Projekt in den 5. Klassen am Wilhelm-Remy-Gymnasium
Perspektivwechsel „Hören mit Technik“
Bendorf. Die Schülerinnen und Schüler der neuen 5a am Wilhelm-Remy-Gymnasium staunten am Tag ihrer Einschulung nicht schlecht, als sich ihre Klassenlehrerin noch vor der Begrüßung nach Anlagen und Mikrofonen erkundigte. Den fragenden Blicken folgten sogleich interessierte, als Frau Meurer erklärte, dass in der 5a drei der Schülerinnen und Schüler mit Technik hören.
Um genauer zu verstehen, was es bedeutet, mit einer Hörschädigung den Alltag an einem Regelgymnasium zu bewältigen, wie es sich vielleicht anhört, mit Hilfe von Technik zu hören, und worauf Lehrer und Mitschüler achten sollten, besuchte Herr Günter von der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige die 5. Klassen am WRG. In 90 Minuten animierte er die Schüler, die Perspektive von Hörgeschädigten zu übernehmen. Zunächst erfuhren sie in einem Film, welche Schwierigkeiten sich im Alltag ergeben können. Danach verteilte er Schallschutzkopfhörer, Hörgeräte - in die man mit Stethoclips reinhören kann - und so genannte MyLinks, die das Hören durch eine digitale Anlage simulieren, an die Mädchen und Jungen, die dieses Ausprobieren ganz spannend fanden. Sie merkten dadurch, wie anstrengend ein Schultag für ein hörgeschädigtes Kind sein muss, da die Hörgeräte jedes noch so kleine Rascheln verstärken und man erst mit der digitalen Anlage die gewünschten Stimmen von Mitschülern und Lehrern lauter und klarer hört. Es folgte eine kleine Einführung in das deutsche Fingeralphabet sowie eine Erläuterung unseres Hörorgans. Nach zwei Schulstunden waren dann aber doch die meisten Fragen beantwortet und alle stürmten fröhlich in die Pause.
Auch den Lehrerinnen und Lehrern ermöglichte Herr Günter bereits in der ersten Schulwoche einen Einblick in das „Hören mit Technik“. Er gab Tipps zum Umgang mit der Technik, zur Unterrichtsorganisation und zum Nachteilsausgleich, auf den hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler per Gesetz ein Recht haben.
Am Wilhelm-Remy-Gymnasium werden insgesamt über zehn Schülerinnen und Schüler mit einer Hörschädigung unterrichtet. Eine Evaluation der Universität zu Köln hat ergeben, dass dies für die hörgeschädigten Kinder und Jugendlichen einen immensen Vorteil bedeutet: Zum einen sind sie nicht allein und erfahren Unterstützung durch Altersgenossen mit ähnlichen Schwierigkeiten. Zum anderen verfügen Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte über einen immer größer werdenden Erfahrungsschatz, der ihnen täglich hilft, ihre Schülerinnen und Schüler adäquat zu fördern und zu unterstützen. Nicht zuletzt profitieren auch alle anderen Lernenden davon, dass im Unterricht der Focus auf eine verstärkte Visualisierung und Strukturierung gelegt wird. Eindeutig eine Win-Win-Situation für alle. Oder wie es eine Schülerin aus der 5a formulierte: „Ich finde es toll, dass wir hier am WRG Sachen lernen, die man an anderen Schulen nicht lernt.“
Mit MyLinks wurde das Hören durch eine digitale Anlage simuliert.