Allgemeine Berichte | 11.07.2017

VG-Rat Unkel fasste einstimmigen Grundsatzbeschluss

Projekt „Bürgerbus“ nimmt Fahrt auf

Holger Jansen und Ralph Hintz von der Agentur „Landmobil“ hatten die Mandatsträger zuvor informiert

Interessiert folgte nicht nur Büroleiter Jörg Harperath den Ausführungen von Holger Jansen und Ralph Hintz.-DL-

Unkel. Das vom Senioren- und Behindertenbeirat (SuBB) der Verbandsgemeinde Unkel auf den Weg gebrachte Projekt „Bürgerbus“ nimmt Fahrt auf. Nachdem der Vorsitzende Dieter Borgolte vor zwei Wochen die Mitglieder des Hauptausschusses informiert hatte, konnte Verbandsbürgermeister Karsten Fehr auf der jüngsten Sitzung des VG-Rates am Donnerstagabend Holger Jansen, den Leiter des landesweiten Beratungsprojekts „Bürgerbusse Rheinland-Pfalz“, und Ralph Hintz von der Agentur „Landmobil“ begrüßen.

„Bürgerbusse liegen im Trend. Heute haben die beiden Fahrzeuge in der VG Oberes Glantal im südlichen Teil der Kreises Kusel den Testbetrieb aufgenommen, sodass mittlerweile 51 Bürgerbusse unterwegs sind. In den Ortsgemeinden Schöndorf und Umgebung im südlichen Teil der Verbandsgemeinde Ruwer (Kreis Trier-Saarburg) startet dann am 31. August der 53. Bürgerbus“, so Holger Jansen. In Planung seien außer in Unkel Bürgerbusse in den Verbandsgemeinden Alzey-Land, Betzdorf-Gebhardshain, Bitburger Land, Hettenleidelheim, Höhr-Grenzhausen und Lambrecht/Pfalz sowie in der Gemeinde Bleialf und Umgebung.

Die Wege auf dem Land sind oft weit

„Ihr SuBB mit Dieter Borgolte an der Spitze hat das Thema in den zurückliegenden Monaten auf der örtlichen Ebene vorangebracht. Ein erstes Gespräch mit uns fand im April hier vor Ort statt“, erinnerte er. Das Leben auf dem Land oder in einem zumindest eher ländlichen Gebiet habe viele Vorzüge, einiges sei jedoch schwieriger. So seien etwa Wege zum Einkaufen, zur Post, Verwaltung oder Bank sowie zum Arzt oft weiter als in der Stadt. So stünden Verbandsgemeinden vor der schwierigen Aufgabe, die Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge zu sichern.

Gerade die ältere Bevölkerung – Stichwort demografischer Wandel – könne oder wolle nicht immer mit dem Auto fahren. Ihre Ziele könne der öffentliche Nahverkehr aber nur schwer erreichen, erklärte der Agentur-Leiter. Daher mussten neue Konzepte auf den Tisch, und der Bürgerbus sei ein solcher überaus erfolgreich umgesetzter Ansatz im Nahbereich ohne feste Linien. „Die würden Haltestellen voraussetzen, die für einen Großteil der Klientel schon zu weit entfernt wären“, so Holger Jansen.

Selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen

Auf der örtlichen Ebene als Ergänzung des regulären öffentlichen Personenverkehrs entwickelt, sei der Bürgerbus in vielen Regionen für seine wichtigste Zielgruppe, nicht mehr mobile ältere oder behinderte Menschen, eine willkommene Hilfe, selbstbestimmt in ihren Wohnungen und Häusern zu leben.

