Mit einer Ausstellung von fünf Rheinbreitbacher Künstlern ging der Förderkreis in die Sommerpause
Radierungen, Objekte, Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde in der Oberen Burg
Rheinbreitbach. Mit einer abwechslungsreichen Festveranstaltung zu seinem 25-jährigen Bestehen steigt der Förderkreis Obere Burg Rheinbreitbach nach der Sommerpause am Sonntag, 24. September, wieder in sein Programm ein. Nach der Begrüßung um 15 Uhr mit Sektempfang und musikalischer Rahmung durch die „Burgbläser“ beginnt um 16 und dann wieder um 17 Uhr mit der „Wein-Comdey“ des Remagener Kabarettisten Ingo Konrads sowie heiteren Arien aus Oper und Operette mit Bariton Patrick Ruyters und seinen Freunden das Parallelprogramm. Währenddessen verzaubert Diakon Winfried Reers nicht nur, aber vor allem die kleinen Gäste.
Wenn nicht verzaubert, so doch sehr angetan waren die Besucher von der Ausstellung „Rheinbreitbach - Fenster zum Siebengebirge“, die am Freitagabend in der Oberen Burg eröffnet wurde. „Mit Stefanie Lahr, Hermann Neunkirchen, Helene Ramershoven, Hilmar Alexander Röner und Franz Weiler zeigen fünf Rheinbreitbacher Künstler die Vielfalt ihres Schaffens in unterschiedlichen Techniken. Zu bewundern sind Radierungen, Objekte, Stiche und Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde in Acryl und Öl“, so Vorstandsmitglied Renate Mahnke, die nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Günter Ruyters, die Einführung in die Arbeiten übernahm. Dass bei dem Titel „Fenster zum Siebengebirge“ der berühmteste Berg der Region, der Drachenfels zu sehen würde, lag auf der Hand. So zeigte ihn Hermann Neunkirchen in einem seiner kleinen Aquarelle als Hintergrund für einen weißen Rheindampfer, aber auch bei seinem Blick über den noch völlig „unbewaldeten“ Koppel. Zusammen mit Franz Weiler stellte er im Konzertsaal der Burg aus. Und der sah man sich mit einem der großen Bilder von Franz Weiler direkt gegenüber, wenn man das ehrwürdige Gemäuer durch den Haupteingang an der Südfassade den Saal betrat. In dem zeugten Weilers Blick vom Rolandsbogen sowie vom Rodderberg auf den Drachenfels, aber auch seine Arbeiten von der Leonarduskapelle oder den „Blick vom Großen Büchel“ auf die Kirche von seiner Heimatverbundenheit.
Diese Heimatverbundenheit kann auch Helene Ramershoven nicht abgesprochen werden, die bereits vor 60 Jahren an der Sanct Martins School of Art in London Zeichnen und Malen gelernt hatte, um dann zunächst ein Studium Bildhauerei und Radierung, später auch freie Kunst anzuschließen. In der Obere Burg zeigte sie in neun Rahmen jeweils vier Arbeiten für zwei ihrer Künstlerbücher. Vier frühe Radierungen in vier Rahmen sind Strophen des Volkslieds „Verstohlen geht der Mond auf, blau, blau Blümelein“ gewidmet, die übrigen 20 dem Gedicht „The castled crag of Drachenfels“ (1816) des „Pioniers“ der Rheinromantik, des Briten George Gordon Noel „the 6. Lord“ Byron (1788-1824).
Nicht dem „höchsten Berg der Niederlande“, wie der Drachenfels wegen der zahlreichen Besucher aus Holland spöttisch bezeichnet wird, wohl aber dem Rhein sah man sich dann im Trauzimmer im ersten Stock gegenüber, wenn auch nur indirekt. Aus Treibholz vom Ufer des Flusses hatte Stefanie Lahr ihre Skulpturen geschaffen, darunter neben einem Delfin auch den bläulich-weißen Belugawal, der 1966 im Rhein hoch bis kurz vor Rolandseck geschwommen war und liebevoll nach dem Roman von Hermann Melville „Moby Dick“ genannt wurde.
Die Wände des angrenzenden Ratssaals wurden von fünf großen „Sternenkarten“, in Acryl mit Schlagmetall und Blattgold auf Leinwand, von Hilmar Alexander Röner beherrscht. Dreidimensionalität und das Metall sind für den gebürtigen Bonner, der 2000 sein Atelier und drei Jahre später auch eine Malschule in Rheinbreitbacher eröffnet hatte, ein wichtiger Bestandteil seiner Kunst. „Sie ergeben etwas Greifbares und Reales, lassen durch die Oxidation unvorhersehbare Strukturen entstehen“, so der Künstler, dessen quadratische Bilder an grün patiniertes Kupfer erinnern. Ganz anders seine Porträtzeichnung von Karl Marx, Willy Brandt und Helmut Schmidt über Friedrich Nietzsche bis hin zu Ludwig van Beethoven und Pablo Picasso, die neben seinen teil-vergoldeten Radierungen wie der „gekreuzigten Freiheit“ und der „gehörnten Diablesse“ auf den Tischen auslagen, an denen sonst Ratsmitglieder ihre Sitzungsunterlagen studieren. DL
