„Echte Fründe“ bei der Karnevalsmesse in Sankt Peter und Paul
Pfarrer Frank Klupsch liest den Narren die „Leviten“
Remagen. Er hatte schon am Weiberdonnerstag beim Sturm der Möhnen auf das Rathaus seinen großen Auftritt: Pfarrer Frank Klupsch als „Gouvernante“ von Bürgermeister Björn Ingendahl im Schlafmützenkostüm. Umso gespannter war die Narrenschar auf seine Büttenrede, die der wortgewandte Geistliche in seiner Messe, in seinem Zuhause, in der Kirche Sankt Peter und Paul am Karnevalssonntag halten würde. Und die Rede sollte nicht die einzige Überraschung sein, die die Narrenschar erleben durfte. Bereits vor der Messe trafen sich die bunt kostümierten am um 1900 neu errichteten Gotteshauses mit seinem romanischen Portal mit den allegorischen Steinskulpturen, an der „Kaffeebud“ und dem „Nikolausbüdchen“, um zu Plauschen und sich auf die Messe einzustimmen. Und das Gotteshaus war voll, die Narrenschar zollte bereits durch ihr zahlreiches Erscheinen dem Pfarrer Respekt. Wie hatte Obermöhn Christina Möcking gesagt: „Zwischen Kirche und Karneval passt in Remagen kein Blatt Papier“. Die Stadtsoldaten stimmten die Narren musikalisch ein. „Kumm lass mer fiere“, wurde gesungen, Text umgeschrieben von Pfarrer Klupsch in „Komm loss mer singe, dem Herrjott bringe, ohse Dank mit viel Helau un mit Alaaf.“ Und „Echte Fründe“ sangen die Narren aus Herzenslust, und natürlich durfte nach der Predigt in Reimform auch der „Stammbaum“ nicht fehlen. Seine besondere Begrüßung galt natürlich dem Oedinger Dreigestirn, dem Remagener Tollitätenpaar Alexander I. und Sandra I., sowie Bürgermeister Björn Ingendahl. Die besondere Aufmerksamkeit in der Messe zollte Pfarrer Klupsch den Kindern, die immer wieder Teil der Heiligen Messe waren. Und dann holte Klupsch zum Rundumschlag aus. Er ging auf die Herkunft des Karnevals ein, „Der Ursprung des närrischen Treiben ist nur uns Katholiken zuzuschreiben. Bevor der Christ sich mit Asche tut in Buße üben, feiert er heiter und froh in vollen Zügen.“ Er haderte mit den Christen und damit, dass das Gotteshaus manchmal nicht gut besucht ist: „Viele kennen sich im Christsein nicht mehr aus, ja sind gar Fremde im eigenen Glaubenshaus. Nicht eine Geschichte von Jesus ist mehr bekannt, die Bibel ist für die Meisten ein fremdes Land.“ Formulierte, dass es so nicht geht: „Gott liebt ja alle, wir kommen alle in den Himmel, was soll hier das ganze fromme Gebimmel.“ Er trat ein für die Kirche mit den Worten: „Es gibt uns als Kirche, auch wenn wir nicht mehr die große Masse, engagiert, überzeugt, eine kleine aber aktive glaubende Klasse. So sind viele Christen auch weiter das Licht der Welt, das Kirche und Gesellschaft am Leben erhält.“ Und Frank Klupsch ging auch auf das zur Zeit ständig diskutierte Thema Missbrauch ein: „Ja, die Kirche besteht aus Menschen, auch hier ist nicht alles heile, Finanzskandale, Missbrauch, schlagen fette Medien-Zeile. Und ja, an die Probleme müssen wir ran, aber ist das alles, was man über Kirche noch sagen kann. Wer hat erfunden Champagner und Bier, so manch geistlich Kräuter-Likörchen trinken wir hier. Wer hat Europa lesen und schreiben gelehrt, wer hat stets Alte und Kranke geehrt. Wer hat Kindergärten gegründet, Schulen und Spitäler? Ohne die Kirche wären wir gesellschaftlich ärmer?“. Ob Trump oder Putin, ob Nahles oder Söder, sie bekamen alle ihr Fett weg und Frank Klupsch stehenden Applaus. Auch Prinz Alexander, der sich mit Dank und lieben Worten von der Kanzel aus an die Narrenschar wandte, und um Gottes Segen und gutes Wetter für den nachmittäglichen Umzug bat. AB
