Allgemeine Berichte | 31.08.2018

Mitteilung der Stadtverwaltung Bendorf

Sachstand und weitere Entwicklung des Denkmalareals Sayner Hütte

Deutliche Baumängel in der gusseisernen Tragekonstruktion trugen u. a. zur einer erheblichen steigerung der Sanierungskosten bei.GM

Bendorf. Seit der Übernahme des ehemaligen Hüttenareals durch die Stadt Bendorf im Jahre 2004 hat sich viel getan. In der letzten Stadtratssitzung brachte Bürgermeister Michael Kessler den Ratsmitgliedern eine Mitteilung der Verwaltung zur Kenntnis, die umfangreiche Informationen zur Entwicklung und Zukunft des Denkmalareals Sayner Hütte zum Inhalt hat. So war man bei einem Finanzierungsgespräch im Jahre 2005 von einem Budget von 5,5 Mio. Euro für die Sanierung und Gebäudesicherung ausgegangen, aber nachdem Ordnungsmaßnahmen durchgeführt und nicht denkmalrelevante Gebäude und Aufbauten abgerissen worden waren stellte sich bald heraus, dass der Finanzbedarf erheblich höher sein wird. Alleine die Gießhalle zeigte, anders als beim Erwerb des Areals vermutet, deutliche Baumängel in der gusseisernen Tragekonstruktion auf. Gutachterlich wurde 2007 festgestellt, dass die Halle nicht mehr genutzt werden darf und das Tragwerk einer Sanierung bedarf. Es erfolgten Sanierungsplanungen in drei Bauabschnitten, diese konnten in den Jahren 2011 bis 2014 durchgeführt werden. Die Tragwerksanierung wurde mit der Sanierung der gläsernen Westfassade in diesen Tagen abgeschlossen. Ebenfalls ist die denkmalgerechte Sanierung und der Umbau der Krupp’schen Halle im April 2017 fertiggestellt worden.

Weitere Baumaßnahmen

Derzeit laufen Maßnahmen zum Umbau des Hochofengebäudes. Im Zuge der Vorbereitung wurde zunächst ein Industrie- und Bauforscher beauftragt, um die Technik- und Baugeschichte der historischen Gießhalle zu erforschen. Es folgten archäologische Grabungen im Hochofengebäude, dabei wurden neue Erkenntnisse zur Technikgeschichte der Hüttenanlage gewonnen und festgestellt, dass die Sayner Hütte als erste Hütte in Deutschland über einen Hochofen mit Heißlufttechnologie verfügte. Die gesamten Baumaßnahmen sollen bis Ende Dezember 2018 abgeschlossen sein. Dann sollen sowohl die Hüttengeschichte, die Produktionsabläufe aber auch bedeutende Eisenkunstgussprodukte am authentischen Ort präsentiert werden können. Für die beabsichtigte Inszenierung des Hochofens sind aufgefundene technische Beschreibungen und Zeichnungen wesentlicher technischer Apparate äußerst bedeutsam. Auch die Inszenierung des Hochofens soll zum Ende des Jahres 2018 abgeschlossen werden. Ebenfalls soll das Arkadengebäude saniert und für eine neue Nutzung vorbereitet werden. Aufgrund des Bauzustandes ist eine umfassende und tiefgreifende Revitalisierung notwendig. Die Planung der Neunutzung sieht im Erdgeschoss wichtige Infrastruktur für die Nutzbarmachung der Gießhalle vor. So werden Künstlergarderoben, Technikräume, Lager und WC-Anlagen entstehen. Mit der Maßnahme „Arkadengebäude“ wird noch in diesem Jahr begonnen. Das Comptoir stammt aus dem Jahr 1769 und ist das einzig erhaltene Gebäude aus der Gründungszeit der Sayner Hütte. Bereits im Jahr 2010/2011 wurde mit Mitteln der Denkmalpflege des Landes Rheinland-Pfalz und des Bundes das Schieferdach des Gebäudes erneuert, um es vor dem Verfall zu schützen. Zukünftig soll das Gebäude wichtige zentrale Funktionen erhalten, so sollen dort die Stiftungsverwaltung, die Museumsverwaltung, Personalräume, Sitzungsräume und eine öffentliche Toilettenanlage untergebracht werden. Weiter ist die Hangsicherung eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt der bedeutenden Denkmäler Hochofengebäude, Gießhalle und Arkadengebäude. Nach geologischen Untersuchungen ist der Hangbereich vom Hochofengebäude bis über die angrenzende Landesstraße 306 instabil. Die Transportebene soll als barrierefreier Fußweg wiederhergestellt werden. Von dort führt der Weg über die noch zu errichtende Möllerbrücke in das Hochofengebäude zur sogenannten Möllerebene, dem höchsten Stockwerk des Hochofengebäudes. Der Besucherrundgang folgt dem Weg der Rohstoffe zur Inszenierung der Verhüttung im Hochofen. Gleichzeitig ist dieser Weg mit der Möllerbrücke der baurechtlich notwendige Fluchtweg aus der Möllerebene des Hochofengebäudes. Die Maßnahme soll im Jahr 2019 abgeschlossen werden.

