Dr. Josef Muhr sprach im Odendorfer Zehnthaus
Rheinische Mentalität und Sprache
Swisttal-Odendorf. Er ist Historiker und Germanist, vor allem aber gebürtiger Kölner. Nicht umsonst nennen ihn seine Freunde und Fans „Dr. Kölsch“. Er steht auch dazu, nicht wegen des Getränks, sondern weil er durch und durch „ne kölsche Jung“ und stolz darauf ist. So kam es, dass er als Kind nur den rheinischen Dialekt sprach und „Huhdütsch“ (Hochdeutsch) als Zweitsprache lernte. Andererseits befähigte ihn diese sprachliche Vergangenheit, aus eigenem Erleben im Odendorfer Zehnthaus über die „Rheinische Mentalität im Spiegel ihrer Sprache“ zu reden. Muhr warnte davor, die rheinische Mentalität mit mathematischen Kategorien erfassen zu wollen. Viele Eigenheiten des rheinischen Lebens seien nur mit der Raison de Coeur, der Vernunft des Herzens, zu erklären. Wobei er als Rheinland in diesem Sinne die Bereiche Köln, Bonn, Euskirchen, Düren, Monschau und das Bergische Land sieht. Angesichts der geografischen Lage dieses Rheinlands und seiner Geschichte bestehe der Typus des Rheinländers aus einer Mischung aller Völker Europas, sodass auch die unterschiedlichsten Eigenschaften in diesem Typus vertreten seien. So sei zum Beispiel in Zeiten der Gleichschaltung des öffentlichen Lebens eine schlitzohrige Neigung vorherrschend, versteckte Auswege zu finden. Das hieße aber nicht, dass er heroische Anwandlungen habe, das Überleben stehe im Vordergrund. Dabei spiele das „Klüngeln“ eine große Rolle. Damit seien keine kriminellen Handlungen gemeint. Klüngeln sei vielmehr „ein Sieg über komplizierte, eigentlich nicht handhabbare offizielle Regeln“. Bei aller „mentaler Beweglichkeit“ versuche der Rheinländer, sein Gefühlsleben nicht zu sehr offenzulegen. Dafür setze er auch mal Standardformulierungen ein, die je nach Situation und Betonung Unterschiedliches bedeuten können. So kann „Bliev op’m Teppich“ einen Mittelweg bedeuten zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Dialekte sind älter als die Hochsprache. Die ist ein Kompromiss zwischen den Dialekten, die in Ihr zusammengeführt wurden. Ihr Verschwinden aus dem Alltag sei ein Verlust, so Muhr, aber es gebe gegenläufige Bemühungen, was ihm Hoffnung mache.
Pressemitteilung
Verein Zehnthaus e.V.
Swisttal-Odendorf/Essig
