30 Jahre nach Tschernobyl
Robbers: Folgen von Tschernobyl noch immer messbar
Mainz. Am 26. April jährt sich der Reaktorunfall von Tschernobyl zum 30. Mal. Der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Prof. Dr. Gerhard Robbers spricht von einem „traurigen Jubiläum“ und stellt fest: „Die Folgen dieser Katastrophe beschäftigen auch unsere Lebensmittelüberwachung bis zum heutigen Tag.“
Besonders deutlich messbar seien die Spätfolgen des Unglücks im Fleisch von Wildschweinen. Die radioaktive Wolke, die nach dem GAU über Europa zog, hat die Flächen der Bundesrepublik Deutschland unterschiedlich stark belastet - je nachdem, wie viel Niederschlag in den Tagen nach dem Unfall niederging.
In Rheinland-Pfalz waren die Gebiete „Pfälzerwald“ und „Hochwald“ besonders betroffen. In den dortigen Jagdrevieren muss nach wie vor jedes Stück erlegtes Schwarzwild vor der Abgabe an den Verbraucher auf radioaktives Cäsium untersucht werden. Durch diese Untersuchungen wird sichergestellt, dass keine Wildschweine, deren Fleisch den Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm überschreitet, in den Verkehr kommt. Im Jahr 2015 waren dies 113 von insgesamt 1907 erlegten und untersuchten Tieren.
Neben den Kontrolluntersuchungen aller Tiere aus den beiden festgelegten Untersuchungsgebieten werden im sogenannten landesweiten amtlichen Monitoring zusätzlich Proben von erlegten Tieren aus anderen Teilen des Landes untersucht. Stichprobenartig überwacht wird auch das Schwarzwildfleisch, das im Handel angeboten wird. Dabei kam es in der zurückliegenden Jagdsaison zu keiner Beanstandung.
Aber nicht nur Wildschweine werden untersucht. Seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl misst das Landesuntersuchungsamt (LUA) flächendeckend und regelmäßig alle möglichen in Rheinland-Pfalz erzeugten Lebensmittel wie zum Beispiel Gemüse und Obst sowie Fleisch und Milch. Robbers: „So stellen wir sicher, dass wir auch kleinste Veränderungen der Radioaktivität in Lebensmitteln frühzeitig erkennen und im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher tätig werden können.“
Hintergrund: Cäsium-137 und das Schwarzwild
In der ersten Zeit nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl von 1986 spielte das kurzlebige radioaktive Isotop Iod-131 mit einer physikalischen Halbwertszeit (die Zeit, nach der die Hälfte der radioaktiven Atome zerfallen ist) von etwa acht Tagen die wichtigste Rolle. In der Pfalz musste das erste erntereife Blattgemüse komplett untergepflügt werden. Während die Belastung der Lebensmittel durch Iod-131 bereits Ende Mai 1986 keine Rolle mehr spielte, ist das langlebige Cäsium-137 mit seiner physikalischen Halbwertszeit von 30 Jahren noch immer im Ökosystem vorhanden.
Pressemitteilung Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz
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