Autorenlesung im Glaspavillon
Rapunzel, mit und ohne Zopf
Faszinierender Abend mit Krimi-Autorin Judith Merchant
Rheinbach. Nach den eher sagen-haften Kriminalromanen „Nibelungenmord“ und „Loreley singt nicht mehr“ nun also ein Märchenmord in Rheinbach, das „Rapunzelgrab“. Nicht unmittelbar am Tatort Hexenturm, jedoch im stylischen Glaspavillon des Glasmuseums, las die Autorin Judith Merchant am vergangenen Mittwoch aus ihrem letzten Werk und stellte sich den neugierigen Fragen von Buchhändler Christoph Ahrweiler (Buchhandlung Kayser) und den anwesenden etwa 50 Zuhörern. Dabei verriet die gebürtige Bonnerin so manches zur Entstehungsgeschichte ihres Buches und auch, dass sie am liebsten in einem Bonner Café zur Feder greift. Die Dozentin für Literaturwissenschaft und kreatives Schreiben las mehrere Passagen, die mal humor-, mal geheimnisvoll vom schrecklichen Verbrechen am Rheinbacher Gemäuer erzählen. Der Autorin gelingt es dabei bis zum überzeugenden Schluss den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Liebenswerte Charaktere begleiten den Leser, wie der seit dem ersten Fall ermittelnde Kommissar Jan Seidel, der nicht nur erneut in einer problematischen Beziehungskiste landet, sondern seine Ex- Partnerin mit dem verhassten Polizei-Pathologen verbandelt sieht. Oder dessen Großmutter - eine rheinische Miss Marple - , die wie gewohnt zum Ermittlungserfolg ihres Enkels beiträgt. Ganz nebenbei verteilt die Schriftstellerin einige Seitenhiebe auf die schreibende Zunft und durchleuchtet einen ominösen Literaturzirkel. Zum Schluss der Veranstaltung signiert die Autorin noch zahlreiche ihrer Bücher. Ein insgesamt sehr gelungener Abend, auch Dank einer sehr sympathischen und aufgeschlossenen Judith Merchant, von der viele gerne noch mehr lesen wollen - am liebsten natürlich in und aus Rheinbach.
