Erfolgreiche Benefizveranstaltung in der Ahrbachhalle Boden
Ringen auf höchstem Niveau bei „Robin meets Etienne“
Boden. „Robin meets Etienne“ war eine Herzensangelegenheit. Der mehrfache Deutsche Meister im Ringen Robin Ferdinand hatte seine Freunde aus der Nationalmannschaft und seinen ehemaligen National-Trainer Alexander Leipold in den Westerwald eingeladen, um gemeinsam für den kleinen Etienne zu kämpfen, dessen Start ins Leben durch Schlaganfälle im Mutterleib und während der Geburt von vielen Handicaps geprägt ist.
Die Ringer untereinander kennen sich, begegnen sich auf vielen Wettkämpfen, trainieren zusammen und werden so zu Freunden. Doch „Robin meets Etienne“ war neu: Zusammen gingen sie unter den Argusaugen von Bundesliga-Schiedsrichterin Laura Ferdinand auf die Matte, zeigten spektakuläre Grifftechniken auf höchstem Niveau und kämpften dabei nicht um Punkte oder Titel – sie machten eine ganz andere Erfahrung: Yashar Jamali, Samet Dülger und Kevin Henkel sagten stellvertretend für alle Ringer: „Robins Einladung zu folgen, war für uns eine Selbstverständlichkeit, wir fühlen uns geehrt und sind froh, wenn wir mit unserem Talent ein wenig Leid mildern können.“ Selbstredend machten sie Nägel mit Köpfen: Gemeinsam legten die Schwerathleten annähernd 3000 Kilometer zurück, um an die gut besuchte Wettkampfstätte in Boden zu kommen und spendeten eine angebotene Aufwandsentschädigung – was sicherlich nicht selbstverständlich ist, großartig würde es eher treffen. Genauso reagierte auch Alexander Leipold, der Weltklasse-Ringer und Botschafter der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.
Leipold lag die Veranstaltung ganz besonders am Herzen, er erlitt ebenso wie Etienne mehrere Schlaganfälle. Während einer kurzen Podiumsdiskussion unter der Moderation von Jenny Groß erzählte er von seinem wohl schwersten Kampf zurück ins Leben und appellierte eindringlich, Betroffenen möglichst schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Auf die Frage der Moderatorin, warum ein junger Sportler eine solche Veranstaltung organisiere, antwortete der 23-jährige Ferdinand, dass er in seinem Leben viel uneigennützige Hilfe bekommen habe und er es an der Zeit fand, etwas davon zurückzugeben. Hilfe erhält die Familie unter anderem von der Unnauer Patenschaft, einem gemeinnützigen Verein, der sich seit 30 Jahren ausschließlich um das Schicksal von Menschen mit schwerem Handicap kümmert, wie der Vorsitzende Manfred Franz berichtete.
Etienne’s Mutter Sandra geht offen mit der Krankheit ihres Sohnes um. Sie erzählte von der langsam einsetzenden Erkenntnis, dass ihr Sohn sich anders entwickeln würde, den folgenden zahllosen Operationen und der Bewältigung des Alltages. Dass Etienne sich heute selbstständig fortbewegen kann, verdanken die Eltern unter anderem der Tomatis-Therapie. Sie ist teuer, die Krankenkassen bezahlen die Therapie nicht, die Eltern können das Geld alleine nicht aufbringen. Als die sonst eher redegewandte Sandra König ihren Dank in Worte fassen will, versagt ihr die Stimme, sie wird von ihren Gefühlen überwältigt – das empfanden die Schwerathleten, Muskelmänner in gestählten Körpern, in denen butterweiche Kerne stecken, als schönsten Lohn.
Bei Redaktionsschluss stand der Erlös leider noch nicht fest. Blick aktuell wird ihn zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.
Foto: Picasa
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