Die Möllerbrücke ist ein Bestandteil der Erschließung des Hochofengebäudes. Historisch war die Möllerbrücke ein massives und groß dimensioniertes Bauteil, dass der Rohstoffversorgung der Sayner Hütte diente. Die Größe des Bauteils resultierte aus der Befahrbarkeit für Pferdefuhrwerke. In Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz soll die Möllerbrücke nicht rekonstruiert werden, stattdessen soll eine architektonische Neuinterpretation erfolgen. Sie soll als einfache Trägerkonstruktion aus verzinktem Stahl hergestellt werden und eine für Fußgänger adäquate Breite erhalten.

Die Sayner Hütte ist seit April 2017 täglich öffentlich zu besichtigen. Das Konzept des Besucherzentrums sieht vor, dass eine Dauerausstellung in der Krupp’schen Halle installiert werden soll, und zwar vorrangig im Bereich der nördlichen Galerie, damit die Multifunktionalität der Halle nicht beeinträchtigt wird. Die Planung und Umsetzung der Dauerausstellung soll im Jahr 2019 abgeschlossen werden. Das noch vorhandene Fragment des Wasserrades erscheint im neuen Licht durch die Erkenntnis, dass sein Erbauer Karl Ludwig Althans maßgeblich an der Entwicklung von Wasserturbinen beteiligt war. Das Wasserrad in der Sayner Hütte ist gänzlich aus Metall, weist eine Konstruktion mit filigranen Speichen auf und ist mit oberschlägigem Wassereinlauf mit einem rückwärts laufenden Wasserrad für die Technikgeschichte von großer Bedeutung. Dieses noch erhaltene Relikt der historischen Hochofentechnik soll gesichert und konserviert werden. Nach der Sicherung muss die Wasser-Radkammer entsprechend hergerichtet werden um das Fragment auf dem Besucherrundgang präsentieren zu können.

Die Kosten

Die Investitionsaufwendungen für die vorgenannten bereits durchgeführten Maßnahmen sowie die Maßnahmen, die in nächster Zeit begonnen werden und für die bereits Förderbescheide vorliegen betragen insgesamt 16.595.348,38 Euro. Diesen Investitionsaufwendungen stehen bereits bewilligte Fördergelder von 14.152.593,87 Euro gegenüber. Der Eigenanteil der Stadt Bendorf an den Investitionsaufwendungen in den Jahren 2004 bis 2019 beträgt 2.442.754,51 Euro, das entspricht einem prozentualen Anteil in Höhe von 14,72 % der gesamten Investitionsausgaben.

Mit den beteiligten Planern wurde eine Kostenschätzung für alle noch bekannten erforderlichen Maßnahmen auf dem Denkmalareal durchgeführt, danach sind bis zur Beendigung der gegenwärtigen Investitionsphase noch Investitionen von rund 2.880.000,00 Euro notwendig. Der Eigenanteil der Stadt Bendorf wird hierbei voraussichtlich 580.000 Euro betragen, verteilt auf mehrere Jahre. Sollte das Projekt von allen Fördergebern weiterhin unterstützt und auch von der Stadt getragen werden, könnte ein Zeitraum bis Ende 2022 realistisch sein. Die voraussichtliche Belastung durch den Eigenanteil der Stadt würde dann rund 194.000 Euro jährlich betragen.

Dieses Comptoir stammt aus dem Jahr 1769 und ist das einzig erhaltene Gebäude aus der Gründungszeit der Sayner Hütte.

Dieses Comptoir stammt aus dem Jahr 1769 und ist das einzig erhaltene Gebäude aus der Gründungszeit der Sayner Hütte.

Das Arkadengebäude wird ebenfalls saniert und für eine neue Nutzung vorbereitet.

Das Arkadengebäude wird ebenfalls saniert und für eine neue Nutzung vorbereitet.

Deutliche Baumängel in der gusseisernen Tragekonstruktion trugen u. a. zur einer erheblichen steigerung der Sanierungskosten bei.Fotos: GM

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