SV Grün-Weiß Alzheim beging am vergangenen Wochenende sein 100-jähriges Bestehen etwas verspätet
SV Alzheim feiert sein 100. Jubiläum: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Bei den zweitägigen Jubiläumsfeierlichkeiten auf dem Sportplatz und im Festzelt war für jeden Geschmack etwas dabei
Mayen. Exakt am 3. Juni 1920 gründeten 20 sportbegeisterte junge Männer im heutigen Mayener Stadtteil Alzheim einen Fußballverein, der 2020 sein 100-jähriges Bestehen feiern wollte. Die Corona-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung, das Fest wurde frühzeitig abgesagt. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Zwei Jahre später, am Samstag und Sonntag der vergangenen Woche, durfte der Traditionsklub SV Grün-Weiß Alzheim sein Jubiläum endlich begehen. „Zwei Jahre nach dem eigentlichen Termin wollten wir zeigen, dass der SV Alzheim auch 102 Jahre nach seiner Gründung ein höchst lebendiger Verein geblieben ist. Ich glaube, dass uns dies an den beiden Tagen bestens gelungen ist“, zog der rührige Vorsitzende Schapour Dadsetan, mittlerweile seit zehn Jahren in Amt und Würden, ein positives Resumee.
Das Programm begann am Samstag um 14 Uhr mit einem Empfang für Ehrengäste und Ortsvereine, den Moderator Hans-Peter Schössler gewohnt süffisant mit zahlreichen Anekdoten moderierte. Der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Dr. Alexander Saftig, der Mayener Oberbürgermeister Dirk Meid, der Alzheimer Ortsvorsteher Lothar Geisen, der Präsident des Fußballverbands Rheinland, Walter Desch, der Vorsitzende des Fußballkreises Rhein/Ahr, Dieter Sesterheim, und Dadsetan selbst lauschten Schösslers Worten. „Ein Spiel zwischen dem SV Allenz-Berresheim und dem TuS Kehrig, das war früher die Mutter aller Derbys“, blickte Schössler zurück. „So ähnlich wie heute Glasgow evangelisch gegen Glasgow katholisch. Und damals immer mit einer anständigen Schlägerei verbunden, entweder vorher oder nachher.“
Ein großes Lob hatte der Moderator für Dadsetan parat, ein „überragendes Beispiel einer total elungenen Integration“, so Schössler. „Ich bin zwar im Iran geboren, aber ich habe mich hier immer wohl gefühlt“, entgegnete Dadsetan, selbst kein Freund großer Worte. Alzheim sei seine Heimat geworden. „Die Sportstiftung Mayen-Koblenz ist ein ganz wichtiger Aspekt“, bekräftigte der Landrat. „Schulterklopfen reicht nicht. Die öffentliche Hand hat die Pflicht, die Vereine zu unterstützen. Vor allem dann, wenn es um Hallen- und Platzkapazitäten geht.“ In die gleiche Kerbe schlug Oberbürgermeister Meid: „Die vergangenen zwei Jahre gingen an die Substanz, ohne beispielsweise das Schützenfest fehlt vielen das Geld. Vereine sind für die Gesellschaft das Salz in der Suppe.“
Ortsvorsteher Geisen sprach von einem funktionierenden Vereinsleben, nicht nur beim knapp 400 Mitglieder zählenden SV Alzheim, sondern auch bei den Junggesellen, bei den Schützen, bei den Möhnen und bei der Frauengemeinschaft. „In den Jahren 2020, 2021 und 2022 gab und gibt es gleich 60mal ein 100-jähriges Bestehen zu feiern. Allerdings müssen alle Verantwortung übernehmen, dass das auch so bleibt. In unserem Verband verfügen 1000 Vereine über 180.000 Mitglieder, das sind im Durchschnitt 180 pro Klub. Wir müssen gewisse Dinge anders anpacken und neue Anreize schaffen. Viele Vereine haben das erkannt, einige aber noch nicht“, legte FVR-Präsident Desch, der am Samstag beim Verbandstag in der Europahalle in Trier nach dann 21 Jahren aus seinem Amt ausscheiden wird, den Finger in die Wunde.
