Allgemeine Berichte | 23.10.2024

Dr. Sigrid Wegner referierte beim Lahnsteiner Altertumsverein

Religiöse Frauen in der Region Koblenz im Spätmittelalter

Referentin Dr. Sigrid Wegner und Vorsitzender Dr. Hubertus Seibert. Foto: Bernd Geil

Lahnstein. Mit den Lebenswelten religiöser Frauen in mittelalterlichen Städten am Beispiel von Koblenz befasste sich der Vortrag von Dr. Sigrid Wegner beim Lahnsteiner Altertumsverein. Im 13. bis 15. Jahrhundert, einer Zeit des Wandels in Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche, entwickelte sich innerhalb der religiösen Frauenbewegung die Gruppe der Beginen. Ihr Leben ist geprägt durch eine intensive Frömmigkeitspraxis. Im Gegensatz zu Nonnen haben sie kein Gelübde abgelegt und lebten außerhalb des Klosters in Konventen von sechs bis zehn Frauen, aber auch allein, zu zweit oder in Kleinstgemeinschaften. Sie waren nicht verheiratet oder bereits Witwen und suchten ihre eigenen Lebenswege. Beginen genossen einen größeren Handlungsspielraum als die Nonnen, durften sich frei bewegen, über ihren eigenen Besitz verfügen und auch vor Gericht agieren. Auch außerhalb der Pfarrkirche durften sie die heilige Kommunion empfangen. Sie waren eng vernetzt mit gebildeten, führenden Kreisen. Gute Kontakte unterhielten sie zu den Dominikanern, deren gelehrte Ausbildung sie schätzten. Frau Wegner konnte in ihren Forschungen für den Berichtzeitraum ca. 130 Beginen im Raum zwischen Cochem – Kettig – Leutesdorf – (Kloster) Besselich und Kamp am Rhein namentlich erfassen. Als Beispiel nannte Dr. Wegner die Begine Adelheid von Dausenau, die aus Mülheim-Kärlich stammte und in Koblenz lebte. Ihr Wirken ist von 1318 bis 1355 urkundlich nachgewiesen. Ihren Besitz hatte sie einem Orden verschenkt, sich aber das lebenslange Nutznießrecht einräumen lassen. Auch in Niederlahnstein ist im 14. Jahrhundert ein Beginenkonvent in der Straße des Johannes von Lahnstein urkundlich erwähnt.

Nach der gängigen Literatur richteten Beginen ihr Leben am Armuts- und Bußideal in der Nachfolge Jesu Christi aus und verrichteten vor allem karitative Tätigkeiten für Kranke, Arme und Sterbende. Die Referentin verdeutlichte, dass die Beginen nicht nur als Klageweiber bei Beerdigungen belegt sind, sondern vor allem speziell in Koblenz in Verwaltungs- und Organisationstätigkeiten, ganz erstaunlich aber auch als Testamentsexekutorinnen und Zeuginnen tätig waren.

Eine andere Gruppe religiöser Frauen stellte die Referentin noch vor. Es waren Einsiedlerinnen, genannt Klausnerinnen. In Koblenz konnte Frau Dr. Wegner zwei Standorte von Klausen nachweisen.

Als Fazit schloss die Referentin, dass die Frauen im Spätmittelalter verschiedene Möglichkeiten hatten, ein frommes Leben außerhalb des Klosters zu führen. Wenn es in Koblenz auch keinen Beginenhof wie in Flandern gab, so waren sie doch recht zahlreich in der Region vertreten.

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