Der Bürgerbus sei aber weit mehr als ein reines Beförderungsmittel. Er biete Raum für Kontakt- und Kommunikationspflege, denn in dem Bürgerbus-Team kämen Menschen zusammen, die sich für die Gemeinde und jeden einzelnen in der Gemeinschaft engagierten, hob der Agenturleiter die soziale Komponente hervor. Das Motto laute „Bürger fahren für Bürger“, und die Bürger in einem zu gründenden Bürgerbusverein würden das Angebot konzipieren, die Fahrten organisieren und durchführen. Nach dem Grundsatz „Hilfe, Begleitung, Unterstützung“ würden Bürger nicht nur ehrenamtlich Mitbürger fahren, sondern diesen auch beim Aus- und Einsteigen oder beim Transport der Einkäufe helfen und so eine bessere Lebensqualität für Bewohner des ländlichen Raums schaffen.

Informationsveranstaltung nach den Sommerferien

„Aus den verschiedenen, auf die jeweilige VG zugeschnittenen Modellen haben wir einen großen Erfahrungsschatz gewonnen“, erklärte Ralph Hintz, der auch Bürgerbusbeauftragter der VG Langenlonsheim ist. Wer denn den Bus in Anspruch nehmen könne, wer über die entsprechende Berechtigung entscheide und ob es nicht schon Problemen mit Taxiunternehmen gegeben habe, wollte Gisela Stahl (CDU) wissen. „Diese Entscheidung, wer mitfahren darf, liegt bei Ihnen und bei dem Bürgerbus-Team“, erklärte der Fachmann. Ärger mit Taxiunternehmen sei ihm noch nicht zu Ohren gekommen. Sinnvoll sei natürlich, sie zu der Informationsveranstaltung einzuladen, die nach den Sommerferien geplant ist. Auf der sollten sich dann auch die gut 20 „Busfahrer“ und Bürger für das Teleteam melden.

Zwar solle der Bürgerbus die Wünsche immobiler Bürger grundsätzlich innerhalb der VG-Grenzen erfüllen, „aber natürlich können Sie auch Fahrten etwa zu Fachärzten in Bad Honnef oder Linz in Ihr Konzept aufnehmen“, so Ralph Hintz. Solche konkreten Fragen würden auf einer Projekt-Planungsveranstaltung behandelt, bei der in Kooperation mit dem SuBB und der Mainzer Agentur „Landmobil“ das auf die VG Unkel zugeschnittene Konzept erarbeitet würde. Ein Start für den Unkeler Bürgerbus sei im ersten Halbjahr 2018 möglich, vorausgesetzt der VG-Rat fasse den Grundsatzbeschluss.

„Voraussetzung dafür ist für uns, dass der VG durch den Bürgerbus keine Kosten entstehen“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Schmitz, während Ralf Hillen (SPD) forderte, dass dies nicht allzu eng verstanden werden dürfe, falls später einmal ein kleiner Obolus notwendig werden würde. Nachdem Karsten Fehr dies zugesichert hatte, stimmten die Ratsmitglieder unisono für das Projekt „Bürgerbus“.

Projekt wird in den ersten beiden Jahren komplett gesponsert

Der wird die ersten zwei Jahre vom Unternehmen Eckhard Bluhm über den Fonds „Verein zur Unterstützung Notleidender und Bedürftiger“ komplett gesponsert, der auch schon der Tafel ein Fahrzeug stellt. Voraussetzung sei, dass Ende des Jahres alle Belege von den Leasingkosten über Tankrechnungen bis zur Wagenwäsche für eine Endabrechnung vorgelegt würden, berichtete Dieter Borgolte.

Die Fahrten mit dem Bürgerbus, die zu bestimmten Zeiten in der Verwaltung am Tag zuvor telefonisch bestellt werden, sind kostenlos. Über kleine Spenden freue sich natürlich das Telefondienst- und Fahrerteam, das sich von Zeit zu Zeit zu einem Arbeitsfrühstück zwecks Erfahrungsaustausch treffe, damit alles für alle Beteiligten gut gelingen könne, berichtete Ralph Hintz abschließend.

DL

Interessiert folgte nicht nur Büroleiter Jörg Harperath den Ausführungen von Holger Jansen und Ralph Hintz. Foto: -DL-

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