Im Anschluss an den Empfang im Festzelt trafen die Traditionsmannschaften des 1. FC Köln und des FSV Mainz 05 aufeinander, diesem sportlichen Kräftemessen über zweimal 35 Minuten auf dem Kunstrasenplatz in Alzheim wohnten bei heißen Temperaturen 350 Zuschauer bei. Sie sahen eine muntere Begegnung mit zahlreichen Kabinettstückchen auf beiden Seiten. Und das Phänomen bei älteren Fußballern, die von der Mittellinie aus oft eine glasklare Abseitsposition des Gegners erkannt haben wollten. Der Unparteiische Hamid Rostamzada (Mayen) und die beiden Schiedsrichter-Assistenten Franziska Hilger (Glees) und Jan Krümpelmann (Kottenheim) ließen alle Kritik aber locker an sich abprallen. Ex-Nationalspieler Stephan Engels, der acht Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte und die Traditionsmannschaft des 1. FC Köln zusammen mit Legende Bernd Cullmann in Alzheim betreute, durfte sich über einen 9:5 (7:0)-Erfolg freuen, der am Abend ab 19 Uhr passenderweise mit einem „Kölsch-Abend“ mit DJ Sven Weber und der Bevölkerung gefeiert werden konnte.
Der Familien-Tag am Sonntag mit Kaffee und Kuchen rundete die zweitägigen Jubiläumsfeierlichkeiten ab, wobei zum Abschluss auch diejenigen Mitglieder geehrt wurden, die dem SV Grün-Weiß Alzheim 1920 immer die Treue und ihn somit am Leben gehalten haben. Berechnet wurde die Vereinszugehörigkeit für das Jahr 2020, als das Jubiläum eigentlich vorgesehen war.
Ehrungen
Goldene Ehrennadel (50 Jahre): Manfred Arenz, Ulrich Bechtholdt, Manfred Diewald, Peter Geisen, Manfred Metzenroth.
Silberne Ehrennadel (40 Jahre): Gertrud Adams, Marlo Bläser, Ruth Bergweiler, Irmgard Geisbüsch, Eva Geisen, Gisela Gilles, Günter Jordan, Marianne Jordan, Erich Schneider, Gisela Schneider, Hiltrud Wierschem.
Bronzene Ehrennadel (25 Jahre): Joerg Brauwers, Joachim Hoose, Stephanie Pavonet, Agnes Geisbüsch, Mike Irmiter, Julian Geisen, Herbert Maaser, Margot Bechtholdt, Christiana Comes-Limbach, Michael Limbach, Kurt-Jakob Hahn, Monika Hahn, Renate Herter, Kevin Köppchen, Andreas Zeit, Hans Windolf, Marianne Windolf, Horst Brück, Florian Geisen, Tobias Geisen, Marcel Irmiter, Christa Jäger, Andreas Scholl, Daniel Wierschem.
Munteres Spielchen: Beim Duell der Traditionsmannschaften des 1. FC Köln (schwarze Trikots) und des FSV Mainz 05 bekamen die 350 Zuschauer auf dem Alzheimer Kunstrasenplatz 14 Tore zu sehen.
Der Nachwuchs auf der Jagd nach Autogrammen.
Moderator Hans-Peter Schössler im Gespräch mit Wolfgang Steffens, einem der besten Fußballer, die der SV Alzheim hatte.
Auch Landrat Dr. Alexander Saftig (Zweiter von links), der Mayener Oberbürgermeister Dirk Meid (links) und der Alzheimer Ortsvorsteher Lothar Geisen (rechts) hatten Geschenke für den SV-Vorsitzenden Schapour Dadsetan mitgebracht.
