Allgemeine Berichte | 23.09.2025

Von Handwerk bis Hightech: Jugendliche erleben vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten in Rheinbach

Rheinbacher Ausbildungsmesse zeigt Vielfalt regionaler Berufswelt

Rund 120 Aussteller präsentierten ihre Ausbildungsangebote auf dem Messegelände.  Fotos: KS

Rheinbach. Schon kurz nach der Eröffnung war die Ausbildungsmesse in Rheinbach am vergangenen Samstag gut besucht. Die ersten Jugendlichen, die das Alliance Messegelände an der Marie-Curie-Straße bereits um 10 Uhr betreten hatten, saßen schon auf den Treppen davor und besprachen in kleinen Gruppen ihre Eindrücke und planten anhand der ausliegenden Pläne ihre zweite Runde. Denn das Angebot war so umfangreich, dass sich eine zweite Tour durch das Gebäude, in dem sich auf vier Etagen rund 120 Aussteller präsentierten, auf jeden Fall lohnte.

Imposant war schon die Fläche vor dem Messegelände, denn hier stachen sofort die großen Maschinen der ausstellenden Firmen ins Auge. Christoph Schorn und Simon Schenatzky von der Baumschule Ley kamen hier mit den Jugendlichen ins Gespräch. Schenatzky, der ursprünglich aus dem IT-Bereich kam, hat bei Ley eine Ausbildung zum Baumschulgärtner gemacht und absolviert gerade die Meisterschule. Voller Begeisterung sprach er über seine Ausbildung, die sehr vielseitig gewesen sei, darum sei er in der Berufsschule oft beneidet worden. Die Wilhelm Ley Baumschulen GmbH hat sich der T.A.G. (Top Ausbildung im Gartenbau) Initiative angeschlossen und sorgt mit kleinen Wettbewerben, zusätzlichen Schulungen oder gezielter Prüfungsvorbereitung dafür, dass neben der Vermittlung der nötigen Kenntnisse der Spaß nicht zu kurz kommt. Natürlich arbeite man viel draußen, auch wenn das Wetter mal nicht so gut sei, erzählt Schenatzky. Aber für die im Winter anfallenden Arbeiten, gebe es extra eine Halle, berichtet er. Früher im IT-Bereich, sei er sich wie im Hamsterrad vorgekommen, jetzt könne er viel besser sehen, was er jeden Tag geschafft habe, sagt er, bevor er einem Jugendlichen erläutert, was es mit den Stecken am Tisch vor ihm auf sich hat.

Drinnen bilden sich teilweise vor den Ständen Schlangen, bis jemand Zeit hat, Fragen zu beantworten. An vielen Punkten können die Jugendlichen etwas ausprobieren, beispielsweise zu mauern, jemanden zu beatmen oder an einem Zahn zu bohren. Das knatternde Geräusch eines Glückrades zieht die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Besonders viele Möglichkeiten, zu hämmern, bohren, spachteln oder zu malern, bietet der Gemeinschaftsstand des Rheinbacher Handwerks. „Je mehr Krach hier ist, desto mehr Leute kommen,“ fasst Sebastian Ulbrich von der Dachdeckerei von Sturm seine Eindrücke zusammen. Gerade Mädchen seien sehr interessiert und möchten vieles ausprobieren, berichtet er. Die Dachdeckerei habe derzeit einen Azubi. Nach der Messe erhielten sie spürbar mehr Bewerbungen und auch die Nachfrage nach Praktika und Schnuppertagen steige, so seine Erfahrung. Er selbst wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und habe sich deshalb für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Seine Erwartungen seien erfüllt worden und der Beruf mach ihm Spaß. Durch die Krisen der letzten Jahre sei das Handwerk vergleichsweise gut gekommen. Derzeit fehle das Fachpersonal, wodurch die jetzigen Berufsanfänger gute Berufsaussichten hätten, lautet seine Einschätzung. Damit steht er nicht allein, denn der goldfarbene Teppich, der den Eingang zum Gemeinschaftsstand markierte, war mit dem Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ bedruckt.

Vor der Halle beratschlagen Romi Rademacher und Lucia Klosteren, die von Ramona Zmudczynski und Natascha Frieben begleitet werden, welche Firmenstände sie noch besuchen wollen. Romi ist in der Schule und hat noch etwas Zeit. Sie hat an diesem Tag schon gemauert und gepflastert, auch Garten- und Landschaftsbau interessiert sie. Sie sondiert ein wenig für das Praktikum in der 9. Klasse. Lucia ist in der 11. Klasse und sucht im juristischen Bereich. Sie möchte Anwältin werden, kann sich eine Stelle in der Rechtsabteilung eines großen Konzerns vorstellen und informiert sich über die Möglichkeiten eines dualen Studiums. Die beiden Frauen, Mutter und Tante der Jugendlichen, sind sich einig, dass es gut gewesen wäre, hätte es eine solch informative Messe schon zu der Zeit gegeben, als sie sich mit dem Thema Berufsfindung beschäftigten. Dann brechen sie zur zweiten Runde auf, mit dem Messeplan in der Hand, um noch ganz gezielt ein paar Stände anzulaufen.

Auch Pierre Rück macht eine Verschnaufpause. Ihm, der bereits Einzelhandelskaufmann lernt, gefallen die Messe und die vielfältigen Informationen gut. Er begleitet Philipp Zinn, der in der 10. Klasse ist. Nach dem Abitur möchte Philipp in IT-Bereich tätig werden. Er möchte sich an diesem Tag einen allgemeinen Überblick verschaffen und sich später auf Websites gezielt informieren.

„Ich bin richtig zufrieden mit dem Andrang,“ sagt Manuel Knauber, Prokurist und Projektmanager der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Rheinbach mbH (WFEG), die die Messe organisiert hat. Das Team habe positive Rückmeldungen sowohl von den Ausstellern, als auch von den Besuchern erhalten, berichtet er weiter. Gelobt worden sei auch die Social- Media-Kampagne. Die jungen Leute seien interessiert und das mache sich in der Qualität der Gespräche bemerkbar, so sein Fazit zur Halbzeit. KS

Gute Stimmung am Info-Stand der Baumschule Ley.

Gute Stimmung am Info-Stand der Baumschule Ley.

Lucia Klosteren (li.) mit Ramona Zmudczynski (2.v.li.) und Natascha Frieben (re).

Lucia Klosteren (li.) mit Ramona Zmudczynski (2.v.li.) und Natascha Frieben (re).

Rund 120 Aussteller präsentierten ihre Ausbildungsangebote auf dem Messegelände. Fotos: KS

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