Sitzung des Rheinbacher Gewerbevereins
Probleme bei Öffnungszeiten und verkaufsoffenen Sonntagen
Geschäftsleute planen gemeinsame Aktionen und reagieren so auf die Konkurrenz in der Nachbarschaft
Rheinbach. Probleme gibt es genug: wie können die Rheinbacher Gewerbetreibenden reagieren zum Beispiel auf die Eröffnung des Factory Outlet Centers in Bad Münstereifel? Welche verkaufsoffenen Sonntage soll man für 2015 ins Auge fassen, sollen es überhaupt vier sein oder vielleicht weniger? Kann die Rheinbacher Innenstadt mit einer einheitlichen Öffnungszeit an den Samstagen bis 16 Uhr die Einkaufsattraktivität steigern und mehr Kunden in die Stadt locken? Bei der Sitzung des Gewerbevereins führte Vorsitzender Oliver Wolf durch eine Tagesordnung, die es in sich hatte. Im Gründer- und Technologiezentrum beteiligten sich die etwa 40 Mitglieder engagiert an den Diskussionen, doch Lösungen für die Probleme konnten nur bedingt gefunden werden.
„Wir sind für Euch da“, umriss Oliver Wolf die Maxime des Gewerbevereins, der sich massiv gegen die neue Konkurrenz in Bad Münstereifel stemmen will. Das kann das Rheinbacher Gewerbe zum Beispiel durch die verkaufsoffenen Sonntage. In diesem Jahr werden die Geschäfte der Innenstadt noch am 5. Oktober und am 30. November ihre Geschäfte öffnen. Ein eigener Arbeitskreis hat die vier Verkaufssonntage 2014 organisiert. Im Vergleich zum Vorjahr schlossen die beiden ersten des Jahres mit einem Plus-Minus-Null und einem Plus von 1300 Euro ab. Natürlich strebt der Gewerbeverein auch für die Sonntage drei und vier einen positiven Abschluss an. Dass der Konkurrent in Bad Münstereifel an denselben Tagen öffnet, sieht Oliver Wolf nicht als so großes Problem an: „Wir sind gut und werden uns als starke Kraft präsentieren. Dazu müssen wir einheitlich auftreten.“
Damit hatte der Vorsitzende zum nächsten Problem des Gewerbevereins übergeleitet, den einheitlichen Öffnungszeiten an den Samstagen. „Seit 45 oder 50 Jahren wird in Rheinbach darüber diskutiert. Aber bis heute haben wir uns nicht einigen können, samstags bis 16 Uhr zu öffnen.“ Wer das wolle, möchte doch bitte sein Geschäft mit dem Aufkleber versehen, den der Gewerbeverein entwickelt habe und bei der Sitzung verteilte. „Die große Mehrheit beteiligt sich aber nicht. Ziehen wir mal die großen Geschäfte der überregionalen Ketten ab, bleiben nur wenige Rheinbacher Gewerbetreibende über, die samstags tatsächlich bis 16 Uhr für die Kunden da sind. Unsere Umfrage bei den 102 Geschäften in der Stadt ergab, dass sich 34 von ihnen gerne beteiligen würden, aber in der Praxis sind es deutlich weniger“, bedauerte Oliver Wolf, an seiner Seite bei der Sitzung der geschäftsführende Vorstand mit Thomas Arentz, Bernd Weber und Gerhard Brandt.
Der Vorsitzende räumte ein, dass sich eine verlängerte Samstagsöffnung für kleine Geschäfte und bestimmte Branchen kaum lohnen würde. Er könne verstehen, dass die Inhaber dann früher ihre Türen schließen. Der Kunde wolle eine verlässliche Öffnungszeit. Gerade unter dem Aspekt der immer größeren Konkurrenz in der Nachbarschaft sollten die Rheinbacher zusammenhalten und gemeinsam auftreten. Das sei „wichtig und notwendig“. Das Einkaufsverhalten habe sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, heute wolle der Kunde bis abends einkaufen und an den Samstagen nicht nur bis 14 Uhr. Dass die Kunden eine längere Öffnung an den Samstagen begrüßen, hätten sie deutlich gesagt, berichtete eine Geschäftsfrau. Von den etwa 40 Mitgliedern der Versammlung zeigten nur sieben auf, als Oliver Wolf fragte, wer denn bis 16 Uhr geöffnet habe. „Reden Sie mit Ihren Nachbarn, puschen Sie sich gegenseitig, dass mehr mitmachen“, appellierte der Vorsitzende.
Der Gesetzgeber stellt die Rheinbacher vor ein weiteres Problem. Denn die verkaufsoffenen Sonntage werden in Zukunft nicht mehr so leicht wie bisher genehmigt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte die Rheinbacher als Beispiel für eine Kampagne herangezogen, um die Vergabe der Sonntage zu hinterfragen. In Nordrhein-Westfalen sei die Vergabe nur gestattet, wenn der verkaufsoffene Sonntag sich an eine traditionelle Veranstaltung anschließt, aber nicht, wenn er allein kommerzielle Gründe habe. Der Gewerbeverein als Veranstalter des Offenen Sonntags scheide damit aus. „Es muss ein öffentliches Interesse vorliegen. Zum Beispiel zur Kirmes darf man sonntags öffnen, oder bei einem mehrtägigen Stadtfest. Zu den Rheinbach Classics oder bei einem Wochenende zum Patronatsfest einer Gemeinde dürften wir sonntags auch die Geschäfte öffnen“, führte Wolf aus. Die verkaufsoffenen Sonntage müssten laut Gesetz „an ein Fest, einen Markt oder eine Messe gekoppelt“ sein.
Sehr engagiert diskutierten die Gewerbetreibenden diese neue Basis für die Genehmigungen. Kirchenjubiläum, Radrennen, Weiherstraßenfest, Autosonntag, Frühlingsfest Himmeroder Hof und Kirmes wurden als mögliche Anlässe angesprochen. Die Mitglieder waren sich aber auch klar darüber, dass Parkprobleme eine Durchführung erschweren könnten, wenn die Wälle als Veranstaltungsort blockiert seien. „Der DGB torpediert unsere Pläne“, hieß es aus der Versammlung. Denn es war nicht möglich, sich schon jetzt auf die Termine 2015 zu einigen. Wolf kündigte weitere Abstimmungsgespräche mit der Stadt an.
Ob es denn weiterhin vier verkaufsoffene Sonntage in Rheinbach geben solle, sei auch nicht immer deutlich, so der Vorsitzende. Elf Mitglieder sprachen sich eindeutig für vier aus, acht Gewerbetreibenden würden drei schon reichen, die restlichen Anwesenden legten sich nicht fest. Einig waren sich die Mitglieder wieder bei der Frage der Präsenz im Internet. Dass der Gewerbeverein auf dem Stadtportal präsent sein will, befürworteten alle im Saal. Dazu wurde ein Arbeitskreis gegründet, der sich ausführlich damit beschäftigen wird. „Wir bleiben in allen Themen am Ball und werden weiter dafür sorgen, dass das Rheinbacher Gewerbe sich weiter als Gemeinschaft präsentiert und die Attraktivität der Stadt bestehen bleibt“, fasste Oliver Wolf nach dem Treffen zusammen.
WM
