Einweihung des neugestalteten Dorfplatzes in Niederdrees
Pflegeleicht und nachhaltig soll der Dorfplatz wieder zum Mittelpunkt des Ortes werden
Insektenfreundliche Bepflanzung und mit Sonnenenergie betriebene Ladestation für E-Bikes zeichnen den Dorfplatz aus - Landeszuschuss von 65.000 Euro und Sponsorengelder machten das 100.000-Euro-Projekt finanzierbar
Niederdrees. „Da bleibt mir die Spucke weg!“ - Rheinbachs Vizebürgermeister Karl-Heinrich „Kalle“ Kerstholt (SPD) zeigte sich schwer beeindruckt vom neugestalteten Dorfplatz in Niederdrees, der jetzt offiziell eingeweiht wurde. Das kleine, feine Schmuckstück werde die Außenwirkung des Dorfes deutlich verbessern - vor allem bei den Radfahrern, die regelmäßig durch den Ort kommen, denn die können künftig ihre E-Bikes an einer Ladestelle direkt neben dem Dorfplatz aufladen und die Wartezeit auf dem gemütlichen Dorfplatz verbringen. Für diese Idee gab es sogar einen Sonderpreis beim kreisweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, berichtete Ortsvorsteher Holger Klöß.
Der Dorfplatz sei schon nämlich früher ein beliebter Zwischenstopp und Rastplatz für die zahlreichen Radfahrer gewesen, die durch das Dorf fahren, sagte Klöß in seiner Ansprache. Auch der kürzlich renovierte und ausgebaute Kinderspielplatz lade eigentlich zur Rast auf dem Dorfplatz ein. „Doch heute hält hier kaum jemand mehr.“ Die Niederdreeser Bevölkerung nutze zwar den Kinderspielplatz und den dort aufgestellten Bücherschrank, habe sich außerhalb von Veranstaltungen jedoch nur noch selten auf dem Dorfplatz getroffen, der seine Funktion als Ortsmittelpunkt nach und nach verloren habe.
In die Jahre gekommene Bepflanzung
Der „alte“ Dorfplatz habe aus einer in die Jahre gekommenen Bepflanzung sowie einer Rasenfläche mit einem geschwungenen, wassergebundenen Weg bestanden, erinnerte sich Klöß. Weil die Pflege nur unregelmäßig erfolgt sei, habe das Areal schnell verwahrlost ausgesehen. „Zudem hat die Trockenheit der vergangenen drei Jahre den Bäumen und Sträuchern deutlich erkennbar geschadet. Sie zeigen irreparable Trockenheitsschäden. Dieses ungünstige Bild wird durch den funktionsuntüchtigen Brunnen, der mit Frischwasser gespeist wurde, noch verstärkt.“
Um den Dorfplatz wiederzubeleben, sei er nun den heutigen Erwartungen angepasst und grundlegend umgestaltet worden. Nach einer Werkstatt-Veranstaltung im Februar 2020 habe ein Projektteam in mehreren Workshops Ideen zusammengetragen und daraus in zweieinhalb Jahren, unterbrochen von Corona und der Flut, eine großartige Projektmappe angefertigt. Wesentliche Faktoren darin seien ein neuer Brunnen, gespeist durch Regenwasser aus einer Zisterne, sowie eine Photovoltaikanlage für den Betrieb zweier E-Bike-Ladestationen und aller elektrischen Anlagen einschließlich der Brunnenpumpe. Auch ein möglichst geringer Pflegeaufwand für die Anlage, eine möglichst große Barrierefreiheit und eine auf neueste Erkenntnisse abgestimmte Bepflanzung seien darin umgesetzt worden. So könne der Dorfplatz als generationsübergreifenden Treffpunkt wieder interessant werden, hofft Klöß.
Pflegeleicht und nachhaltig zugleich
Um Fläche zu gewinnen, entfiel der vordere der beiden Gehsteige. So entstand ein größerer Platz mit Sitzblöcken samt Holzauflage, mit einem Maibaum- oder Christbaumständer und einem neuen Brunnen. Der neue Dorfplatz sei ausreichend groß, um bei den zahlreichen Aktionen und Festen im Dorf genutzt werden, ist sich Klöß sicher. Die Ränder seien als Grünfläche mit klimaresistenten Pflanzen gestaltet worden. Streifenförmige Beete aus insektenfreundlichen mehrjährigen Stauden erhöhten nicht nur die Attraktivität, sondern leisteten zugleich einen Beitrag zum Artenschutz. Was Vizebürgermeister Kerstholt zu der Bemerkung veranlasste: „Da werde ich richtig neidisch, hier würde ich gerne Insekt sein.“
Die neue Platzfläche bestehe aus einem sandsteinfarbenen Betonsteinpflaster, der neue Brunnen sei ein Basaltlava-Quader aus der Region und werde aus einer Zisterne gespeist, die ihr Wasser von zwei angrenzenden Dachflächen erhalte. Somit entfielen die bisherigen hohen Wasserkosten vollständig. Kerstholt hatte nun die Ehre, den neuen Brunnen offiziell in Dienst zu stellen mit dem Entfernen einer überdimensionalen Zierschleife, worauf hin das Wasser aus dem Loch in der Mitte zu sprudeln begann. Am Rande des Spielplatzes auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird der Dorfplatz von einer solarbetriebenen Ladestation für E-Bikes sinnvoll ergänzt. Von den dortigen Solarmodulen werde zudem die Umwälzpumpe für den Brunnen mit Solarstrom versorgt. „Unser neuer Dorfplatz ist pflegeleicht und nachhaltig zugleich“, freute sich der Ortsvorsteher.
Besonderer Dank galt dem Projektteam
Insgesamt habe der Umbau etwa 100.000 Euro gekostet, wovon das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms zwei Drittel übernommen habe. Etwa 35.000 Euro habe Niederdrees jedoch durch Eigenleistung und Sponsoren selbst aufbringen müssen, so Klöß. Er dankte besonders der Kreissparkasse Köln, dem Energieversorger Westenergie und dem Lions-Club Bonn-Rhenobacum für ihre finanzielle Unterstützung. Doch besonderer Dank gebühre dem Projektteam mit Jutta Hasselbach, Wilhelm Brendecke, Jan Peter Stiller und Carla Warnecke. Mit einem feierlichen Ständchen des Männergesangvereins Niederdrees unter der Leitung von Ulrich Müller endete der offizielle Teil der Dorfplatz-Einweihung, doch gefeiert wurde noch lange bei Freigetränken und kostenlosen Würstchen zur Musik des Spielmannszuges „Echo“ Niederdrees unter der Leitung von Ralf Büser. Zwischendurch zeigte Fähnrich Daniel Büser vom Junggesellenverein Niederdrees, der am kommenden Wochenende, 19. und 20. August, sein Junggesellenfestes feiert, sein Können beim Fahnenschwenken.
JOST
Der Männergesangsverein Niederdrees unter der Leitung von Ulrich Müller erfreute das Publikum mit einem Ständchen anlässlich der Einweihung des Dorfplatzes in Niederdrees. Foto: Volker Jost
