Vier Tage voller Sonnenschein
Plaidter Gartenfreunde erkunden den Südwesten
Plaidt. Bei Sonnenschein wirkt die „Laterne Gottes“, wie die aus gelbem Sandstein erbaute Kathedrale von Metz im Volksmund genannt wird, schon majestätisch, bei zunehmender Dunkelheit wird sie wohl noch strahlender, imposanter sein. Doch so lange konnten die Gartenfreunde aus Plaidt und Umgebung nicht warten, denn nach einem erlebnisreichen Tag ging es am späten Nachmittag zurück ins Quartiert. Mit dem Besuch im Botanischen Garten von Metz, einem Arboretum mit hundertjährigen Zypressen, Gingko- und Mammutbäumen, startete die reiselustige Truppe den zweiten Tag der großen Fahrt in den Südwesten. Als Glücksgriff hat sich Frau Hess erwiesen, die als kompetente Leiterin für grenzübergreifende Bildungsreisen das Interesse der großen Gruppe bereits im Bus weckte und dann bei der Stadtführung nur noch andeuten musste, was zu sehen und zu beachten war. Die Straßen der Altstadt wurden zu Fuß erkundet, und immer wieder gab es Hinweise auf besondere Häuser und Gebäude aus früheren Jahrhunderten. Metz, an der Mosel gelegen und bis ins 16. Jahrhundert als Stadtrepublik „zum Reich“ gehörend, war bis 1871 Teil Frankreichs, dann bis 1918 wieder Teil von Deutschland und danach wie auch das Elsass wieder französisch. Das reiche Kulturerbe dieser uralten Siedlung ist es wert, besucht und entdeckt zu werden. Nicht nur die Chagall-Fenster in der genannten Kathedrale, sondern alle Gebäude, auch die aus der „Gründerzeit“ vor dem 1. Weltkrieg, sind sehenswert. Echt „französische Lebensart“ schon gleich im ehemaligen Grenzgebiet zu entdecken, und das bei vier Tagen Sonnenschein! Tags zuvor waren die 48 Gartenfreunde ins Saarland gestartet, um von hier aus schöne Gärten zu entdecken und Neues zu sehen. Auf der Hinfahrt der Besuch im Rosengarten von Zweibrücken, dem großzügig konzipierten Park mit vielen Rosenanlagen und schönen Dingen. Leider waren die Vorbereitungen zum großen Rosenfest am folgenden Wochenende noch nicht abgeschlossen, denn ein Teil der Rosenblüten war durch den Regen der Vortage stark in Mitleidenschaft gezogen und noch nicht abgeschnitten. Es gab noch viel zu tun, was der Schönheit der gesamten Anlage aber nur wenig von besonderen Reiz genommen hat. Nach fünfstündigem Aufenthalt ging die Fahrt am späten Nachmittag weiter ins „Hotel Stadt Püttlingen“ an der Saar, dem Quartier für die kommenden Tage. Montags dann, wie erwähnt, die Fahrt nach Metz und dienstags gleich nochmals hinter die nicht mehr erkennbare Grenze nach Saarguemines. Auf dem Gelände einer alten Steinfabrik, direkt an der Blies gelegen, gibt es über 200 Jahre alte Keramikkunst zu bewundern. Museum, Mühlsteine und kleine Scherben zeugen von der Vielfalt der Kunst in dieser ehemaligen Brennerei. Keramikmaler haben Zeichen ihres Könnens hinterlassen, und als es eine Gruppe junger Leute zu entdecken gibt, die „Raku“-Brand durchführt, sind alle restlos begeistert. Mit dem Abrissmaterial der Fabrik wurde hier eine Landschaft gestaltet, die von echten Könnern bepflanzt und als „Garten der Fayencen“ zu erleben ist. Sehenswert schön! Anschließend ging es zur Zitadelle von Bitche, nicht weit von Hagenau gelegen, ebenfalls sehenswert. Die Besichtigung der riesigen Anlage hätte aber den Zeitrahmen gesprengt, den die Gartenfreunde eingeplant hatten. Eine Umrundung per pedes hingegen war vielen möglich, und wer den „Garten für den Frieden“, unterhalb der Zitadelle und noch über dem Ort Bitche gelegen, sehen und erfahren wollte, musste nochmals hundert Meter weiter den Berg hinunter und anschließend auch wieder hinauf steigen. Eine märchenhafte, poetische Gartenkreation, die zum Spielen und zum Frieden verführen will. Am späten Nachmittag dann der Besuch im Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“, ein weiterer Programmpunkt, den man sehen sollte, wenn man an der Saar ist. Empfehlenswert vor allem für Technik-Freaks und Freunde an Industriekultur und Bewunderer des industriellen Könnens und Schaffens in den vergangenen Jahrhunderten. Am Tag der Rückreise dann ein weiteres Gartenerlebnis, das man als Tagestour in knapp zwei Stunden von der Pellenz aus erreichen kann: Der „Garten der Sinne“ in Merzig/Saar lohnt zu jeder Jahreszeit, besucht und erlebt zu werden! Mit zehn „Gartenzimmern,“ schlicht durch Hecken abgegrenzt, zeigt die Anlage auf einer Fläche von 2,5 ha die Themenbereich Wasser, Meditation, Rosen, Theater, Klänge, Stein, Kies und Farben in fließenden Übergängen und mit immer wieder neuen Durchblicken. Ein Erlebnis für die ganze Familie, da auch Spielgelegenheiten und Ruhemöglichkeiten geboten werden. Ein „Muss“ für jeden Gartenfreund! Die Weiterfahrt entlang der Saar wartete mit einem weiteren, bekannten Höhepunkt auf: Mettlach an der Saar ist in ganz Deutschland bekannt! Während sich einige Männer in die neue Brauerei absetzten, um das aktuelle Fußballspiel anzusehen, ließ es sich die übrige Mannschaft nicht nehmen, im Ort nach Porzellan und schönen Gebäuden zu sehen. Platz im Bus für einige Reiseandenken war vorhanden, und als es am späten Nachmittag nochmals einen Halt gab, war es an der Oberscheidweiler Mühle, auf der zum gemeinsamen Abendessen eingeladen war. Ein angenehmer Abschluss für diese interessante Fahrt, die Einblicke in die unterschiedlichsten Gärten ermöglicht hat.
Die Kathedrale von Metz.
