Allgemeine Berichte | 11.09.2025

Rheinische Naturforschende Gesellschaft auf Exkursion

Die Wandergruppe in den Wacholderheiden.  Foto: privat

Arft. Die Rheinische Naturforschende Gesellschaft (RNG) aus Mainz hatte Ende August als Exkursionsziel die Wacholderheiden bei Arft in der Hocheifel. Der aus vielen Führungen erfahrene Geograph Winfried Sander (Leimbach) begrüßte die Gruppe auf dem Wanderparkplatz am Ski-Gebiet am Raßberg (686 m ü. NHN). Aufkommende, dunklere Wolken brachten später einige Tropfen. Die Gruppe konnte dennoch mit trockener Kleidung ihre etwa 11 km lange Strecke zurücklegen, um vom ersten Stationspunkt „Heidbüchel“ mit einem tollen Blick auf die Hohe Acht wieder am Raßberg mit der ehemaligen, amerikanischen Radio-Relaisstation anzukommen.

Die Wanderung begann mit der unerlässlichen Einführung in die Erdgeschichte der Eifel von etwa 400 Millionen Jahren. Das Relief der Hocheifel ist geprägt vom Vulkanismus der letzten etwa 35 Millionen Jahre, Beispiel ist die Hohe Acht oder der Aremberg. Nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren kamen die vielen kleinen und großen Gewässer mit ihren tiefen Tälern hinzu. Ab dieser Zeit begann der Mensch das Landschaftsbild durch seine Wirtschaftsweise zu prägen. Während der Wanderung wurde immer wieder angesprochen, wie die vermeintliche „Naturlandschaft“ gerade hier so eindrucksvoll entstehen konnte. Für viele sicher am Ende doch eher überraschend, dass der Mensch mit seinen Aktivitäten und damit auch mit seinen tiefen Eingriffen die Verantwortung für Natur und Landschaft trägt!

In der Antike siedelten die Römer in der Eifel vor allem in den tieferen Lagen der Flusstäler mit günstigem Klima. Die Siedlungen aus dem Mittelalter mit Höhenlagen von oft um 500 Meter hatten dagegen ein raues Klima, das eine ertragreiche Landwirtschaft bei mageren Böden nicht zuließ. Einzig die so genannte „Hutewirtschaft“, also eine Haltung, bei der die Tiere mit ihren Hütern (oft Kindern) sich selbst ihr Futter im Gebüsch und im Wald suchen mussten, war eine Erwerbsquelle, die ein karges Leben ermöglichte. Da die jungen, schmackhaften Triebe der Bäume von den Tieren abgefressen wurden, kam ein Wald nach unseren heutigen Maßstäben nicht zustande. Was die Tiere nicht fraßen, war die aus dem Mittelmeerraum eingewanderte Zypressenart „Wacholder“, so dass sich große Flächen mit niedrigen Heidepflanzen und dem Wacholder als stark auf Licht angewiesene Pflanze entwickeln konnten. Wo dennoch Landwirtschaft betrieben werden konnte, war die „Schiffelwirtschaft“ üblich – eine Art Brandrodungswirtschaft, bei der der Boden über die entstehende Asche beim Verbrennen von Gras und Büschen ein wenig gedüngt wurde.

Vom Heidbüchel ging es bergab in das steile Schluchtental des Selbaches, der in das breitere Nettetal mündet. Das kleine Gewässer wurde in der Antike über das Aufstauen von Wasser mit Hilfe von Dämmen und Wehren teilweise zum Transport von Mühlsteinen schiffbar gemacht. Vorbei an der Kleinsiedlung „Netterhöfe“ folgte abschließend der Anstieg hinauf auf die Höhen zur Wanderhütte von Hohenleimbach. Der heutige Ort hieß auf alten Karten „Wüst-Leimbach“, gleichbedeutend mit einer größtenteils aufgegebenen Siedlung. Vielfach wanderten im 18. Jahrhundert Bewohner nach Amerika aus, wenige blieben. Erst auf Antrag der Gemeinde aus dem Jahr 1916 wurde der Ort offiziell umbenannt, um sich des ungeliebten Namens zu entledigen und sich vom unweit liegenden Leimbach am Adenauer Bach abzugrenzen.

Die durch die Preußen angeordnete Anpflanzung der schnellwachsenden Fichte im 19. Jahrhundert war zunächst von der hiesigen Bevölkerung nicht gewollt, wurde aber schnell zum „Brotbaum der Eifel“. Bis zum frühen 19. Jahrhundert waren weitläufige, meist kahle Heidelandschaften typisch für die Osteifel. Diese entstanden durch jahrhundertelang praktizierten Niederwald mit Schaf- und Ziegenbeweidung, bei der der harzige, nadelbewehrte und ungenießbare Wacholder durch die Nutztiere nicht gefressen wurde. Der Wacholderbestand konnte sich dadurch ungehindert ausbreiten. Durch die Industrialisierung, spätestens aber nach dem Zweiten Weltkrieg, waren die Bewohner der Region nicht mehr vorrangig von der Landwirtschaft abhängig, stellten diese ein oder führten sie lediglich im Nebenerwerb. Zwischen den Wacholdern konnten sich Ginster, Buchen, Kiefern, Fichten, Vogel- und Mehlbeeren, Weißdorn, Wildapfel und Wildkirsche entwickeln.

Weiter ging die Wanderung zum „Dr. Heinrich-Menke-Park“, seit 1966 ein Naturschutzgebiet mit 24 ha, benannt nach einem Biologielehrer aus Koblenz, der sich intensiv um die Heideflächen verdient gemacht hatte. Da der Wacholder lediglich eine Beschattung in geringem Maße toleriert, war der Fortbestand gefährdet. 2005 startete daher das LIFE-Projekt „Schutz und Pflege der Wacholderheiden der Osteifel“, unterstützt von der Europäischen Kommission und dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt und Forsten. Ziel des Projektes war es, neben der Erhaltung der Heideflächen, innerhalb von fünf Jahren für eine Verjüngung des alten Wacholderbestandes zu sorgen und damit die Bestandssicherung der Heideflora zu gewährleisten.

Seit Projektabschluss im Jahre 2010 sind die Stiftung für Natur und Umwelt (Kreisverwaltung Mayen-Koblenz) sowie die Wacholderwarte bei der Betreuung der Heidelandschaft aktiv. 2015 konnten erstmals brütende Heidelerchen im Borstgras bzw. Zwergginster der rekultivierten Heideflächen entdeckt werden. Heute finden sich auf den Höhen um Arft wieder Teile einer Heidelandschaft. Die meist dichten Wacholderbestände sind heute stellenweise bis zu drei Meter hoch. Die Flächen haben einen hohen ökologischen Wert, müssen aber als „Kulturlandschaft“ weiterhin regelmäßig maschinell und über Beweidung freigehalten werden; ansonsten droht mittelfristig das Verschwinden dieser einzigartigen Landschaft – eine der grundlegenden Erkenntnisse für die Teilnehmer der Exkursion.

Die Wandergruppe in den Wacholderheiden. Foto: privat

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