Aus mehreren Wertungsgängen waren am Ende eines langen Tages neben dem Siegerentwurf zwei prämierte Planungen hervorgegangen. Zu der 20-köpfigen Jury zählten auch drei Bürger, die per Losentscheid ermittelt wurden. Sie hatten zwar kein Stimmrecht, diskutierten aber kräftig mit. Friedhelm Terfrüchte zeigte sich begeistert. Zum einen von dem Verfahren, dass die Stadt Neuwied unter Beteiligung einer engagiert mitarbeitenden Bürgerschaft gewählt hatte und zum anderen vom Ergebnis.

Eine „coole Adresse“

„Sie bekommen hier eine coole Adresse“, sagte der Juryvorsitzende und verwies auf mögliche Feste, Gastronomie und einem Aufenthaltsort für alle Generationen.

Joachim Evers stellte seine Planungen im Detail vor und verwies in Sachen Bäume auf eine mutige Entscheidung. „Das hätte auch das Aus in der ersten Runde für uns bedeuten können“. Letztendlich seien die Linden aber über die Jahre von den Autos zu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden und dem Tod geweiht. Eine sehr aufwendige Erhaltung stünde in keinem finanziellen Verhältnis. Nur einzelne Bäume zur Marktkirche hin, könnten erhalten werden aber insgesamt sei eine Neuanpflanzung von Bäumen gleicher Größe erforderlich. Die umliegenden historischen Fassaden kämen dadurch besser zur Geltung.

Parkplätze sollen reduziert werden

Die Planung von Joachim Evers sieht vor, die Zahl der Parkplätze von 133 auf 30 zu reduzieren und senkrecht an die Kirchstraße anzuordnen. Die Parkplätze werden vom Marktplatz mit Baumreihen abgegrenzt. Der Platz an sich wird bequeme Sitzbänke aufweisen und einen Brunnen, der das Spiel mit dem Wasser zulässt. Der Brunnen steht in einer Achse mit dem Portal der Marktkirche. Die Marktfrau wird auf die gegenüber liegende Seite Richtung Weinhaus Adams versetzt. Anders als bislang wird die Marktkirche optisch mit dem Marktplatz verschmolzen. Hochzeitspaaren mit ihren Gesellschaften steht ein komplett neuer Aufenthaltsplatz zur Verfügung. Entsprechend zufrieden zeigte sich Pfarrer Werner Zupp mit den Planungen.

Wegfall der Parkplätze hinnehmbar

Den Wegfall der Parkplätze hält er und das als Veranstalter großer Events in der Kirche, für hinnehmbar.

„Die Bäume sind krank“, pflichtete der Anlieger dem Architekten bei, dessen Aussage ebenfalls von einem neutralen Baumsachverständigen, bestätigt wird. „Ein Strom- und Wasseranschluss wird gastronomische Angebote erlauben.

Das Klohäuschen verschwindet. Toiletten wird die Gastronomie mit sich bringen“, führte Joachim Evers aus. Das jemals Getränke oder gar Speisen in einer Art Pavillon verkauft werden, bezweifelt Gastronom Martin Lenzen: „Davon kann keiner leben.“

„Das Café Auszeit könnte sich durchaus vorstellen, hier etwas mit nicht hauptamtlichen zu machen“, entgegnete Pfarrer Werner Zupp. Wie viele andere ist er guten Mutes, dass der neue Marktplatz für eine Erweiterung des umliegenden Gastronomieangebots sorgen wird. Abschließend bedankte sich Jörg Steuler für die emotionale und leidenschaftliche Diskussion und stellte den weiteren Fahrplan vor. Die Stadt werde sich nun von RMB Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten ein Angebot erstellen lassen.

Nach Prüfung wird dem Planungsausschuss nach den Sommerferien die Beauftragung vorgeschlagen. Anlieger bräuchten nicht mit Ausbaubeiträgen für den Marktplatz zu rechnen. Wohl aber mit anteiligen Beiträgen, wenn die umliegenden Straßen erneuert werden.

Belastung der Kirchstraße wird reduziert

Apropos: Zur Freude aller Anwesenden kündigten Stadt und Landschaftsplaner an, dass die Belastung durch die Kirchstraße reduziert wird. Der Charakter einer „Rennstrecke“ werde verloren gehen. Die Kirchstraße soll zukünftig nur noch einspurig verlaufen, baulich so angelegt und optisch in den Marktplatz integriert sein, dass praktisch durch die Hintertür eine Verkehrsberuhigung erzielt wird. FF

Landschaftsarchitekt Joachim Evers stellt seine Gewinner Planung zum neuen Marktplatz vor FF

Landschaftsarchitekt Joachim Evers stellt seine Gewinner Planung zum neuen Marktplatz vor Fotos: FF

Joachim Evers stellt seine Planung vor.

Joachim Evers stellt seine Planung vor.

Der Vorsitzende der Wettbewerbsjury Friedhelm Terfrüchte und die Bürgervertreter standen Rede und Antwort .

Der Vorsitzende der Wettbewerbsjury Friedhelm Terfrüchte und die Bürgervertreter standen Rede und Antwort .

Rund einhundert Interessierte kamen in dieGalerie des Café Auszeit, stellten Fragen und diskutierten.

Rund einhundert Interessierte kamen in die Galerie des Café Auszeit, stellten Fragen und diskutierten.

Der Bürgervertreter in der Jury, Hans-Jürgen Schmitz-Rech, hob die Vorzüge des Entwurfs hervor.

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