Konzert im Theatersaal des Augustinums in Bad Neuenahr
Polkas, Walzer und ein Hauch von Ungarn
Ensemble A(hr)-Dur präsentierte gehobene Unterhaltungsmusik
Bad Neuenahr. Es war ein lauer Sommerabend, und der Theatersaal im Wohnstift Augustinum war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Unterhaltungsmusik des Salon-Ensembles A(hr)-Dur, das bereits zum wiederholten Male im Wohnstift auftrat, hatte sich unter den Bewohnern längst als Geheimtipp herumgesprochen.
A(hr)-Dur, das sind Viktoria Nyikes (1. Violine), Bruno Fischer und Marion Noll (2. Violine), Monika Recker-Johnson (Cello) und Gisbert Stenz (Klavier). Werke wieder „salonfähig“ zu machen, zu denen die gehobene Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert durch den Kurpark flanierte oder in Salons zusammenkam, dies ist die Passion des Ensembles. Die Kronleuchter im Theatersaal, die Roben der Musiker, allen voran das zarte rosafarbene Kleid der Violinistin Viktoria Nyikes – all das kommt nahe an das Ambiente eines gehobenen Salons aus eben jener Zeit heran.
Mit einem bunten musikalischen Programm waren die Musiker in ihren Salon des Abends, das Wohnstift, gekommen. Da gab es zwei Polkas von Johann Strauß zu hören, einen Konzertwalzer vom weniger bekannten Emil Waldteufel, der sich stilistisch an Strauß orientierte, und einen Csardas. Der Csardas ist ein Musikstil und Volkstanz in Ungarn, dem Geburtsland der Violinistin Viktoria Nyikes. Und diese verstand es, in der „ungarischen Heimat-Idylle“ von Guste Edelmann den Zuhörern die Klänge des Landes temperamentvoll näherzubringen, in dem sie die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte.
Durch das Programm führte Gisbert Stenz mit seinen unterhaltsamen Anmoderationen. Dabei beeindruckte er nicht nur mit Fachwissen zu Komponisten und Werken, sondern auch mit Lyrik. Bevor sich das Ensemble bei Kurt Noaks „Heinzelmännchens Wachparade“ einen musikalischen Spaß erlaubte und Marion Noll die Violine kurzerhand gegen Block- und Vogelflöte tauschte, gab Stenz textsicher Teile der Ballade „Die Heinzelmännchen zu Köln“ von August Kopisch zum Besten.
Die zweite Hälfte des Salonabends war dann vor allem international geprägt. Bei Gerhard Winklers „Sizilianischem Ständchen“ konnte sich der Zuhörer mit etwas Fantasie nach Italien träumen, osteuropäische Töne klangen beim „Wolgalied“ von Franz Lehar an und mit dem Stück „You raise me up“, dessen bekannteste Version von Josh Groban stammt, gab es auch etwas Neuzeitliches zu hören.
Kurzum ein toller Konzertabend, bei dem die Leichtigkeit, die die Musiker vermittelten, auf das Publikum abzufärben schien. Die Stimmung wurde mit jedem Stück gelöster, „Bravo-Rufe“ schallten, und nach einem kräftigen und anhaltenden Applaus sah man viele lächelnde Gesichter aus dem Theatersaal herausströmen.
