Allgemeine Berichte | 16.08.2016

Studien- und Pilgerreise der Pfarreiengemeinschaft

Polens schönste Städte

Eindrücke von einer Studien- und Pilger-Reise nach Görlitz, Krakau und Breslau

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Studienreise.Corinna Lachmann

Koblenz. In der ersten Juli-Woche machte sich eine 24-köpfige Gruppe Interessierter, von Koblenz aus, auf eine Studien- und Pilger-Reise nach Polen.

Görlitz

Erstes „Etappen-Ziel“ Görlitz, die Perle Deutschlands; weitere Stationen bildeten Krakau sowie die Weltkultur- und Geburtsstadt Edith Steins und Dietrich Bonhoeffers, Breslau. Schon bei der Anreise gab es einen interessanten Zwischenstopp in Kloster Marienstern. Es ist, neben dem Schwesterkloster Mariental, eines der beiden von ehemals 50 Frauenklöstern zwischen Ostsee und Erzgebirge, die heute noch als klösterliche Gemeinschaften leben und arbeiten. Das Besondere an Kloster Marienstern ist, dass es im Laufe seiner langen Geschichte ohne Unterbrechung durchgängig seiner kirchlichen Bestimmung nachkommen kann. Am nächsten Tag stand ein Bummel durch die wunderschön restaurierte Altstadt von Görlitz auf dem Programm. Görlitz - eine Stadt mit zwei Herzen: Zu einen leben hier ca. 50.000 Menschen auf der deutschen Seite der Stadt, auf der polnischen Seite etwa 30.000 Menschen. Neben den obligatorischen Sehenswürdigkeiten wie das Gerhard-Hauptmann-Theater, den Reichenbacher Turm, dem oberen und unteren Markplatz, dem biblischen Haus ... hat Görlitz eine ganz exquisite Besonderheit zu bieten. Die Sonnenorgel in der Peter und Paul Kirche. Der Name dieses Instruments ist den zwölf fußpedalgesteuerten sogenannten Sonnenregistern geschuldet. Rund um die Sonnengesichter im Orgelprospekt sind kleine Orgelpfeifen angebracht, die ganz besondere Klangfarben erzeugen.

Krakau

Am Tag drei nutzte die Gruppe die Weiterfahrt nach Krakau, um sich in Oppeln umzuschauen. In Oppeln lebt noch heute eine aktive deutsche Minderheit. Ganz in der Nähe von Oppeln, in Stubbendorf, verbringt der emeritierte Oppelner Erzbischof Nossol seinen aktiven Ruhestand. Er war Pionier und großer Förderer der deutsch-polnischen Aussöhnung. Krakau selbst kann man guten Gewissens als polnisches Nationalmuseum bezeichnen. Vom rechteckigen Marktplatz führen elf Straßen in den sogenannten grünen Gürtel. In vergangenen Zeiten auch hinaus zu den Stadttoren, die bis zum 15. Jahrhundert die Stadt befestigten. Krakau war einst blühendes Hansemitglied und ist immer noch attraktiv: allein 2015 zog es zehn Mio. Besucher in die Stadt! Ein berühmtes Wahrzeichen ist die Jagiellonen-Universität. Hier erhielten u. a. Richard von Weizsäcker, Papst Johannes Paul II und der Daila Lama Ehrendoktorwürden. Die Marienkirche, 1962 zur Basilika minor erhoben, hat sogar zwei Besonderheiten. Zum einen im Inneren der wunderschöne 5 x 13 m große Marienaltar von Veit Stoss, der vor allem durch von satten Rot-/Grün- und Goldtöne hervorgerufene Lebhaftigkeit der biblischen Szenen besticht. Eine Zweite ist der Turmbläser.

Zu jeder vollen Stunde lässt er sein Trompetenspiel ertönen. Mittendrin reißt die Melodie plötzlich ab - eine Erinnerung an einen Tatarenüberfall, bei dem der ursprüngliche Trompeter von einem Pfeil getroffen wurde. Was den Besuch der Konzentrationslager von Auschwitz und Birkenau betrifft, so gibt es Dinge, da wehrt sich die Feder gegen eine Niederschrift. Es sei nur erwähnt, dass dieser Ausflug keinen unberührt ließ und erst einmal von jedem Einzelnen persönlich verarbeitet sein will. Kazimierz, das jüdische Krakau geht zurück auf seinen Gründer, Kasimir der Große. Das Viertel wartet mit sieben Synagogen auf. Die bekannteste ist vermutlich die Remuh-Synagoge. Moses Remuh war ein berühmter Rabbiner, von dem man sagt: „Es gibt keinen größeren Moses als Moses“. Am fünften Tag ging es zunächst nach Nowa Huta. Das Viertel entstand Ende der 1940er Jahre. Nach langem Hin und Her durften die Anwohner endlich in dem - von der Regierung als „Stadt ohne Gott“ mit sozialistischer Prägung geplanten Stadtteil - eine Kirche errichten. Allerdings wurde zur Auflage gemacht, dass keine „normale“ zweitürmige Kirche gebaut wird. So entschied sich der Architekt für die Form der Arche Noah, die dem Gotteshaus auch den Namen verlieh. Symbolträchtig sind auch die Kreuzwegbilder. Hier werden in galizischen Landschaften nicht nur die Kreuzwegstationen dargestellt, sondern gleichzeitig im übertragenen Sinne auch der Leidensweg des polnischen Volkes. Am Nachmittag konnten die Pilger schließlich in den Tiefen des Salzbergwerkes Wieliczka bewundern, welche Kunstwerke aus Salz heraus gemeißelt werden können.

Breslau

Die letzte Etappe der Reise - schon wieder in Richtung Koblenzer Heimat - führte schließlich nach Breslau. Dort ist auf der sogenannten Dom-Insel eine wahre Dichte an beeindruckenden Kirchen zu finden - ein Symbol der Identität und des Glaubens der Menschen. Neben der Jahrhunderthalle ist die Universität Leopoldina besonders erwähnenswert. Für sie komponierte Johannes Brahms die bekannte Universitätsouvertüre „gaudeamus igitur“. Mit dieser Melodie im Ohr, konnte die Gruppe zum guten Schluss sagen, dass sie dankbar auf eine Woche voller schöner, aber auch nachdenklich stimmender Erlebnisse zurückblickt.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Studienreise.Foto: Corinna Lachmann

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