Mit dem BUND unterwegs: Im Langfigtal bei Altenahr
Pflanzenraritäten und Tierwelt an Felshängen
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Naturschutzgebiet Langfigtal ist infolge der unübertroffenen Artenvielfalt in Pflanzen- und Tierwelt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nach dem Aufstieg durch die feuchte Waldzone folgten auf den Felsen des Teufelslochgrates die an Trockenheit angepassten Vegetationsformen: statt Buchen jetzt Traubeneichen bis hin zum Krüppelwuchs sowie die Mehlbeere, die in nur wenig Erde führenden Spalten wurzelt. Der Wald löst sich dann auf den Felsen in Gebüsche auf. Trotz schlechter Wettervorhersage wollten bei Sonne viele Teilnehmer die BUND-Exkursion mit dem Biotopbetreuer Andras Weidner mitmachen. Die Trockengebüsche werden dominiert von Felsenbirne, Felsenmispel (Cotoneaster) und Weichselkirsche. Die Weichselkirsche ist die wichtigste Raupenpflanze für den Segelfalter, der seine stecknadelgroßen Eier einzeln auf der Mittelrippe der Blattoberrseite ablegt. Besenginster, Besenheide und kleiner deutscher Ginster bestimmen das Bild der eingestreuten Zwergstrauchheiden. An den steilen Felswänden und schroffen Felsspornen finden sich die besonders wärmeliebenden Pflanzengesellschaften: Hier besonders eindrucksvoll die blassrosafarbene Pfingstnelke, die burgunderrote Karthäusernelke und die klebrige Pechnelke. Die Pfingstnelke hat im Langfigtal den nordwestlichsten Wuchsort in Deutschland. Diese Rarität ist aufgrund ihrer Schönheit auch von Alters her eine beliebte Zierpflanze. Vereinzelte Vorkommen im Bereich von Burgruinen – zum Beispiel an der Nürburg – gehen wohl auf Verwilderungen aus den ehemaligen Burggärten hervor. Beeindruckend war auch das gelbblühende Brillenschötchen, dessen Name sich von der Form seiner flach gedrückten Früchte (Schötchen) ableitet oder die Heilwurz, ein vergessenes Heilkraut, das schon im Mittelalter als Medizin geschätzt wurde. Es wird der gesamten Pflanze eine die Verdauung beruhigende Wirkung nachgesagt. Junge Blätter können als petersilienähnliche Würze verwendet werden. „Ist die Pflanze essbar?“, war eine häufig gestellte Frage insbesondere der teilnehmenden Familien und es konnten viele Genussproben, kleiner Sauerampfer, Schnittlauch, zurückgekrümmte Fetthenne – schmeckt wie Gurke- unter anderem, ausprobiert werden. Zu den typischen Gräsern des Trockenrasens zählt das mit seinen weißen Blütenähren sehr auffällige Wimper-Perlgras. Neben dem Hasenklee war ein Highlight die Dach-Hauswurz mit ihrer eindrucksvollen offenen Blattrosette. Diese Art wird häufig kultiviert und in Steingärten gepflanzt. Bei den Hauswurz-Vorkommen an der Ahr handelt es sich nicht um Verwilderungen, sondern um eine natürliche, endemische (heimische) Population, die hier vermutlich seit der Eiszeit existiert und heute ein isoliertes Areal besiedelt. Von vielen Teilnehmern nicht als Farn erkannt, wuchs in lichtexponierten Mauerspalten neben dem Mauer-Zimbelkraut der Nordische Streifenfarn. Die an das Leben auf nährstoffarmen Schieferböden angepassten Pflanzen werden verdrängt durch konkurrenzstärkere Pflanzen, die den zunehmenden Stickstoffeintrag der Luft ausnutzen, siehe aktuell die manipulierten Emissionswerte der KFZ, und die besondere Reliktflora der Felsen verdrängen. Deshalb sind auch Pflegearbeiten wie das Entfernen von Efeu und Brombeeren im Naturschutzgebiet unbedingt notwendig. Insbesondere ist die Mahd der Weinbergterrassen eine wichtige Pflegemaßnahme, um die dort ebenfalls existierende wärmeliebende Flora sowie die Weinbergsterassen zu erhalten. Wenn auch der Schwerpunkt der Exkursion die Pflanzen waren, wurden auch Tiere in den Blick genommen. Gleich zu Beginn der Wanderung wies eine tote Blindschleiche auf die Reptilien hin. Neben harmlosen Schlingnattern sind es vor allen die Mauereidechsen, die hier die sonnigen Felsen besiedeln. Eindrucksvoll der Flug der Falken, die in der Engelsley nisten. Und am Fuß der Steilwand konnten zwei Rassen der Weinbergsschnecke, Burgunder - und gefleckte Weinbergschnecke, voneinander unterschieden werden. Der BUND-Kreisvorsitzende Reinhard van Ooyen schloss die Exkursion mit einem Dank an Andreas Weidner für die Einblick in die beeindruckende Artenvielfalt, die Darstellung der Lebensräume und den leckeren Erdbeerkuchen, den es als Belohnung dafür gab, dass die Kinder weit mehr als zehn verschiedene Sträucher gefunden hatten.Pressemitteilung
BUND-Kreisgruppe Ahrweiler
Das gelbblühende Brillenschötchen, dessen Name sich von der Form seiner flach gedrückten Früchte ableitet.Fotos: BUND-Kreisgruppe Ahrweiler
