Lokale Agenda 21 in Stadt und Kreis Neuwied
Reise nach Palästina zur Projektpartnerstadt
Kreis Neuwied. In einer Gruppe von 18 Personen aus Neuwied und Umgebung startete eine Delegation der Lokalen Agenda 21 in Stadt und Kreis Neuwied zu einer Reise nach Palästina, um die Städteprojektpartnerschaft mit der Stadt Surif zu vertiefen.
Auch wenn der Schwerpunkt der Reise beim Besuch der Partner aus Surif in Palästina lag, war der Reisegruppe doch wichtig, mit Israelis ins Gespräch zu kommen. Deshalb besuchte die Gruppe den Kibbuz Ramat HaKovesh in der Region Drom Hasharon, der Partnerregion der Stadt Neuwied. Der Gesprächspartner im Kibbuz erläuterte, wie die Zionisten, die nach Israel gekommen waren, wirklich im Sinn hatten, mit den Arabern gemeinsam friedlich zu leben. Aber die Konflikte wurden immer stärker, als mit der Shoah die Anzahl der aus Europa geflohenen Immigranten größer und größer wurde. Die Landkonflikte nahmen zu. Die Gruppe stieg auch in die Bunker, in denen sich die israelischen Kibbuzim im ersten Israelisch-Arabischen Krieg 1948 versteckten. Aus jüdischer Sicht gab es die Angst, dass bei einer Niederlage die dem Nationalsozialismus entflohenen jüdischen Einwanderer ins Meer getrieben werden könnten. Ein junges Mitglied des Kibbuz erläuterte dann seine Sicht der derzeitigen gespaltenen Situation in Israel. Er erwarte nichts Gutes von Netanjahu, sagte er. Ein palästinensischer Israeli der Menschenrechtsorganisation Massawa sprach von dem Paradox, dass Netanjahu die Wende bringen könne, wenn den Menschen jetzt die Gefahr klar werde, in der die Demokratie stecke.
In der palästinensischen Projektpartnerstadt Surif wurde die Gruppe herzlich von dem Bürgermeister, von Stadtratsmitgliedern, der Verwaltung und einer Frauenorganisation begrüßt. Auf dem mit Unterstützung einer italienischen Entwicklungsorganisation erstellten Wanderweg rund um die Stadt kamen wir miteinander ins Gespräch. Die politische Situation ist in vielfacher Hinsicht schwierig. Am besten geht es noch den Surifern, die Tag für Tag nach Israel zum Arbeiten gehen. Das sichert ihnen ein wenn auch prekäres Einkommen, geprägt von Ausbeutungsverhältnissen und oft durch Anstellung als Tagelöhner. Die Perspektive, Familien mit beeinträchtigten Kindern zu fördern, wurde mit den Partnern weiter vertieft. Zuerst einmal soll jetzt mit Hilfe der Projektpartnerschaft Neuwied-Surif ein Spielplatz mit Spielgeräten ausgestattet werden, die auch für Kinder mit Beeinträchtigungen nutzbar sind.
Es wurde vereinbart, auch über Videokonferenzen in einem intensiven Austausch zu bleiben. Im Zusammenspiel der Surifer und der Neuwieder Stadtverwaltung, der Stadträte und der zivilgesellschaftlichen Organisationen (in Surif „Your Health“ und in Neuwied die Lokale Agenda 21) soll die Projektpartnerschaft weiter entwickelt werden. Unterstützt werden die Bemühungen von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), einer Einrichtung von Engagement Global, deren Arbeit finanziert wird vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Eine Reiseteilnehmerin fasste ihre Eindrücke so zusammen: Ja, die Reise hatte etwas Schweres, Trauriges, Schockierendes. Aber wir durften auch ganz viel Schönes erleben! Das Schwimmen im See Genezareth, die Fahrt durchs Jordantal, eine Wanderung durch ein Wadi, die Städte Bethlehem und Jerusalem – das war eine sehr gute, bereichernde, lehrreiche, intensive und harmonische Reise. Unser Blick hat sich geweitet!“
Pressemitteilung
Lokale Agenda 21 in Stadt
und Kreis Neuwied
Josef Freise, Wolfgang Rahn und Elisabeth Freise am Ersthilfezentrum Surif.
